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Formel 1 : Heißer Tanz in der Königsrunde

Da glüht der Asphalt: Die Feinabstimmungen im Warm up hinterlassen Spuren Bild: imago sportfotodienst

Wichtig und zugleich megakompliziert: Ein Formel-1-Auto für das Rennen aufzuwärmen ist eine Kunst für sich. Auch am Sonntag (14 Uhr) vor dem Start des Grand Prix in Barcelona.

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          Noch einmal Ruhe. Und Konzentration. Die Schönen und Reichen sind längst verschwunden aus der Startaufstellung, auch die Fotografen und Kamerateams mussten gehen. Die Männer in den Rennwagen bleiben allein. Es sind die letzten Momente vor dem Start, Lewis Hamilton sitzt versunken im Cockpit seines Mercedes, er schließt kurz die Augen und lässt in Gedanken einen Film ablaufen. „Du musst in dieser Situation mental unglaublich stark sein“, sagt er. „Du darfst dich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen.“ Die Motoren werden angelassen, die Heizdecken von den Reifen genommen. Eine Aufwärmrunde noch, dann geht die Jagd los. So ist es vor jedem Grand Prix in der Formel 1 und auch heute in Barcelona (14 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker)

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          4655 Meter - so lang ist eine Runde auf dem Circuit de Catalunya vor den Toren Barcelonas. Etwas mehr als zwei Minuten brauchen die Piloten dafür, wenn sie nicht Vollgas geben. „Diese eine Runde ist für die Fahrer und die Ingenieure eine der anspruchsvollsten am gesamten Wochenende“, sagt Andrew Shovlin. Der 39 Jahre alte Brite hat schon mit Jenson Button und Michael Schumacher zusammengearbeitet, nun betreut er als Chef-Renningenieur die Autos von Nico Rosberg und Lewis Hamilton bei Mercedes. Shovlin sitzt während der Rennen am Kommandostand, vor ihm die Monitore mit Zahlenreihen und Kurvendiagrammen. Die Formel 1 ist gläsern geworden, Hunderte Sensoren messen den Pulsschlag der Boliden und übertragen die Daten in Echtzeit zu den Experten an die Boxenmauer.

          Die Raserei als Wissenschaft. Manchmal entscheiden sich Sieg und Niederlage schon, bevor die Startampeln erlöschen. Die Rennwagen der Neuzeit sind sensibel, sie müssen penibel genau auf den Ernstfall vorbereitet werden. Die Hauptarbeit wird in den drei Trainingssitzungen freitags und samstags gemacht, doch manches davon ist wertlos, wenn die Aufwärmrunde nicht perfekt ist. Sie gleicht deshalb stets einer ganz speziellen Choreographie, abhängig von der Strecke, der Temperatur und der Abstimmung des Boliden. „Wir sagen den Fahrern ganz genau, was sie tun müssen“, erzählt Shovlin. „Wenn wir das nicht machen würden, dann gäbe es immer etwas, das sie vergessen. Aber das ist normal, es gibt so viel zu erledigen auf dieser einen Runde.“

          Fehler nicht erlaubt

          Bis zu zwanzig Funksprüche schicken die Ingenieure während der Einführungsrunde ins Cockpit, mehr wird nie gesprochen während eines Grand-Prix-Wochenendes. „Es ist ein konstanter Fluss an Informationen“, sagt Rosberg. „Es hört gar nicht mehr auf.“

          Schon am Vormittag vor dem Rennen sitzen die Spezialisten von Mercedes mit den beiden Fahrern zusammen und besprechen die Einzelheiten. Sie legen eine Streckenkarte auf den Tisch und gehen Gerade für Gerade, Kurve für Kurve durch. „Diese Runde ist so wichtig und zugleich megakompliziert“, sagt Rosberg. Schon vom ersten Startplatz aus soll er an diesem Sonntag mit durchdrehenden Reifen in die Aufwärmrunde fahren, damit möglichst viel Gummi auf dem Asphalt liegen bleibt. Rund 750 PS hat sein Mercedes, aber nur wenn die Pneus greifen, kann diese Leistung zu Beginn des Grand Prix, beim Sprint zur ersten Kurve, auch auf die Strecke gebracht werden. Der Beginn der Einführungsrunde ist zudem die letzte Möglichkeit, die Einstellung der Kupplung zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. Greift sie nicht richtig oder zu spät, ziehen die Gegner beim Start mühelos an einem vorbei. „Du darfst dir keinen Fehler erlauben“, sagt Rosberg.

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