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Formel 1 : Hamilton übernimmt Schumachers Cockpit

Wachablösung: Michael Schumacher geht, Lewis Hamilton (l.) kommt zu Mercedes Bild: dpa

Die Formel-1-Karriere von Michael Schumacher könnte beendet sein: Lewis Hamilton übernimmt zur kommenden Saison das Cockpit des Rekordweltmeisters. Dessen Vertrag bei Mercedes läuft aus.

          3 Min.

          Michael Schumacher wird in der kommenden Saison nicht mehr für den Formel-1-Rennstall Mercedes fahren. Statt den zum Saisonende auslaufenden Vertrag des Rekord-Weltmeisters zu verlängern, haben die Deutschen den Engländer Lewis Hamilton verpflichtet. Das will das Team an diesem Freitag bekanntgeben. Schon am Morgen gab Hamiltons bisheriger Arbeitgeber McLaren bekannt, dass der Mexikaner Sergio Perez in der kommenden Saison beim britischen Formel-1-Rennstall McLaren fahren wird. 

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Ob Schumacher seine Karriere in der Formel 1 beendet, steht noch nicht fest. Er hatte sich nach seinem ersten Rücktritt 2006 vor der Saison 2010 zu einem Comeback entschlossen, um abermals Weltmeister zu werden. „Ich hatte drei schöne Jahre beim Mercedes-F1-Team, die leider sportlich nicht so gelaufen sind, wie wir uns das alle gewünscht hatten“, ließ Schumacher per Pressemitteilung von Mercedes mitteilen.  „Ich wünsche Lewis alles Gute und der gesamten Mannschaft den Erfolg, für dessen Aufbau wir so hart gearbeitet haben.“

          Im Mercedes gelang ihm bislang aber nur ein dritter Rang beim Großen Preis von Europa in diesem Jahr und eine Pole-Position in Monaco. Mercedes räumte ein, dass es seit dem Kauf des früheren Brawn-Teams in drei Versuchen nicht gelungen ist, ein konstant siegfähiges Auto zu bauen. Andererseits hatte sich das Team vom Rheinländer mehr erwartet. Teamchef Ross Brawn ist offenbar unsicher, ob seine Fahrer, neben Schumacher auch Nico Rosberg, stets das ganze Potential des Autos ausgenutzt haben.

          Hamilton gilt als einer der schnellsten Piloten neben Ferrari-Pilot Fernando Alonso und Sebastian Vettel (Red Bull). Er hat in dieser Saison im McLaren drei Rennen gewonnen und ist nur wegen eines technischen Defektes am vergangenen Sonntag in Singapur auf Rang vier der Fahrerwertung zurückgefallen. „Es ist für mich jetzt die Zeit gekommen, eine neue Herausforderung anzunehmen, und ich freue mich, ein neues Kapitel damit zu beginnen, für Mercedes zu starten“, teilte Hamilton per Pressemitteilung mit. „Mercedes-Benz besitzt eine unglaubliche Motorsport-Tradition sowie einen leidenschaftlichen Siegeswillen, den auch ich teile.“

          Siegertyp: Lewis Hamilton gehört die Zukunft bei Mercedes GP Bilderstrecke

          Voraussetzung für den Schritt Hamiltons, McLaren zu verlassen, ist vor allem die Bereitschaft von Mercedes gewesen, sich langfristig für die Formel 1 zu entscheiden. Die Konzernführung hat die Unterzeichnung des sogenannten Concorde-Agreements längst abgesegnet. Es regelt die Rechte und Pflichten unter anderem der Rennställe und des Formel-1-Vermarkters. Demnach verlängert Mercedes sein Engagement in der Königsklasse bis 2020, also um sieben Jahre. Damit hat das letzte der vier großen Teams neben Ferrari, Red Bull und McLaren eine Fortsetzung beschlossen.

          Streit mit Ecclestone beigelegt

          Die Zustimmung des einzigen großen Automobil-Herstellers unter den Rennställen gibt der Formel 1 in einer schwierigen Zeit Stabilität. Nach Ansicht von Ferrari kämpfen sechs der zwölf Teams wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage um ihre Existenz.

          Mit der Einigung auf ein neues Concorde-Agreement ist ein Streit mit dem Formel-1-Chefmanager Bernie Ecclestone um die historische Bedeutung des Rennstalls beigelegt worden. Sie hat Einfluss auf die Höhe des Vermarktungs-Anteils, der den Rennställen zukommt. Die Erfolgs-Serie des Silberpfeils begann 1934 auf dem Nürburgring. Ecclestone aber setzte Red Bull, dass 2005 erstmals in der Formel 1 antrat, vor Mercedes und begründete dies mit dem Kauf des Rennstalls Brawn GP durch die Deutschen im Jahr 2009.

          Entscheidend für die Zusage der Daimler Benz AG ist auch die Einigung auf Ausstiegsklauseln gewesen. Der Konzern kann demnach bei Verstößen gegen Compliance-Regeln ohne weiteres von seinem Engagement zurücktreten.

          Zunächst ein sportlicher Rückschritt für Hamilton

          Bei den Verhandlungen war der frühere Formel-1-Pilot Niki Lauda behilflich. Er soll auch künftig eine Rolle im Formel-1-Team spielen. Der Österreicher hatte zudem bei der Verpflichtung von Hamilton seine Finger im Spiel. Der 27 Jahre alte Brite riskiert zwar mit dem Wechsel vorerst einen sportlichen Rückschritt. Denn der McLaren gilt zurzeit als das schnellste Auto im Feld. Wenn Hamilton in Singapur nicht in Führung liegend ausgefallen wäre, dann hätte das Team eine Erfolgsserie von zuvor drei Grand-Prix-Siegen in Serie ausgebaut.

          Das Risiko, mit Mercedes zunächst nicht um die WM zu fahren, wird Hamilton aber mit einem satten Gehaltsaufschlag und Vermarktungs-Freiheiten versüßt. Angeblich hatte er bei McLaren 25 Millionen Dollar pro Jahr gefordert. Wahrscheinlich erhält er diese Summe auch bei Mercedes nicht, kann aber bei entsprechender Leistung in diese „Region“ vorstoßen. Außerdem bietet ihm das Team die Chance, für wesentlich mehr „persönliche“ Sponsoren zu werben.

          Brawn verspricht Fortschritte

          Hamilton vertraut den Zusicherungen von Teamchef Ross Brawn, mit der unter Schumacher angestrengten Umstrukturierung des Rennstalls schon bald an die Spitze zu gelangen. Als vielversprechende Hilfsmittel gelten unter anderem ein neuer Supersimulator und die Modernisierung des Windkanals. Mercedes beteuerte schon in Singapur, dass die verstärkten Bemühungen um Erfolg nichts am Finanzierungskonzept ändern werden.

          Das operative Geschäft des Rennstalls wird nach Angaben des Unternehmens unter anderem mit Sponsor-Einnahmen sowie dem Gewinn aus der Vermarktung der Formel 1 finanziert. Dazu zählen auch die Fahrergagen. Stuttgart finanziert die Formel-1-Motorenfabrik in England und zahlt – geschätzt – rund 70 Millionen Euro. Damit liegt der Gesamteinsatz für die Formel 1 wenigstens um zwei Drittel unter den Aufwendungen von 2005, als die Deutschen nur als Motorenlieferant auftraten.

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