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Formel 1 : Gas geben am dritten Advent?

Ohne Schnee, aber mit Moos: Die Formel 1 soll im Advent in Bahrein starten Bild:

Der Internationale Automobil-Verband (Fia) nimmt das Rennen in Bahrein wieder auf. Die Saison würde dann bis zum Schneefall in Deutschland dauern. Doch die Teams wollen Widerstand leisten.

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          Wenn es nach dem Willen des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia) geht, dann fährt die Formel 1 in diesem Jahr, bis Deutschland unter einer Schneedecke verschwindet. Am Freitag hat Fia-Präsident Jean Todt quasi die Ganzjahressause ausgerufen, als er mit seinen Kollegen im Weltrat beschloss, den Großen Preis von Bahrein nachholen zu lassen. Und zwar am 30. Oktober. Deshalb rückt die Premiere in Indien vermutlich auf den 11. Dezember. Vettel und Co. reisen also in vorweihnachtlicher Stimmung zum Saisonfinale. Der zwanzigste Grand Prix fände am dritten Advent statt. Kurz bevor sich die Christen auf ihr Friedensfest freuen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Versöhnung“: Mit diesem Stichwort glaubt die Fia im heiklen Fall Bahrein die Kurve zu kriegen. Das Auftaktrennen dieser Saison war vom Veranstalter wegen der Unruhen im Land abgesagt worden. Nach ernsthaften Hinweisen aus der Formel 1, man könne kaum in einem Land kreisen, in dem unbewaffnete Demonstranten von schwerbewaffneten Kräften im Auftrage der Regierung erschossen wurden. Die Ankündigung der Opposition, den Formel-1-Auftritt mit einer Heerschar von Journalisten aus aller Welt im Gefolge als Plattform zu nutzen, soll das Königshaus vom Rückzug überzeugt haben. Nun hat die Regierung zum 1. Juni den Aufnahmezustand aufgehoben. Alles sei friedlich, meldete der Chef des Bahrein International Circuit, Zayed R. Alzayani.

          Davon will sich die Fia überzeugt haben. Ein Gesandter Todts sprach mit drei Ministern, auch der Chef der Menschenrechtsbüros in Bahrein sei befragt worden. Sein Bericht beflügelte die Fia-Außenpolitiker zu dieser Botschaft: „Unsere Entscheidung basiert auf dem Geist der Versöhnung in Bahrein, den man nicht nur an der Unterstützung der Formel 1 durch die Regierung, sondern auch durch die größte Oppositionsfraktion festmachen kann“, erklärte die Fia und behauptet: „Der Grand Prix kann dabei helfen, die Menschen zu vereinen (...).“

          Wichtigstes internationales Sportereignis im Land

          Ob die Rennerei tatsächlich der große Stolz der Bevölkerung ist, wie Alzayani schilderte, ist fraglich. Zu den Rennen seit dem Debüt 2004 kamen im Schnitt kaum mehr als 30.000 Zuschauer, wiewohl Bahrein auch nur 1,2 Millionen Einwohner zählt. Aber was weit vor den Toren der Stadt einmal im Jahr in der steinigen Wüste geschieht, scheint die Menschen in der Hauptstadt Manama kaum zu interessieren. Eine Motorsportkultur existiert nicht, Fahrer von nennenswerter Bedeutung gibt es nicht. Das ganze Projekt ist eine Marketingidee derer, die sich Ferraris leisten können.

          Das Formel-1-Rennen ist das wichtigste internationale Sportereignis im Land. Die Regierung und der Kronprinz sind die treibenden Kräfte hinter dem Projekt. Sie begründeten den Einkauf der Formel 1 für geschätzt 30 Millionen Dollar pro Rennen mit dem Interesse, Bahrein in der Welt bekannt zu machen. Was also läge näher, die Rückkehr zur „Normalität“, zu „nationaler Sicherheit und ungestörten Geschäften“ mit einem Auftritt einer streng bewachten, ohnehin abgeschirmten Formel 1 zu dokumentieren? Mit der Aufhebung des Ausnahmezustandes soll vor allem der Fia ein Rückweg nach Bahrein eröffnet worden sein.

          Moralische Bedenken spielen keine Rolle

          Langjährige Beobachter der politischen Verhältnisse in Bahrein bezweifeln, dass die Ruhe ein Ergebnis der Versöhnung ist. Vielmehr habe die Maschinengewehrpolitik der sunnitischen Machthaber aufmüpfige Schiiten vorerst zum Schweigen gebracht. Darüber hinaus wurden zahlreiche Oppositionelle verschleppt und ins Gefängnis geworfen. Deshalb bat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch die Formel 1 in der vergangenen Woche, sich vorerst von Bahrein fernzuhalten. Denn obwohl die Sportkameraden im Fahrerlager stets beteuern, sich nicht an Politik beteiligen zu wollen, würden sie mit ihrem Auftritt das Verhalten des Regimes unterstützen.

          Ob es so weit kommt, ist noch nicht entschieden. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wollen einige Rennställe am kommenden Wochenende den Grand Prix in Montreal zu einem Treffen der Teamvereinigung Fota nutzen und dann heftigen Widerstand leisten. Mit an Bord soll Bernie Ecclestone sein, der Chefmanager der Formel 1. Die Motive sind unterschiedlich. Nur eines scheint sicher: Moralische Bedenken werden wohl keine große Rolle spielen.

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