https://www.faz.net/-gtl-7oix7

Formel 1 in Schanghai : Ferrari ohne Führung

  • -Aktualisiert am

Schieben für Ferrari: Auch in Schanghai fährt bei den Roten niemand voraus Bild: AFP

Der Abschied von Rennleiter Stefano Domenicali skizziert die Planlosigkeit des berühmten Formel-1-Teams vor dem Rennen in China am Sonntag (9.00 Uhr). Die Scuderia hofft auf einen besseren Motor.

          4 Min.

          Vieles bei Ferrari erinnert an die schlechte alte Zeit. Genau genommen an die Firmenepoche nach dem Tod von Enzo Ferrari. Da wurden Teamchefs und Technikdirektoren gewechselt wie die Fußballtrainer am Tabellenende. Ferrari verschliss in der Zeit von 1988 bis 1993 fünf Rennleiter. Bis man in Jean Todt einen Siegertypen fand.

          Seit Todt die Scuderia Ende 2007 wieder verlassen hat, macht sich eine ähnliche Planlosigkeit breit wie in grauer Vergangenheit. Immer wenn eine Niederlage besonders schmerzlich ausfällt, muss ein Bauernopfer her. Als Fernando Alonso 2011 beim Großen Preis von Spanien mit einer Runde Rückstand als Vierter die Zielflagge sah, wurde Technikchef Aldo Costa in die Wüste geschickt. Man warf ihm vor, seine Konstruktionen seien zu konservativ. Drei Jahre später hat Costa den Bau des derzeit besten Boliden geleitet - bei Mercedes.

          Scuderia nur die fünfte Kraft?

          Costas Nachfolger bei Ferrari, Pat Fry, hatte nur eine kurze Halbwertszeit. Der frühere McLaren-Ingenieur wurde im September 2013 quer befördert, weil Platz geschaffen werden musste für den neuen Messias im Haus. Er heißt James Allison und kommt von Lotus. Der Posten des Aerodynamikchefs wanderte innerhalb von drei Jahren von Marco de Luca zu Loic Bigois und nun zu Dirk de Beer. Es nutzte alles nichts: An diesem Sonntag wird Stefano Domenicali nicht am Kommandostand während des Grand Prix in Schanghai (Start: 9.00 Uhr MESZ / Live im Formel-1-Ticker auf FAZ.NET) stehen. Offiziell hat der Rennleiter die Notbremse aus freien Stücken gezogen. Aber die Dankesworte des Präsidenten Luca di Montezemolo lassen tief blicken: „Er hat die Interessen von Ferrari immer über seine eigenen gestellt.“ Der Druck des Bosses war zu groß geworden.

          Domenicali stolperte über den Auftritt in Bahrein, bei dem die beiden Ferrari hinter zwei Mercedes, zwei Red Bull, zwei Force India und zwei Williams ins Ziel kamen. Die Scuderia nur die fünfte Kraft? Auch in Schanghai ist es bislang nicht viel besser gelaufen. In der Qualifikation fuhr Alonso auf den fünften, Räikkönen gar nur auf den elften Rang.

          Die Blamage in Bahrein erlebte Präsident di Montezemolo darüber hinaus auch noch in der Box. Es kam aber noch schlimmer. Nach seiner heftigen Kritik an den neuen Regeln, an der damit verbundenen Langeweile, belehrte ihn ein packendes Rennen eines Besseren. Es musste also ein Kopf rollen, allein um abzulenken von der Fehleinschätzung des Markgrafen.

          Musste gehen: Stefano Domenicali

          Der erste Mann von Ferrari fordert vor jeder Saison den Gewinn eines Titels. Domenicali hat ihm diesen Erfolg nicht gebracht. Aber der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso verteidigt seinen Kumpel: „Ferrari hat 2008, 2010 und 2012 seine Chance knapp verpasst. Mit etwas mehr Glück hätten es drei Titel sein können.“ Wer aber mehr als 200 Millionen Euro pro Jahr ausgibt, der begnügt sich nicht mit knappen Niederlagen. Das gleiche trifft für Red Bull und Mercedes zu. Für alle drei sind die Autorennen nicht mehr allein Sport, sondern ein Geschäftsmodell, das sich lohnen muss. So lässt sich erklären, warum Ferrari und Red Bull gleich die ganze neue Formel 1 lautstark in Frage stellen. Was sie auf der Strecke nicht korrigieren können, versuchen sie nun mit Hilfe der Sportpolitik zu lösen.

          Weitere Themen

          Verstappen auf Eins

          Formel 1 : Verstappen auf Eins

          Sebastian Vettel verpasst den besten Startplatz fürs Brasilien-Spektakel. Einer ist schneller, Max Verstappen. Die zweite Pole erst für den Niederländer. Eine, die ihm besonders gefallen dürfte, erst recht vor Ferrari. Lewis Hamilton wird Dritter.

          Topmeldungen

          Klein und furchteinflößend: Papierfischchen lieben Zellulosefasern.

          Sorge vor Schädlingen : Insekten im Museum

          Alle Museen fürchten Insekten, die ihre Sammlungen als Nahrungsquelle sehen. Trotzdem spricht kaum jemand in der Branche über Schädlingsbefall. Wer es tut, muss mit Konsequenzen rechnen.
          Verkehrsminister Scheuer musste sich wegen der Maut-Vergabe im Juli den Fragen des Verkehrsausschusses im Bundestag stellen.

          Automaut : Rechnungshof kritisiert Scheuer

          Der Bundesverkehrsminister wird seit langem für das Vergabeverfahren für die Pkw-Maut angegriffen. Auch der Bundesrechnungshof ist nicht einverstanden. Es listet gleich eine ganze Reihe von Verstößen auf.

          Angefasst und ausprobiert : Das kann das Motorola Razr

          Wer das neue Motorola Razr in die Hand bekommt, reißt erst einmal die Klappe auf und sucht wie bei anderen faltbaren Smartphones die Falte in der Mitte. Wir haben aber auch noch anderes ausprobiert.
          Für viele wünschenswert: Eine Hebamme wiegt im Rahmen der Nachsorge ein Baby.

          „Social Freezing“ : Den Kinderwunsch auf Eis gelegt

          Für Frauen, die sich für das Einfrieren unbefruchteter Eizellen entscheiden, spielen oft das Fehlen eines Partners oder Karrierepläne eine Rolle. Die Methode wird immer häufiger nachgefragt, vor allem bei Akademikerinnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.