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Formel 1 : Ferrari wacht auf, Schumachers Vertrauen wächst

  • -Aktualisiert am

99,9 Prozent pro Ferrari: Michael Schumacher Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Erst 99 Prozent, nun sogar 99,9. Michael Schumachers Vertragsverlängerung über 2006 hinaus rückt in greifbare Nähe. Verbessert sich Ferrari so weiter wie zuletzt, steht einer Fortsetzung der Ära wohl nichts im Weg.

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          Die Frage der Fragen wird er nicht los. Nicht mal mit der jüngsten Steigerung: 0,9 Prozent schlug Michael Schumacher bei der Wahrscheinlichkeitsrechnung auf, als er nach seiner Zukunft in der Formel 1 und mit Ferrari gefragt wurde. Das mag nicht viel erscheinen für einen Menschen, der so viele hochprozentige Ergebnisse in seiner Karriere als Chefpilot zu bieten hat, daß einem schwindelig werden kann.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Aber die Aufwertung der Entscheidung pro Scuderia im Falle einer Fortsetzung des Kreisverkehrs von 99 auf nun „99,9“ Prozent war wohl das Höchstmaß. Verbunden mit der Hoffnung auf ein Ende der nervenden Spekulationen vor der anstehenden Vertragsverlängerung über 2006 hinaus.

          „Nichts im Leben ist sicher“

          Wahrscheinlich aber wird der Rheinländer bis zur Saisonmitte, wenn er nach Abwägung von Lust und Leid bereit ist, hundertprozentig zu antworten, die Möglichkeit der unendlichen Annäherung ausschöpfen müssen. Denn „nichts im Leben ist sicher“, erklärte Schumacher jenen Fragestellern am Donnerstag im italienischen Wintersportort Madonna di Campiglio, die im restlichen Zehntelprozent die Taktik eines abgebrühten Profis herauslesen.

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          Nämlich den Wechsel auf ein schnelleres Pferdchen, falls das „Cavallino Rampante“ nach 2005 auch 2006 wieder lahmen sollte. So eine Sicherheitsmarge könnte im Hinterstübchen Schumachers, der so gut ist, weil er nie hundertprozentig sicher ist, allerdings auch einen profaneren Grund haben. Warum sollte er sich - bei aller Liebe - Ferrari mit Haut und Haaren verschreiben, seinen vielleicht letzten Vertrag quasi blanko unterschreiben, wenn noch nicht mal verhandelt worden ist?

          Schumachers gutes Gefühl

          Beschleunigt die Scuderia so weiter wie ins neue Jahr, dann steht einer Fortsetzung der Ära Schumacher-Ferrari nichts im Weg. Schumachers Mienenspiel verriet beim Neujahrsempfang von Ferrari jedenfalls gute Laune. Und die läßt sich bei Schumacher - was die Rennerei betrifft - in etwa vom Entwicklungsstand der geheimen Technik ableiten. Bestzeiten am Dienstag und Mittwoch bei Testfahrten in Jerez sind zwar wegen der unterschiedlichen Strategien der Teams mit Jahreswagen und teilweise neuen V-8-Motoren kaum aussagekräftig.

          Aber die Erfahrung von 15 Jahren Wintertest geben Schumacher ein gutes Gefühl: „Wir scheinen auf dem richtigen Weg zu sein. Wir haben verstanden, was (mit den Reifen und der Aerodynamik) nicht so funktionierte und die meisten Probleme gelöst.“ In der nächsten Woche wird der nagelneue Ferrari auf der werkseigenen Rennstrecke in Fiorano die ersten Runden drehen. Mitte Februar bei einem Test in Bahrain, wo am 12. März die Saison beginnt, dürfte Schumacher wissen, ob der neue Renner seinen Ansprüchen genügt: „Ich will immer unter den Ersten sein. Wir müssen nicht unbedingt die WM gewinnen, aber wir müssen eine echte Chance haben, darum kämpfen zu können.“

          „Wir haben unsere alte Stärke zurückgewonnen“

          Druck auf Ferrari? So war das nicht gemeint. Im Gegenteil. Schumacher schloß sich bei der höchst seltenen öffentlichen Fehleranalyse mit ein. Und er reagierte so, daß auch die gesamte Mannschaft des ehemaligen Seriensiegers das Signal nicht überhören konnte: mit forciertem Eifer beim Aufbau der Fitness, mit Präsenz im Werk und auf der Teststrecke noch vor Weihnachten. Sieben Jahre lang hatte der Familienfreund Schumacher den geheiligten Winterurlaub nicht mehr unterbrochen.

          Jetzt demonstriere er, daß man selbst mit 37 Jahren, mit 84 Grand-Prix-Siegen und sieben WM-Titeln noch „Raum hat, um sich zu verbessern“. Schumacher glaubt die Wirkung schon zu spüren: „Wir sind aufgewacht, wir haben unsere alte Stärke zurückgewonnen.“ Ob das schon reicht, Renault und McLarenMercedes wieder einzuholen? Ferrari scheint es im ersten Schritt gelungen, den Folgefehler der offensichtlichen Reifenschwäche 2005 beseitigt zu haben. Die Ursachenforschung rund um die schwächelnden Gummis von Bridgestone beschäftigte die Scuderia im vergangenen Jahr so stark, daß die Entwicklungsarbeit an den Schwachpunkten des Chassis litt.

          Regeländerung kommt Ferrari entgegen

          Deshalb weigerte sich Generaldirektor Jean Todt auch, die Reifen als einziges Übel zu benennen. Der Hinweis auf die Schwäche des „Gesamtpaketes“ diente also nicht nur als Schutz des treuen wie spendablen Partners. Mit der Wiederzulassung der Reifenwechsel entwickeln sich die Grand Prix wieder zu Sprintrennen mit etwa 20 Runden zwischen den Boxenstopps zurück. Diese Regeländerung kommt Bridgestone und damit Ferrari entgegen.

          Ein Selbstläufer zum Erfolg aber ist dieser Schritt nicht. „Wir haben noch viel Arbeit“, sagt Luca Badoer, seit neun Jahren Testfahrer von Ferrari, „das ist noch ein steiler Weg.“ Vielleicht so steil wie die Michael-Schumacher-Piste in Madonna di Campiglio. Das letzte, 240 Meter lange Stück der Spirale, eine Art „Streif“ von Madonna, trägt nun den Namen des Champions. 51 Prozent beträgt das durchschnittliche Gefälle, 70 das maximale. Da kommt man schnell auf Touren. Nur tauchen in diesen Tagen mittendrin unvermittelt Eisplatten auf, die selbst so unerschrockene Typen wie Schumacher, das Ziel vor Augen, aus der Bahn werfen können. Ganz wie in der Formel 1. Hundertprozent.

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