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Formel 1 : Hamilton hängt Rosberg ab

Entscheidendes Überholmanöver: Lewis Hamilton (l.) verdrängt Nico Rosberg Bild: AFP

Der neue Formel-1-Weltmeister fährt Mercedes: Lewis Hamilton gewinnt in Austin. Bei nun 24 Punkten Vorsprung muss der Engländer in den beiden letzten Rennen nur noch direkt hinter Teamkollege Nico Rosberg ins Ziel kommen.

          3 Min.

          Lewis Hamilton (Mercedes) hat am Sonntag den Großen Preis der Vereinigten Staaten gewonnen. Der Brite setzte sich knapp vor seinem  Teamkollegen und WM-Rivalen Nico Rosberg durch. Es war der fünfte Sieg des Neunundzwanzigjährigen in Serie. Somit hat er als erster nicht-deutscher Pilot nach Michael Schumacher und Sebastian Vettel zehn Rennen in einer Saison gewonnen.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Damit ist eine Vorentscheidung im Titelrennen dieser Formel-1-Saison gefallen. Hamilton liegt nun nach 17 von 19 Rennen in der Gesamtwertung mit 316:292  Punkten in Führung, ihm genügt in den beiden letzten Rennen jeweils eine Endplazierung direkt hinter Rosberg, um Weltmeister zu werden. Der Deutsche kann also nicht mehr aus eigener Kraft gewinnen und benötigt ein kleines Wunder am kommenden Sonntag in Brasilien und beim Saisonfinale in Abu Dhabi. „Es ist nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte“, sagte Rorsberg bei der Siegerehrung. „Nachdem er vorbeigezogen war, war es zu spät. aber es sind noch 75 Punkte zu vergeben.“

          Andererseits kann er wegen der von den Regeln vorgegebenen Verdopplung der Punkte zum Saisonabschluss am kommenden Sonntag selbst bei einem eigenen Sieg und null Punkten für Rosberg bei dann 49 Zählern Vorsprung noch nicht zum Titel fahren. In Abu Dhabi erhält der Sieger 50 Punkte.

          Vorneweg: Lewis Hamilton jubelt, Nico Rosberg steht im Schatten

          Derweil ist rechnerisch sicher, dass Mercedes nach der Konstrukteurswertung auch die Einzelwertung gewinnt. Bis zum Sonntag war theoretisch noch der in Austin als Dritter ins Ziel eingefahrene Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo in Reichweite der beiden Mercedes-Piloten.

          Rosberg nutzt Vorteil nicht

          Am Tag vor dem Rennen hatte Rosberg das Duell in der Qualifikation gegen seinen Rivalen  noch für sich entschieden und Hamilton dabei um beinahe vier Zehntelsekunden  distanziert. So weit lagen beide selten auseinander in dieser Saison. Rosberg  stand beim Start damit nicht nur acht Meter weiter vorne, er hatte auf seiner  Seite auch weit mehr Grip als Hamilton auf der anderen. 280 Meter sind es bis  zur ersten Kurve, 41 Meter beträgt der Höhenunterschied, sowohl der Brems- als  auch der Einlenkpunkt ist deshalb nicht einfach zu treffen.

          Start- und Zielgerade: Die Strecke in Austin

          Rosberg aber bestand die erste Prüfung souverän und verteidigte seine Führung.  Doch schon Ende der ersten Runde wurde er eingebremst, weil das Safety Car auf  die Strecke musste. Sergio Perez (Force India) hatte sich eingangs einer  Linkskurve verschätzt und Adrian Sutil (Sauber) weggeräumt. Dabei hatte der  Deutsche zuvor noch auf seine ersten Punkte in dieser Saison gehofft. Er war  als Neunter ins Rennen gegangen. „Das war so unnötig, es ist zum Heulen“, sagte  Sutil später. Drei Runden dauerten die Aufräumarbeiten, dann ging das Rennen richtig los.

          Silberpfeile im Parallelflug

          Rosberg machte Tempo, Hamilton klebte im Windschatten: 0,7  Sekunden, 1,1 Sekunden, 0,6 Sekunden, 0,8 Sekunden - der Deutsche konnte sich  nicht von seinem Rivalen lösen.  Die beiden Silberpfeile schossen im Parallelflug über die Texas-Achterbahn. Mit  allen Konsequenzen. „Vorne links ist am Ende“, funkte Rosberg. Nach 15 Runden bog er ab zum ersten Stopp. Hamilton kam eine Runde später und ging 2,4 Sekunden hinter Rosberg zurück auf die Strecke.

          Da war für Rosberg noch alles in Ordnung: Nach dem Start führt der deutsche Pilot vor Hamilton

          Die Zeit hatte er auf den letzten Kilometern verloren, die er mit den alten Pneus drehen musste. Rosberg  mühte sich um Kontrolle, doch Hamilton ließ nicht locker und war schnell wieder  bis auf eine halbe Sekunde hinter ihm. In der 23. Runde zeigte er sich erstmals, deutete einen Angriff an. Eine Runde später machte er ernst und  bremste Rosberg aus - kompromisslos. Anders als Rosberg zuvor konnte er sich bis auf knapp drei Sekunden absetzen.

          Game over? Von wegen. Zurück auf der weicheren Reifenmischung gab Rosberg  wieder Gas, wollte zurückschlagen, war zunächst sogar eine Sekunde schneller und reduzierte den Rückstand schnell von 3,7 auf 2,4 Sekunden. Doch Hamilton konterte, wurde schneller, wenn er musste, kontrollierte das Geschehen, wenn er  konnte. Es war eine Fahrt im Stile eine Champions gekürt von einem  Überholmanöver der Marke Hamilton.

          Siegloser Vettel

          Weltmeister Sebastian Vettel musste in Texas aus der Boxengasse ins Rennen  gehen, nachdem die Mechaniker die sechste Antriebseinheit in dieser Saison in seinen Red Bull einbauen mussten - erlaubt sind lediglich fünf pro Auto. Um nach vorne zu kommen, setzte er auf den schmalen Heckflügel, der auch in Monza an seinen Boliden geschraubt war.

          Rückstand: VEttel

          So sollte Vettel auf den Geraden die nötige  Geschwindigkeit zum Überholen erreichen. Doch Vettel tat sich schwer, musste vier Mal an die Box, wurde am Ende aber immerhin Siebter. Bisher hat  der Siebenundzwanzigjährige noch keine vollständige Saison in seiner Karriere erlebt, in der er ohne Sieg blieb. Nun könnte es so weit kommen.

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