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Formel 1 : Für Alonso zählt nur der Titel

  • -Aktualisiert am

Heißer Flitzer: Der neue McLaren-Mercedes in Valencia Bild: AP

Mit Fernando Alonso und der Ferrari-Methode will McLaren-Mercedes endlich wieder zu alter Stärke in der Formel 1 finden. Vorbei ist das Spiel mit der Gleichberechtigung der Fahrer. Alonso ist Chefpilot, wie zuletzt vor 14 Jahren Ayrton Senna.

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          Das wallende Haar ist weg. Mit Kurzhaarschnitt stürzt sich Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso in die nächste Herausforderung: Windschnittig zum Titel Nummer drei mit McLaren-Mercedes? Oder ist das neue Styling Bestandteil des Vertrages mit dem auf Akkuratesse getrimmten Teamchef Ron Dennis? Dem peniblen Briten, dessen Rennwagen-Manufaktur in Woking eher an einen hochmodernen OP-Komplex als an eine Konstruktionsstätte für Benzinschleudern erinnert, wird der Hang zu Konformitäts-Klauseln in den dicken Vertrags-Wälzern von hundert und mehr Seiten gerne nachgesagt.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Einen Konzeptwechsel aber hat man dem fast sechzigjährigen Member of the British Empire doch nicht zugetraut. Erstmals seit 14 Jahren, seit Ayrton Senna McLaren verließ, setzt Dennis wieder von Anfang an auf eine Nummer eins. Vorbei ist das Spiel mit der Gleichberechtigung der Piloten. Was Dennis an Ferraris Methode kritisierte, die Schumacher-Fixierung, hält er nun selbst für den schnellsten Weg ins Ziel: Nur das Beste für den Besten: Alonso ist der Chefpilot.

          „Unser Ziel muss der Titel sein“

          "Das ist der Beginn einer neuen Ära", schreibt das Team zur Vorstellung des neuen Formel-1-Autos in Valencia. Dort sausten am Montag Abend Alonso und Lewis Hamilton mit Vorjahreswagen durch die Straßen der Hafenstadt. Zuvor hatten beide staunend ihr zukünftiges Dienstfahrzeug enthüllt. Natürlich einen nagelneuen Renner namens MP4-22, wie seit zehn Jahren ein spiegelblankes Silberstück, dass allerdings mit aggressiven Rotstichen vom Frontflügel bis zu den Seitenkästen schon symbolisch Dampf macht. McLaren will Ferrari und Renault einheizen. Dabei hilft der von der Scuderia geerbte Hauptsponsor (Hausfarbe Rot) und vornehmlich dessen Millionen. "Wir denken alle im Team", sagt Alonso, "dass unser Ziel der Titel sein muss."

          Im Fokus

          Norbert Haug nimmt die Forderung gelassen hin: "Das ist seit zehn Jahren mein Programm." Doch diesmal haben der Sportchef von Mercedes und der McLaren-Boss Dennis mehr gewagt als eine ehrgeizige Ansage. In den vergangenen vierzig Jahren, seit der Gründung von McLaren, ersetzte das Team allenfalls einen Fahrer. Diesmal kommt das interessanteste Duo des Fahrerlagers zum Zuge: Der unangefochtene Champion und der außergewöhnlich talentierte Debütant.

          Hamilton soll lernen

          McLaren wird bei dieser Konstellation nicht am Prinzip der Gleichbehandlung festhalten. Denn Alonsos aggressiver Fahrstil, er wirft den Wagen mit starken Lenkradeinschlägen in der Kurve, verlangt eine technische Anpassung. Das Team ist dazu bereit. Zumindest stützt Martin Whitmarsh, Geschäftsführer von McLaren, die These von der neuen Mono-Kultur: "Wir werden hart arbeiten, um ein Auto zu bekommen, dass seinem Fahrstil entgegenkommt."

          Zwar haben die Ingenieure gut eineinhalb Jahre lang ohne Alonsos Einfluss an dem Elftausend-Teile-Modell gefeilt, allein 250 Zeichnung von der Bremsbelüftung angefertigt und Tausende Stunden im Windkanal verbracht. Aber es bleibt noch Spielraum, den Vorzügen des Menschen in der Maschine gerecht zu werden: "Man kann viel machen, um die aerodynamische Balance des Autos an den Fahrstil des Piloten anzupassen", sagt Chefaerodynamiker Doug McKineran, "Fernando wird eng mit den Ingenieuren zusammenarbeiten, um die Balance und die Abstimmung zu entwickeln." Und Hamilton? Der soll lernen, so schnell es geht. Womit die Rollenverteilung im Gegensatz zu allen anderen Topteams, von Ferrari über Renault und BMW bis hin zu Toyota, auch offiziell geklärt ist: "Wir wollen, dass Lewis sich Schritt für Schritt entwickelt", sagt Whitmarsh, "sein Ziel wird es sein, den Abstand zu Fernando im Laufe der Saison zu verringern. Das ist realistisch. Allerdings glauben wir auch, dass er eines Tages Champion werden kann."

          „Mercedes muss vorne stehen

          Eines Tages, vielleicht. McLaren-Mercedes setzt aber vorerst auf die schnelle Lösung mit Alonso auf der internen Pole-Position. Weil 2006 erstmals seit 1996 kein Sieg gelang, steht die deutsch-britische Fahrgemeinschaft unter erhöhtem Druck. Im Schatten des Duells zwischen Alonso und Michael Schumacher kam der berühmte wie ehrgeizige Rennstall 2006 weitgehend ungeschoren ins Ziel, mit etwa einer halben Sekunde Rückstand - pro Runde. Das ist viel in der Formel 1. Aber angeblich nicht zu viel für ein groß angelegtes Überholmanöver: "Unser Konstruktionsbüro", sagt der Chef-Designer Mike Coughlan, "ist besser ausgestattet, um mit Änderungen umgehen zu können als jedes andere Team (in der Formel 1)." Gesagt, getan?

          Auf den ersten Blick sieht der neue McLaren mit seiner etwas breiteren Nasen, den heruntergezogenen Seitenkästen und der schlanken Taille wieder ziemlich schnell aus. Aber was sagt schon das Äußere über den inneren Wert einer Maschine aus? Wenn doch von diesem Dienstag an bis zum Saisonstart ohnehin 30 Prozent der sichtbaren Flügelelemente und aerodynamischen Details verändert werden. Dieter Zetsche hält sich mit diesen Rechnungen nicht lange auf. Den Chef von Daimler-Chrysler interessiert nur eine Kalkulation: "Mercedes muss vorne stehen." Daran wird gearbeitet. Ab dem Rennen in Melbourne am 18. März werden die Ingenieure bis zum Herbst verstärkt versuchen, den Luftfluss zu Gunsten des Abtriebs und der Geschwindigkeit zu optimieren.

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