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Formel 1 : Gerichtsakten und Staatsgeheimnisse

  • -Aktualisiert am

Hat Bernie Ecclestone vom Geschäft mit der Formel 1 die Nase voll? Bild: dpa/dpaweb

Die Neuigkeiten aus der Formel-1-Branche auf einen Blick: Gut elf Jahre nach dem Unfalltod von Ayrton Senna scheint der Prozeß zur Klärung der Verantwortung beendet zu sein. Außerdem sieht sich „Godfather“ Ecclestone nach einer neuen Aufgabe um.

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          Die Neuigkeiten aus der Formel-1-Branche auf einen Blick: Gut elf Jahre nach dem Unfalltod von Ayrton Senna scheint der Prozeß zur Klärung der Verantwortung beendet zu sein. Außerdem sieht sich „Godfather“ Ecclestone nach einer neuen Aufgabe um.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Doppelter Freispruch

          Gut elf Jahre nach dem Unfalltod von Ayrton Senna beim Großen Preis von San Marino in Imola scheint der Prozeß zur Klärung der Verantwortung beendet zu sein. Adrian Newey, damals Chefkonstrukteur des Rennstalls Williams, wurde zum zweiten Mal vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Als Designer des Autos, so das Gericht, sei er nicht für spätere Veränderungen am Auto verantwortlich zu machen.

          Eine Untersuchungskommission und der Staatsanwalt Maurizio Passarini aus Bologna hatten stets behauptet, der dreimalige Weltmeister sei am 1. Mai 1994 in der berüchtigten Tamburello-Kurve bei Tempo 320 geradeaus gefahren und mit etwa 220 Kilometer pro Stunde in die Mauer geprallte, weil die Lenksäule gebrochen sei. Sie war auf Wunsch des Fahrers verkürzt und an der Schnittstelle verjüngt worden. Der Umbau aber hielt nach Ansicht des Staatsanwaltes nicht mehr den Belastungen in der Formel 1 stand. Er forderte deshalb einjährige Bewährungsstrafen für Newey und den Technischen Direktor Patrick Head: "Von Technikern ihrer Qualifikation muß verantwortungsbewußtes Arbeiten verlangt werden, auch wenn sie vielleicht unter Druck standen, weil Senna die Modifikationen gefordert hat."

          Der Richter konnte die Verantwortung nicht zuordnen, hielt den Bruch der Lenksäule aber für die einzig schlüssige Erklärung des furchtbaren Unfalls. Kurz nach dem Freispruch zweiter Klasse stellte ein Berufungsgericht auch die Lenksäulen-Theorie in Frage und stützte Williams Darstellung, die Steuerung sei erst beim Aufprall geborsten. Diese Entwicklung und die Behauptung, die Formel 1 sei nicht an einer Aufklärung interessiert, stießen in der italienischen Justiz auf Widerstand. Im vergangenen Jahr entschied der oberste italienische Gerichtshof, das Verfahren noch einmal aufzunehmen. Newey kann den Prozeß nun abhaken. Patrick Head aber wird sich vielleicht noch einmal wehren. Denn das Verfahren gegen ihn wurde nur wegen Verjährung eingestellt. Allerdings mit der Bemerkung, der Brite trage die Verantwortung für Modifikationen an der Lenksäule.

          Bernies Game

          Hat Bernie Ecclestone vom Geschäft mit der Formel 1 die Nase voll? Dieser Gedanke drängt sich auf, wenn man den Chefmanager der Vollgasbranche so reden hört: Er findet mit nun 74 Jahren die Idee reizvoll, zum Internationalen Automobil-Konzern (FIA) zurückzukehren und sich dort an der Seite des FIA-Bosses Max Mosley um die sportlichen Aspekte der Formel 1 zu kümmern. "Bernie müßte seine kommerziellen Verpflichtungen aufgeben, um einen Interessenkonflikt zu vermeiden", sagte Mosley mit Blick auf eine Direktive der Europäischen Kommission.

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