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Formel 1 : Heißer Tanz in der Königsrunde

Aufwärmprogramm für Weltmeister: Auch bei Sebastian Vettel und Fernando Alonso kommt es auf die letzten Meter vor dem Start an
Aufwärmprogramm für Weltmeister: Auch bei Sebastian Vettel und Fernando Alonso kommt es auf die letzten Meter vor dem Start an : Bild: dpa

Es gerät schließlich einiges durcheinander. 22 Piloten fahren in Schlangenlinien über den Kurs, immer wieder treten sie zwischendurch auf das Bremspedal, geben danach wieder Gas. In jedem der sieben Gänge müssen die Fahrer während der Aufwärmrunde mindestens ein Mal bis an den Drehzahlbegrenzer beschleunigen, so wird das Schnellschaltgetriebe synchronisiert. Die Piloten verstellen Bremsbalance und Differential, überprüfen noch einmal alle Systeme. Die Piloten bleiben immer auf der Ideallinie, damit die Reifen keinen Schmutz aufsammeln.

Burnouts auf den letzten Metern

Dann, auf den letzten Metern vor dem Start: Burnouts, durchdrehende Reifen, vier bis sechs Mal - so lange, bis der Renningenieur sagt, dass die Daten stimmen. Es gibt exakte Vorgaben: Das Öl im Motor soll höchstens 100 Grad Celsius heiß werden, die Gummis hingegen etwa 110 Grad Celsius, die Bremsen greifen sogar erst richtig, wenn ihre Temperatur rund 300 Grad Celsius beträgt und die Scheiben beinahe schon glühen. Viel heißer aber dürfen sie nicht werden. Bei 500 Grad Celsius könnten sie Feuer fangen in der Startaufstellung.

Rosberg ist in Barcelona in einer komfortablen Situation. Er kann als Erster das Tempo vorgeben auf dem Weg zum Start, er muss sich nicht nach den anderen richten, kann das eigene Programm abspulen. „Das Problem in der Aufwärmrunde ist: Ein Formel-1-Auto ist nicht dafür gemacht, um es langsam zu fahren“, sagt Shovlin. „Wenn du aber nicht schnell genug bist, dann verliert der Motor all seine natürliche Kühlung durch die Luft. Wenn der Fahrer nicht aufpasst, kann die Temperatur deshalb schnell im kritischen Bereich sein.“

Acht Meter sind wenig

Immer wieder ist in der Vergangenheit etwas schiefgelaufen. David Coulthard wäre 1995 in Monza beinahe mit einem Jordan kollidiert und drehte sich mit seinem Williams, ehe es wirklich ernst wurde. „Einige fahren in der Aufwärmrunde so unfassbar langsam, andere müssen noch Temperatur in ihre Reifen bringen - dann passieren solche Sachen eben“, sagte der Brite später. Auch Schumacher machte seine Erfahrungen. In Silverstone überholt er 1994 Damon Hill in der Einführungsrunde, bekommt eine Stop-and-Go-Strafe, ignoriert diese jedoch. Im Rennen wird er deshalb qualifiziert, fährt trotzdem bis ins Ziel und wird für zwei Grand Prix gesperrt. 1996 blieb er mit seinem Ferrari in der Aufwärmrunde zum Großen Preis von Frankreich wegen eines Motorschadens stehen, in der Startaufstellung fehlte der Deutsche. Die Statistiker streiten deshalb noch immer, ob Schumacher 306 oder 307 Rennen gefahren ist in der Formel 1.

Acht Meter trennen die Rennwagen in der Startaufstellung voneinander. Acht Meter sind wenig, wenn Rennwagen wie in der Formel 1 in weniger als drei Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und mit mehr als 300 Kilometern in der Stunde über die Gerade schießen. Tausende Zuschauer auf der Haupttribüne werden in Barcelona gebannt auf den Start schauen, das Fernsehen wird die entscheidenden Manöver danach in Zeitlupe sezieren. Fernando Alonso (Ferrari) gilt als einer der besten Starter in der Szene, seine Reflexe sind beeindruckend, sein Vorgehen in der Aufwärmrunde präzise. Davon schwärmen seine Ingenieure. Richtig heiß aber wird es erst, wenn die fünf Startlichter ausgehen.

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