https://www.faz.net/-gtl-qef2

Formel 1 : FIA fordert drakonische Strafe für BAR-Honda

  • Aktualisiert am

BAR-Honda unter Betrugsverdacht Bild: dpa/dpaweb

Der Internationale Automobilverband (FIA) hat den Ausschluß von BAR-Honda von der Formel-1-WM sowie eine Geldstrafe in Höhe von einer Million Euro gefordert. Ursache des Betrugsverdachts sei ein Mißverständnis, behauptet der Rennstall.

          2 Min.

          Im Prozeß um die „Tank-Affäre“ hat der Automobil-Weltverband FIA den WM-Ausschluß des Formel-1-Rennstalls BAR-Honda sowie eine Geldstrafe von mindestens einer Millionen Euro gefordert.

          Der drittplatzierte Jenson Button vom britisch-japanischen Team soll beim Großen Preis von San Marino am 24. April mit einem untergewichtigen Wagen gefahren sein, BAR-Honda die Existenz eines Zusatztanks verneint haben. Der Technische Direktor der FIA, Jo Bauer, räumte allerdings ein, seit einer Tankinspektion beim Großen Preis von Malaysia am 20. März Kenntnis von dem zusätzlichen Tank gehabt zu haben. Der Rennstall wies alle Vorwürfe zurück und wertete die Beweislage als sehr dünn.

          Benzin als Ballast

          Eine Entscheidung will die FIA an diesem Donnerstag bekannt geben. Möglich ist, daß BAR-Honda drei Tage vor dem Großen Preis von Spanien in Barcelona von der WM ausgeschlossen wird. „Wenn jemand beim eindeutigen und absichtlichen Betrug erwischt wird, wird er von der WM ausgeschlossen. Egal, wer es ist“, hatte FIA-Chef Max Mosley bereits vor der Verhandlung betont. Sollte der Betrugsvorwurf nicht als bewiesen angesehen werden, drohen Punktabzug und/oder eine Geldstrafe.

          Jenson Button könnte mehr verlieren, als seinen dritten Platz in Imola

          FIA-Chefkommissar Charlie Whiting warf bei der Befragung im FIA-Hauptsitz an der Place de la Concorde in Paris den Beschuldigten vor, Benzin in beiden Wagen reglementswidrig als Ballast eingesetzt zu haben. Auf die Fragen der vier unabhängigen Richter unter Vorsitz des Spaniers Xavier Conesa erklärte Whiting, das Team habe 8,9 Kilogramm Treibstoff in einem zusätzlichen Tank bei der obligatorischen technischen Abnahme in Imola verschwiegen.

          BAR-Honda: Ein Mißverständnis

          BAR-Honda-Anwalt David Pannick behauptete dagegen, daß der vom FIA-Offiziellen gefragte Mechaniker lediglich mit dem Abpumpvorgang nach dem ersten Wiegen betraut gewesen sei. Daher habe dieser auf die Frage, ob der Tank nun leer sei, auch mit ja geantwortet. Der ganze Betrugsvorwurf fuße also auf einem Mißverständnis, behauptete der britische Star-Advokat in seinem Plädoyer.

          Der Verteidiger versuchte auch die Prozedur des Wiegens nach dem Rennen in Frage zu stellen. Er verwies auf verschiedene Protokolle mit sich angeblich widersprechenden Aussagen. Geoff Willis, der Technische Direktor des Teams, versicherte: „Ich würde dem Team nie erlauben, etwas zu tun, was illegal ist.“ BAR-Honda könne nachweisen, daß das Auto während des Rennens immer mindestens die 600 vorgeschriebenen Kilogramm gewogen habe. „BAR-Honda wollte uns mit den eigenen Daten überzeugen“, meinte Pierre de Coninck von der FIA. „Wir können uns aber nur auf die physische Untersuchung verlassen.“

          „BAR-Honda hat sich ein Schlupfloch im Reglement gesucht“

          Buttons Wagen hatte beim ersten Wiegen 606,1 kg auf die Waage gebracht. Komplett leer gepumpt unterschritt der Bolide aber das Mindestgewicht von 600 kg samt Fahrer um 5,4 kg. Erst sechs Stunden nach dem Rennen bestätigten die Rennkommissare den dritten Platz von Button hinter WM-Spitzenreiter Fernando Alonso und Titelverteidiger Michael Schumacher. Buttons Teamkollege Takuma Sato hatte den fünften Rang belegt.

          Der angeklagte Rennstall behauptete auch, daß kein Paragraf eindeutig festlege, ob das Mindestgewicht mit oder ohne Benzin gelte. „BAR-Honda hat sich ein Schlupfloch im Reglement gesucht und absichtlich verhindert, daß wir mit dem normalen Absaugvorgang das Benzin herausholen können“, meinte Coninck weiter.

          BAR-Hondas Technischer Direktor Willis erklärte unterdessen auf Nachfragen der Richter, daß jedes Formel-1-Fahrzeug einen Zusatztank, den sogenannten Catch-Tank habe. Dadurch werde gewährleistet, daß die Benzinpumpe auch unter extremen Bedingungen wie hoher Kurvengeschwindigkeit immer Sprit saugen kann. „Wir brauchen diesen Tank, sonst läuft unser Motor fest“, sagte der Techniker. Die FIA bestreitet allerdings, daß es sich bei besagtem Zusatzbehälter um jenen „Catch-Tank“ handle, über den jeder Rennwagen verfügt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Karfreitag in Corona-Zeiten : Zeit für informierte Nächstenliebe

          Die Kirchen sind offen, doch Gottesdienste finden nicht statt. Das Christentum hat in der Corona-Krise aber nicht ausgedient. Die Pandemie entlarvt nur den selbstbezogenen Nähe-Kult, zu dem die Nächstenliebe gemacht worden ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.