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Formel 1 : Gleicher als gleich

  • -Aktualisiert am

Bitte lächeln, ein letztes Mal Bild: dpa

Zum Saisonende der Formel 1 muss ein Aufpasser ran - damit bei McLaren-Mercedes ja alles mit rechten Dingen zugeht. Das Klima zwischen Teamchef Dennis und Weltmeister Alonso wird er nicht verbessern.

          3 Min.

          Nun gibt es einen amtlich bestellten Gleichstellungsbeauftragten in der Formel 1. An diesem Wochenende hat er seine Premiere, pünktlich zum Finale der Saison in São Paulo wird ein Gesandter des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA) in der Box von McLaren-Mercedes nach dem Rechten schauen; peinlich genau prüfen, ob die beiden Piloten Lewis Hamilton und Fernando Alonso bei der letzten großen Sause des Jahres ungebremst mit dem Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen um den Titel fahren können.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der zweimalige Weltmeister aus Asturien hat es, vier Punkte hinter Hamilton (107) und drei vor Räikkönen (100) liegend, angeblich so gewollt. Jedenfalls intervenierte der Präsident des spanischen Motorsportverbandes nach Alonsos Andeutungen über mögliche Manipulationen bei der FIA. Nun steht ein Oberschiedsrichter beim Qualifikationstraining am Samstag und während des Grand Prix von Brasilien in der Garage von McLaren-Mercedes: Die besten Piloten der Welt fahren unter Aufsicht.

          Wie beim Streit im Kinderzimmer

          Wenn Ron Dennis in diesen Tagen einen Wunsch frei hätte, dann würde er sich wohl Hamilton zum Champion wünschen: den Ziehsohn, den loyalen Debütanten, den Landsmann, den erfolgreichsten Fahrer 2007 bis zu diesem Freitag, den Mann mit Zukunft in seinem Team. Insofern trägt ein strenger, wachsamer Regelhüter zur Beruhigung bei. Aber was kann er erkennen? Vielleicht eine gegenseitige Blockade wie beim Zeittraining in Ungarn. Da traf es Alonso wie sonst den großen Bruder beim Streit im Kinderzimmer: bei der Revanche nach einer Piesackerei erwischt und hart bestraft.

          Zwei Fahrer, kein Team
          Zwei Fahrer, kein Team : Bild: AFP

          Dieses leicht zu erkennende Spiel werden sich die beiden nicht noch einmal leisten. Auch auf alle technischen Details werden die Ingenieure der beiden Piloten penibel achten. Mit einem falschen Dreh könnte McLaren-Mercedes zwar leicht gewinnen, aber ein Vielfaches verlieren. Und so werden wohl zwei Autos ins Rennen geschickt, die identischer kaum sein können – damit Alonso nicht wie zuletzt in China einen „mysteriösen“ Zeitverlust von 0,6 Sekunden in Rechnung stellen kann. Was je nach Perspektive als Paranoia des Weltmeisters oder als Beleg für eine handfeste Gemeinheit gewertet wurde. Vom angeblich zu hohen Reifendruck ist inzwischen keine Rede mehr. Nein, der gemeine Aufpasser wird kaum Unterschiede in diesem komplexen Räderwerk entdecken. Nur mit einem Röntgenblick würde er fündig. Aber nicht bei den Maschinen, eher bei den Menschen.

          „Es gibt immer eine bessere Option“

          Wer Alonso rasend macht, ist Ron Dennis. Da steht der Teamchef in seinem Gästehäuschen im Fahrerlager und betet sein Grundgesetz herunter: „In diesem Team hat es immer eine Gleichberechtigung gegeben. Es gibt sie, und es wird sie auch in Zukunft geben“, sagte Dennis vor zwei Wochen in Schanghai mit bebender Stimme, belagert von einer Gruppe aggressiver spanischer Journalisten. Eine Stunde zuvor hatte Alonso ohne Zögern eingeräumt, stets ein technisch einwandfreies Auto erhalten zu haben.

          Doch sein „Ja“ war keine grundsätzliche Bestätigung des Teamchefs: „Die von Dennis gepredigte Gleichbehandlung ist ein Witz, denn es gibt immer einen besseren Motor, eine bessere Runde für den Boxenstopp“, behauptet Alonso: „Es gibt immer eine bessere Option. Ich behaupte nicht, dass es keine Gleichbehandlung gibt, denn manchmal ist der eine Fahrer dran und dann wieder der andere, aber man hört ihn immer darüber sprechen, und er verspricht auch immer irgendwas, aber so ist das nicht.“

          „Lügner“ und „Verräter“

          Als Alonso und Dennis noch miteinander sprachen, soll der Champion seinen Boss regelmäßig als Lügner bezeichnet haben – heißt es im Fahrerlager. Seit Monaten schon geht die Konversation nicht über Lapidares hinaus, wenn überhaupt ein Wort gewechselt wird. Vor zwei Wochen in China schauten sie gekonnt aneinander vorbei, der Chef und sein ehemaliger Chefpilot. Dennis hatte gut 14 Jahre den Gleichheitsgrundsatz unter den Piloten erbittert verteidigt gegen die EinMann-Strategie in der Ära Schumacher bei Ferrari. Mit dem Schumacher-Bezwinger in seinem Rennstall schien der Brite eine Kurswende hinzunehmen.

          Weil er nicht ahnen konnte, dass Hamilton schon über den Winter vom debütierenden Beifahrer zum kompromisslosen Herausforderer heranwachsen würde, zur großen Hoffnung der Briten. Unter dem gewaltigen Auftritt des 22 Jahre alten Überfliegers zerbrach dann eine Liaison, die mit einer leidenschaftlichen Liebeserklärung bei der Vorstellung des neuen Boliden Anfang des Jahres in Valencia begonnen hatte: Alonso sprach, mit ausgebreiteten Armen und leuchtenden Augen, vor hunderttausend Landsleuten von „meinem Team“, von der Erfüllung eines Lebenstraumes. McLaren-Boss Ron Dennis berichtete stolz vom Champion als großem Charakter: „Er ist der erste Pilot in meinem Team, der seinen Dienstwagen bezahlen wollte.“

          Mal fliegt der Helm, mal die Tür

          Zehn Monate später stehen sich der „Lügner“ (Alonso über Dennis) und der „Verräter“, wie britische Medien Alonso wegen seiner dubiosen Rolle in der Spionageaffäre bezeichneten, bei McLaren gegenüber. Unversöhnlich, frustriert. Der erfolgreichste Teamchef und einer der besten Piloten kämpfen seit Wochen um Contenance. Was Alonso hin und wieder aber nicht davon abhält, von einer ganz und gar gewöhnlichen Saison zu sprechen: „Eigentlich ist nichts aus dem Rahmen fallendes passiert.“

          Nicht ganz. Auf dem Weg von der Box nach dem Qualifikationstraining von Schanghai in seine Unterkunft flog erst sein Helm ins Eck und dann – nach dem entsprechenden Anschub – eine Tür aus den Angeln. In China musste der Schlosser ran. Falls in São Paulo der Gleichberechtigungsbeauftragte versagt, wird wohl auch der beste Handwerker nichts mehr richten können.

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