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Nach Sensation in Monza : Der hoffnungsvolle Kampf der Formel 1

  • -Aktualisiert am

Ein Bild, das wohl die Ausnahme bleibt: Pierre Gasly (AlphaTauri) mit dem Siegerpokal in Monza. Bild: Getty

Pierre Gaslys überraschender Triumph in Monza ist ein Sieg gegen die Berechenbarkeit und haucht der Formel-1-Saison wieder neues Leben ein. Das erfreut sogar Klassenprimus Mercedes. Weshalb?

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          Der erste Überraschungssieger der Formel-1-Geschichte fuhr einen Ferrari. Maurice Trintignant gewann 1955 den Grand Prix von Monaco, weil alle Favoriten mit ihren Mercedes, Lancia und Maserati ausgefallen waren. In der Vergangenheit fuhren Außenseiter mit dem Abstand von zwei oder drei Jahren zu ihren großen Momenten. Der Sieg von Pierre Gasly am vergangenen Wochenende in Monza hatte eine andere Qualität. Es war schon acht Jahre her, dass ein Fahrer einen Grand Prix gewonnen hat, der nicht auf dem Tippzettel der Experten stand: Pastor Maldonado fuhr im Mai 2012 in Barcelona auf Platz eins. Der jüngste Sieg des gerade verkauften Traditionsrennstalls Williams, Sebastian Vettel im Toro Rosso 2008 in Monza, war der Vorletzte.

          Weder Mercedes, Red Bull noch Ferrari

          Gasly beendete in Monza noch zwei andere Serien. Er war seit dem Rennen in Australien 2013 der erste Sieger, der nicht in einem Mercedes, Red Bull oder Ferrari saß. Und er brachte Frankreich nach 24 Jahren Pause wieder zurück in die Siegerliste der Formel 1. Olivier Panis war in Monaco 1996 der bis dahin letzte Rennfahrer der Grande Nation, der einen Siegerpokal in die Hand gedrückt bekam. Über Nacht wurde Gasly in seinem Land zum Star. „Gott und die Welt haben mir gratuliert. Es war verrückt, was so ein Grand Prix-Sieg bewegt. Ich habe erst hinterher realisiert, dass da etwas Großes mit mir passiert ist.“ Sogar Staatspräsident Emmanuel Macron meldete sich am Telefon.

          Panis war in Monaco vor 24 Jahren vom 14. Platz gestartet und hatte sich im Ligier unfallfrei durch ein verregnetes Rennen manövriert. Er gewann, nur vier Fahrer kamen ins Ziel. Eine so hohe Ausfallquote gibt es heute nicht mehr. Die Technik ist zu kugelsicher, die Autos sind vergleichsweise zu einfach zu fahren, die Rennstrecken verzeihen zu viel, und die Fahrer sind zu professionell, als dass noch einmal drei Viertel des Feldes ausfallen könnten. Alles ist im Vorfeld geplant, simuliert, durchgerechnet.

          Wenn sich bei einem der Favoriten ein Fehler einschleicht, ist der zweite oder dritte zur Stelle. Dabei ist in diesem Jahr die Chance rein mathematisch am größten. Unter normalen Umständen können nur die beiden Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas und ihr einziger Herausforderer Max Verstappen einen Grand Prix gewinnen. Die beiden Ferrari-Piloten fielen aus dem Kreis der möglichen Sieger. Es muss also nur drei Mal etwas schiefgehen, damit es eine Sensation geben kann.

          Hamilton selbst schuld

          Der 70. Auftritt der Formel 1 in Monza hat gezeigt, wie viele Zufälle zusammenkommen müssen, damit nicht immer die selben gewinnen. Ein Wetterumschwung oder ein Safety Car zur falschen Zeit reichen schon lange nicht mehr aus. Es braucht eine Verkettung höchst ungewöhnlicher und unwahrscheinlicher Umstände, um drei Siegkandidaten aus der Bahn zu werfen. In Monza sah das so aus: Max Verstappen stolperte über ein Motorproblem. Valtteri Bottas über einen schlechten Start und ein angeschlagenes Auto. Für Lewis Hamilton hatte sich das Schicksal einen Cocktail aus Hindernissen ausgedacht. Zuerst ein Safety Car, dass seinen Vorsprung von 12,5 Sekunden ausradierte. Dann die Sperrung der Boxengasse. Dann der Umstand, dass weder der Fahrer noch der Kommandostand etwas davon bemerkten und trotzdem ihren Boxenstopp abwickelten. Dann die Strafe, die das Reglement dafür vorsieht: zehn Sekunden Stop-and-go. Und zu guter Letzt einen Rennabbruch, der alle Uhren auf null stellte.

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