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Hamilton gewinnt in Frankreich : Wie eine Sonntagsfahrt im Cabriolet

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Formel 1

Ob es gar ein Rückschritt war? Die Streckenführung mit den vielen unterschiedlichen Kurven kam am Sonntag dem Mercedes entgegen, der Eigenschaft des Boliden, viel Abtrieb zu produzieren. Auch deshalb können die Silberpfeil-Piloten die Reifen besser nutzen als die teils schlitternde wie schimpfende Konkurrenz. Hamilton blieb nach seinem Boxenstopp sogar noch vor Vettel, der als letzter Pilot der Top-Teams zum Reifenwechsel abbog und als Fünfter hinter Verstappen wieder auf die Piste schoss, ohne sich dem Niederländer im weiteren Verlauf vielversprechend nähern zu können.

Und so kam, dank fast 54 Sekunden Vorsprung vor seinem nächsten Verfolger, Carlos Sainz J. im McLaren, „Plan F“ ins Spiel in der 50. von 52 Runden: ein zweiter Boxenstopp, frische Reifen und die Jagd auf die beste, einen Sonderpunkt werte Rundenzeit. Gesagt, getan. Zwar sauste Hamilton als Sieger mit der Bestzeit des Grand Prix ins Ziel. Aber als Vettel die Linie kreuzte, wurde er zum Punktsieger erklärt. Um 24 Tausendstelsekunden unterbot er Hamilton – auf den viel jüngeren Pneus.

Mit Abstand hinterher: Sebastian Vettel

Das gesamte Spiel verdeutlichte den Zuschauern die Überlegenheit des Weltmeisterteams wie zuletzt nur beim Großen Preis von Spanien. Wenn also die Roten schon das Silbergrau am Horizont verschwinden sehen: Wäre es dann nicht Zeit, den Blick zu wenden auf ein Werksduell unter Silberpfeilpiloten, Hamilton gegen Bottas im identischen Auto? Die Vorlage hatte der fünfmalige Champion aus England selbst formuliert am Samstag nach dem Sieg im Startplatzrennen: „Ich fühle mich definitiv nicht unschlagbar.“

Er ist es auch nicht, obwohl seine Statistik eine gewisse Siegermentalität ausstrahlt. Seit Beginn der Hybrid-Ära 2014 gewann Hamilton mehr als die Hälfte aller Grands Prix (57 in 108) Rennen. 79 sind es insgesamt, Michael Schumachers Rekord (91) erscheint längst in Reichweite. Davon mögen sich selbst gestandene Grand-Prix-Sieger beeindrucken lassen. Bottas aber gewann immerhin zweimal in dieser Saison. Der Finne führte die WM sogar an nach vier Grands Prix, wenn auch nur mit einem Punkt. In Frankreich kündigte er eine Attacke an, quasi parallel zu Ferrari: „Ich bin bereit, alles zu geben.“ Wenn das alles war, was die Zuschauer zu sehen bekamen, dann wird es ziemlich einsam um Hamilton, der gerne mit seiner Lust auf harte Zweikämpfe kokettiert.

Am Start kam Bottas nicht schneller in die Gänge; in den ersten Runden blieb er zwar auf Tuchfühlung. Aber nach zehn Touren konnte Hamilton ihn schon nicht mehr im Rückspiegel sehen. Der Chefpilot verlor vorerst nicht nur einen Gegner im eigenen Rennstall, sondern auch einen Antreiber: „Ich werde von Valtteri immer gepusht.“ Wurde, nicht werde. Bottas verlor noch seinen komfortablen Vorsprung vor Leclerc, kam nur 0,9 Sekunden vor dem Monegassen ins Ziel, als Zweiter. Formel-1-Insider sprechen in solchen Fällen gerne vom „ersten Verlierer“. Hamilton führt die Fahrerweltmeisterschaft nun mit 187 Punkten an, vor Bottas (151) und Vettel (111). Dem Briten gehen die Gegner aus.

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