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Formel 1 : Heidfelds Heldentaten

  • -Aktualisiert am

Wieder Geschmack gefunden: Nick Heidfeld Bild: dpa

Viele in der Formel 1 schätzen ihn, zogen aber andere vor. Erst der Rallye-Unfall von Robert Kubica eröffnete Nick Heidfeld die Rückkehr in den Rennzirkus. Dort schmeckt der Nachrücker nun nach zwei Jahren wieder den Champagner.

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          Zwei Jahre hat er darauf warten müssen. Und nicht gewusst, ob er es überhaupt jemals wieder erleben würde. Dieses Gefühl, da oben zu stehen, vor aller Augen, und den prickelnden Champagner zu schmecken. Nick Heidfeld gefiel es bestens auf dem Podium nach dem Großen Preis von Malaysia am Sonntag. 2009 hatte er als BMW-Pilot zuletzt im Kreis der besten drei Formel-1-Fahrer gestanden. Diesmal stieg er als Pilot von Lotus-Renault und Überraschungsgast hinter Sieger Sebastian Vettel (Red Bull) und Jenson Button (McLaren) die Treppen hinauf zum Ehrenpodest. „Wenn mir das einer vor zehn Wochen gesagt hätte . . .“ Heidfeld schüttelte den Kopf.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Erst der furchtbare Unfall von Robert Kubica bei einer kleinen Rallye in Italien eröffnete dem Mönchengladbacher die Rückkehr in den Rennzirkus. Als Ersatzmann für den Polen nominierte ihn Lotus-Renault Anfang Februar. Es war der zweite Noteinsatz nach dem Ausstieg von BMW Ende 2009. Damals wollte ihn niemand mehr als Stammpilot verpflichten. Dabei zählt Heidfeld zweifellos zu den besten zehn Piloten der Branche. Aber das ist die Geschichte seines Lebens. Alle mögen sie ihn, viele schätzen sein technisches Verständnis, seine ruhige Art. In den entscheidenden Momenten aber wurden andere vorgezogen, hochgelobt und befördert in Top-Teams. Heidfeld landete allenfalls bei den Zweitbesten.

          Der Pole schwebte über Heidfeld

          Dabei hat er sich von den meisten seiner Teamkollegen nicht abhängen lassen: Weder von Landsmann Heinz-Harald Frentzen, noch vom späteren Weltmeister Kimi Räikkönen und in drei BMW-Jahren auch nicht von Kubica. Trotzdem fragten sich britische Reporter noch am Freitag in Malaysia, wie der neue Lotus-Renault wohl dahin geflogen wäre, wenn Kubica sich nicht so schwer verletzt hätte am ersten Februar-Wochenende. Der Pole schwebte über Heidfeld, weil dessen Premiere im Cockpit des beliebten Piloten in Australien zu einem Debakel geraten war.

          Heidfeld auf der Strecke vor Hamilton: Gut über die Runden gekommen

          Aber nur von außen betrachtet. Heidfeld blieb im Qualifikationstraining wegen Verkehrs in der ersten Runde hängen und belegte im Rennen Platz zwölf, während sein unerfahrener Teamkollege Witaly Petrow erstmals in seiner Karriere Dritter wurde. Was das Fernsehen nicht zeigte und selbst Renault nicht kommunizierte: Der Schweizer Sebastien Buemi hatte kurz nach dem Start mit seinem Toro Rosso die rechte Seite von Heidfelds Boliden aufgerissen. Mancher Kritiker hielt sich nicht lange mit den Gründen für Heidfelds vermeintlichen Fehlstart auf.

          Nun ist Heidfeld der kleine Held

          „Mich freut das für Nick“, sagte Sieger Vettel, „besonders nach so langer Zeit und nach der vielen Kritik zuletzt.“ Vettel ist der Gruß und die Bestärkung leicht gefallen. Den Renault und damit auch die Besatzung hat er nicht zu fürchten im Moment. Den Ingenieuren ist zwar eingefallen, was Ferrari und auch Mercedes nicht zustande gebracht haben. Nämlich ein revolutionäres Auspuff-System. „Aber ich hätte Sebastian im Rennen nie gefährlich werden können“, sagte der 33 Jahre alte Rheinländer: „Der Start war entscheidend, ein großer Spaß.“ Aus dem Stand ist der R 31 mit starker Traktion eine kleine Rakete. Aber weder beim Sprint über eine Runde, noch im Dauerlauf reicht das Tempo für Siege aus eigener Kraft. Dazu brach am Freitag bei beiden Autos ein Teil der Vorderradaufhängung. Deshalb war die Vorstellung im Rennen umso erstaunlicher. Das Team verlor viel Testzeit, kam trotzdem mit den wenigsten Runden (je 9) durchs Qualifikationstraining auf die Startplätze sechs und acht. Hätte sich Petrow nicht einen Fahrfehler mit anschließendem Unfall geleistet, Renault wäre mit einer größeren Punkteladung zum nächsten Rennen nach China aufgebrochen.

          Von dem Russen war zwei Wochen nach seinem Coup in Melbourne selbst bei Renault kaum mehr die Rede. Nun ist Heidfeld der kleine Held: „Ich wusste“, sagte Teamchef Eric Boullier, „dass er stark zurückkommen würde. Das Ergebnis ist ein weitere Beweis für unsere Stärke.“ Und für die Effektivität des Teams. Mit einem Budget von 170 Millionen Euro (geschätzt) gehört der Rennstall zur Mittelklasse, weit hinter Ferrari (330) und auch noch hinter Mercedes (180). Bei den Stuttgartern hätte Heidfeld wieder unterkommen können. Zum zweiten Mal als Ersatzfahrer (nach 2010) ohne Testeinsatz. Jetzt fährt er den Landsleuten vor der Nase her. Vermutlich nicht nur eine Runde.

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