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Formel-1-Finale : Spitze Schreie nach dem Affärchen

  • -Aktualisiert am

Räikkönen: „Wir haben immer zusammengehalten, wir sind wie eine Familie” Bild:

Erst als die Gefahr einer Ergebniskorrektur gebannt war, konnte Kimi Räikkönen seinen Weltmeistertitel in der Formel 1 richtig feiern. Die Mannschaftsleistung von Ferrari riss bei McLaren-Mercedes alte Wunden auf.

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          Ferrari hat am Sonntag zweimal gefeiert. Erst kurz nach der Zieldurchfahrt von Kimi Räikkönen, gegen 15.28 Uhr. Dann noch einmal sechseinhalb Stunden später, als sich längst eine tiefschwarze Nacht über das Fahrerlager gelegt hatte. Spitze Schreie aus der Box, ein Mark und Bein erschütternder Jubel des Abbaukommandos zwischen den Kisten und Kästen, Räikkönens Manager, die tief durchatmeten und sich umarmten: Einen ganzen Abend hatten sie alle bang auf das Urteil im Benzinaffärchen gewartet. Die Gefahr einer alles auf den Kopf stellenden Ergebniskorrektur hing in der Luft, nachdem die Treibstofftemperatur von BMW-Sauber und Williams angeblich zu niedrig gewesen sein sollte.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Wären Nico Rosberg (4.) und die BMW-Fahrer Robert Kubica (5.) sowie Nick Heidfeld (6) deshalb wie lange befürchtet disqualifiziert worden, dann hätte Lewis Hamilton mit einem Sprung von Rang sieben auf vier den Titel geerbt. Er hätte den Finnen Räikkönen, längst zum feucht-fröhlichen Nachtanken um die Häuser von São Paulo gezogen, vom Thron verdrängt.

          Der Kater wird länger anhalten

          Doch die Streckenkommissare stellten fest, dass Verstöße, diesmal eine Abweichung von der Toleranz um angeblich zwei Grad Celsius, wegen der unklaren Messvorschriften des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA) kaum zweifelsfrei festzustellen sind. Der Leistungsvorteil hätte ohnehin höchstens 0,7 PS betragen, nicht mal ein Tausendstel der Motorleistung. So fiel es den FIA-Funktionären letztlich leicht, die Überraschung des Tages überzeugend zu bestätigen. Von diesem Moment an floss Sprit in Strömen - genießbarer, eiskalter. Der fällige Kater wird länger anhalten. McLaren-Mercedes legte Protest gegen die Entscheidung ein. Vermutlich kommt es zu einem Berufungsverfahren. (Sieghe auch: Pressestimmen: „Lachnummer des Jahrhunderts“)

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          Formel-1-Finale : Spitze Schreie nach dem Affärchen

          Armer Champion. Den Pechvogel als ständigen Begleiter wurde Räikkönen auch an seinem Glückstag nicht los. So oft hat es den wortkargen Piloten aus Espoo schon erwischt. 2005 warfen ihn Motorschäden und andere Defekte sogar aus dem Rennen um den Titel. Mit dem Wechsel von McLaren-Mercedes zu Ferrari 2007 verband er deshalb auch die Hoffnung, von Malaisen verschont zu bleiben. Prompt verschlechterte sich die Scuderia in der Pannenwertung: „An unseren Fahrern wird es nicht liegen, wenn wir nicht Weltmeister werden“, hatte Generaldirektor Jean Todt noch vor zwei Wochen in China erklärt. Ironischerweise lag es auch nicht allein am diesmal überragenden Ferrari, dass Räikkönen als fast aussichtsloser Kandidat noch an Fernando Alonso und sogar Lewis Hamilton vorbeizog zum sechsten Grand-Prix-Sieg (2007) und zum ersten WM-Titel. (Siehe auch: Der Champion im Porträt: Reinsetzen, losfahren, ankommen)

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