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Formel 1 : Großes Rätsel von Monaco

  • -Aktualisiert am

Rosberg im Mercedes hat den Speed: Für eine Runde reicht’s Bild: REUTERS

Nach Spitzenplätzen im Training für Rosberg und Hamilton wäre früher klar gewesen, dass einer der beiden Mercedes-Piloten gewinnt. Aber was ist die Pole-Position im Fürstentum noch wert?

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          Ist doch noch Verlass auf die Formel 1 und eine ihrer ungeschriebenen Regeln? Dass der Sieger des Großen Preises von Monaco nämlich schon vor dem Rennen feststeht, am Samstag nach der Jagd auf den besten Startplatz. Die Statistik lässt wenig Raum für Zweifel: Seit dem WM-Start 1950 sind nur zehn Piloten von den hinteren Plätzen so weit gekommen, nach der Zieldurchfahrt vom Fürsten persönlich in dessen Loge empfangen und für den Sieg geadelt zu werden: „Schön, dass Sie es sind.“ Nico Rosberg oder Lewis Hamilton?

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          An diesem Donnerstag schien es nach Rang eins und zwei der beiden im Training am Nachmittag so, als sei es nur noch eine Frage, welcher der beiden Mercedes-Piloten an diesem Sonntag die Pfote von Fürst Albert II. schütteln werde. Denn „Mercedes“, sagte Fernando Alonso (Dritter), „hat den Speed, keine Frage.“ Für eine Runde jedenfalls. In den vergangenen drei Startplatzrennen stand zweimal Rosberg und einmal Hamilton an erster Stelle. 2012 gelang Michael Schumacher im Silberpfeil der Moderne die Bestzeit im Qualifying von Moncao. „Wenn Mercedes ein Rennen gewinnen will, dann dieses hier“, fügte Alonso hinzu und tat so, als gebe es im Hause Ferrari andere Prioritäten als die Pole-Position: „Wir konzentrieren uns auf die Meisterschaft.“

          Alonsos bissige Bemerkung deutet den Vorzeichen-Wandel der Formel 1 an. Selbst in Monaco soll der Gewinn der Pole-Position nicht mehr den Wert vergangener Tage haben. Die Gefahr ist zwar geblieben, eine einzige Konzentrationsschwäche des Fahrers, vielleicht bei Tempo 220 vor der Schwimmbad-Schikane, reicht, und schon verwandelt sich eines der filigranen Kohlefaser-Unikate auf Rädern bei der Kaltverformung in einen Klumpen Edelschrott (und Sondermüll). Hier und da trennen nur Zentimeter Boliden und Leitplanken. Ferrari-Pilot Felipe Massa wird von seinem Renningenieur Rob Smedley sogar aufgefordert, die Streckenbegrenzung zu touchieren: „Das gehört zu einer schnellen Runde dazu“, sagt der Mann von der Strategieabteilung an der Boxenmauer.

          Reifen schonen unter Palmen: Sebastian Vettel wünscht sich richtiges Racing zurück
          Reifen schonen unter Palmen: Sebastian Vettel wünscht sich richtiges Racing zurück : Bild: AP

          Nur gibt es für diese Mutprobe, für das „blinde“ Einlenken bei Tempo 275 in die Massenet-Kurve vor dem Casino, für die heikle Balance von Hirn und Herz keinen fürstlichen Lohn mehr: „Eine Pole-Position“, sagt Niki Lauda, Chef vom Aufsichtsrat des Mercedes-Team, „wird wohl nicht reichen.“ Die Gründe für Laudas Skepsis berühren das Dauerthema der Formel 1, ein lähmend zähes Ringen um den Härtegrad des Reifengummis in dieser Saison. Und so drehte sich das Hafengespräch der Formel-1-Blase vorerst um die Kunst der Piloten, nur ja den Schongang beim Schleudern der Pneus zu nutzen.

          Dabei steht nun das Erbgut der Formel 1 zur Diskussion: „Der Sport hat sich erheblich verändert, die Rennen sind komplett anders. Wenn du heutzutage Reifenprobleme hast und die Pneus schonen musst, dann musst du ganz anders fahren“, sagt Weltmeister Sebastian Vettel, Neunter am Donnerstag mit 1,2 Sekunden Rückstand: „Wo es früher Überholduelle gab, da winkst du heute Leute durch. Alles nur, um deinen Reifen nicht zu sehr zu strapazieren. Das ist aber doch nicht die Idee, die man Racing nennt.“

          Rennen mit Meerblick: Grand Prix in Monte Carlo
          Rennen mit Meerblick: Grand Prix in Monte Carlo : Bild: AP

          Vettels Ruf nach einer Rückbesinnung wird im Lager von Ferrari und Lotus als Ablenkung von hausgemachten Problemen gewertet. Weil Red Bull und Mercedes am meisten leiden unter einer Offensive, die Pirelli von der Formel 1 aufgetragen wurde. Beide Teams könnten profitieren, falls die Walzen - wie angekündigt - für den Großen Preis von Kanada verändert werden sollten. „Wir stecken in einem Dilemma angesichts des Wirrwarrs und der vielen verschiedenen Interessen“, sagt Lauda, „keiner versteht das mehr.“

          Denn auch in Monaco, wo die Reifenmeister wegen der vielen „langsamen“ Kurven keinen allzu großen Verschleiß erwarten, rätselt die Szene: Kommen wir mit einem Boxenstopp über die 78 Runden? „Wenn Mercedes das gelingt, dann werden sie gewinnen“, sagt der McLaren-Pilot Jenson Button: „Ich hoffe aber, dass die Reifen schnell abbauen. Dann gibt es ein gutes Rennen.“

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