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Formel 1 : Harte Zeiten für die Kostenweltmeister

Präsentation bei Toyota: puristisch statt pompös Bild: ddp

Max Mosley will den Formel-1-Rennställen vorschreiben, ihre Budgets auf 150 Millionen Dollar zu kürzen. Zuzüglich der Kosten für die Motoren, versteht sich. Dennoch viel Sparpotential für ein Team wie Honda, das bisher 420 Millionen Dollar pro Jahr ausgibt.

          3 Min.

          Aus der Werkstatt auf die Rennstrecke: So hält es die Formel 1 in diesen Tagen. Ferrari hat am vergangenen Sonntag den nagelneuen Boliden in der Fabrik vorgestellt und dann anderntags auf die Piste von Fiorano gerollt. McLaren-Mercedes stoppte auf dem Weg zur Jungfernfahrt des MP4-23 für eine schlichte Vorführung in Stuttgart. Toyota, der größte Automobilkonzern der Welt, enthüllte seinen Renner am Donnerstag an der Produktionsstätte in Köln-Marsdorf. Auch BMW fährt ein kleines Programm. Den ersten Blick auf das gut eine Million Euro teure Mobil gestatten die Bayern am Montag in München. Und so wirkt der Start der Formel 1 in die neue Saison wie ein Sparprogramm: puristisch statt pompös.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Max Mosley gefällt dieser Trend. Der Präsident des Internationalen Automobilverbandes (FIA) feilt schon seit Jahren an einem ehrgeizigen Modell. Preiswert soll sie werden, seine Formel 1. Dabei rechnete der Brite den Konzernen immer wieder eine sündhaft teure „Verschwendung“ ihres guten Geldes vor. Nach ein paar mehr oder weniger erfolgreichen Abrüstungsanordnungen hat Mosley am Freitag den Formel-1-Teams seine jüngsten Absichten unterbreitet: Ähnlich wie in amerikanischen Mannschafts-Sportarten soll es ab 2009 eine Budget-Obergrenze geben.

          Pro Saison nicht mehr als 150 Millionen Dollar

          Nach Informationen des Fachblattes „Auto Motor und Sport“ will der FIA-Boss den Rennställen schon ab 2009 vorschreiben, pro Saison nicht mehr als 150 Millionen Dollar auszugeben - zuzüglich der Kosten für die Motoren. Per Vertrag sollen alle Parteien an die Einhaltung der Regelung gebunden, Verstöße damit justiziabel werden. Finanzexperten der FIA übernehmen nach den Plänen von Mosley die Überwachung der Budget-Begrenzung.

          Der MP4-23 von McLaren-Mercedes: schlichte Vorführung

          Dem Sparplan stimmte laut „Auto Motor und Sport“ nur Ferrari nicht zu. Die zehn anderen Team-Repräsentanten nickten. Sie wissen, dass Mosleys Vorschlag noch moderat ist. Mit rund 300 Millionen Dollar kann man schließlich Weltmeister werden. Diese geschätzte Summe reichte Renault, um 2005 und 2006 mit Fernando Alonso den Ferrari-Konkurrenten Michael Schumacher zu schlagen. Einschränken müssten sich dann zunächst vor allem Honda und Toyota, McLaren-Mercedes, Ferrari und BMW.

          Mosley schweben 100-Millionen-Teams vor

          Als eine Art sparsamer Kassenwart für andere hat sich Mosley in den vergangenen Jahren immer wieder durchgesetzt. Mit der Vorgabe, Motoren für zwei Grand Prix einzusetzen, reduzierte er die Kosten der Hersteller auf diesem Gebiet um geschätzte 30 Prozent. Trotzdem geben Konzerne immer noch rund 150 Millionen allein für die Antriebe im Heck eines Rennwagens aus. Der anfängliche Protest gegen diese Beschneidung der Konstruktionsfreiheit ist längst verklungen.

          Auch der große Unmut über die hohen Kosten für die Umstellung auf die Einheitselektronik zum Start der Saison 2008 wird sich wohl abschwächen. Denn Mosleys grundsätzlicher Ansatz trifft in den Konzernzentralen weit über der Motorsportetage auf regen Zuspruch. Andernfalls hätte der clevere FIA-Chef am Freitag den Rennstall-Chefs kaum den überraschenden Sparplan vorgestellt. Der wird wohl nur der Beginn einer radikalen Beschneidung sein. Mosley schweben 100-Millionen-Teams vor. Insofern stehen den Kostenweltmeistern, die wie Honda 420 Millionen Dollar pro Jahr ausgeben, um in die Gänge zu kommen, harte Zeiten bevor.

          5,75 Prozent Biosprit im Rennbenzin sind Vorschrift

          „Ich rede nicht nur mit den Teamchefs, sondern auch mit der Konzernleitung“, sagte Mosley im Herbst 2006. Damals saß er in der BMW-Zentrale und sprach vom Energie-Rückgewinnungssystem etwa beim Bremsen. Vom „grünen“ Touch ist abgesehen von einer fehlgeschlagenen PR-Kampagne angeblich zum Wohle der Umwelt bei Honda in der Formel 1 noch nichts zu sehen. Der Zeitpunkt für die Einführung von entsprechenden Systemen ist immer wieder verschoben worden. Aber Mosley glaubt, Zeichen setzen zu müssen.

          Seit diesem Jahr sind 5,75 Prozent Biosprit im Rennbenzin Vorschrift: Das sind etwa 3,5 der rund 60 Liter, die ein Formel-1-Pilot für 100 Kilometer braucht. Mosley, dem Politiker unter den Formel-1-Funktionären, schwant längst, dass der PS-Zirkus reagieren muss, um nicht von einer zunehmend umweltbewussten Gesellschaft überrollt zu werden: „Die Formel 1 sollte sich als Vorreiter etwa auf dem Gebiet der Energie-Rückgewinnung etablieren. Das ist auch im Interesse der Konzerne.“

          Sparsame Auftritte in Maranello, Stuttgart und Marsdorf

          Sein vermutlich abgestimmter Vorstoß als Sparmeister der Branche gehört zu diesem Plan. Ganz nebenbei dient er der Machterhaltung. 100 Millionen stecken auch schon mal Privatleute in ein Spielzeug, Benzinköpfe, die vom Rennsport fasziniert sind und nicht montags nach einem verlorenen Grand Prix analysieren, ob sich die Investition noch lohnt.

          Die neuen Einschränkungen werden den Teams trotz der ständigen Bemühung um Effizienz nicht leicht fallen. Nach den sparsamen Auftritten in Maranello, Stuttgart und Marsdorf rückt die Formel 1 in der nächsten Woche wieder ins gewohnte Umfeld. Auf dem Areal der Rennstrecke von Jerez de la Frontera werden die Teams von ihren Spezial-Trucks, fahrenden Laboren und Werkstätten umgeben sein. Wenn alle kommen, könnten es rund 80 sein.

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