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Formel 1 : Für immer „Schumi“

Macht er weiter? Hört er auf? Michael Schumacher Bild: REUTERS

Ist Schluss? Oder macht er weiter? Niemand weiß, ob Michael Schumacher nach dieser Saison endgültig aus dem Cockpit steigt. Viele würden ihn gerne ewig weiterrasen sehen. Vielleicht aber war Hockenheim wirklich sein letztes Rennen in Deutschland.

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          Ein letztes Mal noch - und dann ist Schluss? Auf der Zielgeraden seiner Karriere stellt Michael Schumacher die Experten im Fahrerlager der Formel 1 noch einmal vor ein Rätsel. Noch weiß niemand, ob der Dreiundvierzigjährige am Ende dieser Saison endgültig aus dem Cockpit steigt - vermutlich nicht einmal er selbst. Der Große Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring an diesem Sonntag könnte sein letztes Rennen in Deutschland gewesen sein. Es begann mit verlockenden Aussichten: Startplatz drei und endete auf Platz sieben.

          Der Star

          Christoph Becker
          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Weihnachten und Ostern fallen 1995 zusammen, auf einen Tag im Hochsommer: den 30. Juli. „Manche brechen heulend zusammen, andere begnügen sich damit, die Piste zu küssen, auf der Schumacher zum Sieg fuhr“, schreibt die F.A.Z. am Tag darauf über die Fans im Schumi-Rausch. Ihr Idol gewinnt den Großen Preis von Deutschland, als erster Deutscher seit Rudolf Caracciola 1938. Bescherung auf dem Hockenheimring für ein Land im Formel-1-Rausch.

          Bis auf den letzten Platz ist das Motodrom damals gefüllt. Solch ein Andrang herrscht seit Jahren nicht mehr, wenn die Formel 1 nach Deutschland kommt. Gerd Fritzsche verkaufte schon in jenen goldenen Zeiten Fanartikel an die Camper im Wald rund um die Strecke, einige Devotionalien mit Genehmigung von Schumachers damaligem Manager Willi Weber. „Die Lizenz für die Michael-Schumacher-Zigarettentasche hat mich 44 000 D-Mark gekostet. Hat sich gelohnt. Ein gutes Geschäft.“

          Drei Wagen hatte Fritzsche in den neunziger Jahren und bis ins neue Jahrtausend rund um den Hockenheimring aufgebaut, heute ist er froh, wenn die Ware am verbleibenden Stand einigermaßen weggeht. Fritzsche hat das Schumi-Fieber kommen und gehen sehen. Heute braucht die Formel 1 Schumacher, um einigermaßen Betriebstemperatur zu erreichen. Er ist noch immer ihr größter Star - erst recht, wenn in Deutschland gefahren wird.

          Gut 50.000 Karten wurden in diesem Jahr vorab verkauft, die Streckenbetreiber müssen sich strecken, keine roten Zahlen zu schreiben. Wieder einmal. „Wir rechnen eigentlich nicht mit einem gewinnbringenden Geschäft. Bei einem Sieg von Michael Schumacher wäre der Verkauf sicher deutlich stärker“, sagte Gerd Seiler, Geschäftsführer der Hockenheimring AG, angesprochen auf die mauen Vorverkaufszahlen. Zum Vergleich: „Sebastian Vettels Erfolg ist offenbar nichts Neues mehr für die Fans.“ Schumacher zieht immer noch.

          Seiler ist nicht der Einzige, der sich wünscht, dass der Dreiundvierzigjährige noch lange weiterfährt. „Zehn Jahre“ oder gleich „für immer, von mir aus“, wünscht sich Chefvermarkter Bernie Ecclestone, dürfe Schumacher noch bleiben. Man könnte auch sagen: Er muss.

          Der Fahrer

          All die Zweifel sind verschwunden, die Kritiker sind verstummt, nun stellen sich plötzlich die Bewunderer wieder vor die Kameras. Erstmals seit 2006 ist Schumacher in Valencia Ende Juni wieder auf das Podium gerast, und spätestens dort hat er allen bewiesen, dass er es noch immer kann. Dabei wollte er es sich in erster Linie selbst beweisen. Wozu ist der eigene Körper noch fähig? Ist es möglich, mit den Jungen und Ehrgeizigen mitzuhalten in einem Sport, der der ständigen Erneuerung unterliegt?

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