https://www.faz.net/-gtl-9mu9n

Formel 1 in Barcelona : Ferrari kann Mercedes nicht folgen

Mit einem neuen Streckenrekord sichert sich Mercedes-Pilot Valtteri Bottas auf dem Circuit de Catalunya die Pole Position Bild: AP

Auch mit neuen Motoren fährt Ferrari in Montmeló den Silberpfeilen hinterher. Vor dem Rennen auf dem Circuit de Catalunya bringt sich Mercedes im Qualifying in eine aussichtsreiche Position für den nächsten Doppelerfolg.

          Der Adrenalinschub einer mehr oder minder perfekten Runde in einem Formel-1-Auto hat schon manchem Finnen den Samstagnachmittag versüßt. Mika Häkkinen fuhr vor zwanzig Jahren in seinem McLaren-Mercedes sechs Mal in Serie auf die Pole Position, finnischer Rekord: Silverstone, Spielberg, Hockenheim, Hungaroring, Spa und Monza, keiner war einer schneller als der Mann aus Vantaa, der am Ende jener Saison seinen zweiten Weltmeistertitel feierte. Nun, zwanzig Jahre später, genießt Valtteri Bottas aus Nastola die Freuden der möglichst zügigen Arbeitsgestaltung am Samstag. Schanghai, Baku, Barcelona: Bottas auf der Pole Position. In Katalonien fuhr Bottas einen neuen Streckenrekord: 1.15,406 Minuten. Bottas wusste den Hormoneinschuss zu würdigen, den die schnelle Tat auslöste: „Das hat wirklich Spaß gemacht, der Adrenalinschub von der Runde war schön.“

          Sein Teamkollege Lewis Hamilton, viermal Weltmeister in den vergangenen fünf Jahren, war 0,634 Sekunden langsamer, auch wegen eines Fahrfehlers auf seiner schnellsten Runde. Eine so deutliche Niederlage im Qualifying hat Hamilton schon lange nicht mehr erlebt. „Valtteri war einfach schneller heute, er hat die Pole verdient.“ Mercedes-Teamchef Toto Wolff sagte am Abend, Hamilton sei mit einer nicht voll aufgeladenen Batterie auf die schnellste Runde gegangen, nachdem er zuvor in die Box gekommen war, ohne die Batterie des Hybridantriebs voll zu laden.

          „Ich bin glücklich und unglücklich zugleich“

          Chancenlos aber war die Scuderia Ferrari, deren Piloten Sebastian Vettel und Charles Leclerc sich vom neuen Triebwerk im Heck des SF90 und aerodynamischen Überarbeitungen eigentlich ein Ergebnis erhofft hatten, das die Zeitentafeln der Wintertests auf diesem Kurs gezeigt hatten: Ende Februar hatten sie die Bestzeiten gesetzt. Am Samstag blieb Vettel einzig die Genugtuung, den überaus talentierten 21 Jahre alten Teamkollegen, deutlich abgehängt zu haben: Vettel war mehr als 0,3 Sekunden schneller als Leclerc, fuhr auf Platz drei, während der Monegasse nur von Platz fünf ins Rennen geht, noch hinter Max Verstappen (Red Bull). Nico Hülkenberg im Renault wurde nach einem Unfall im ersten Qualifikationsabschnitt nur 16.

          Vor allem in den engen Kurven des letzten Streckenabschnitts verlieren Vettel und Leclerc immens viel Zeit. Dem Auto fehle Anpressdruck, klagt Vettel. „Es fühlt sich nicht schlecht an, aber es ist nicht schnell genug“, sagte er unmittelbar nach dem Ende des Qualifyings, als ihn Jenson Button, der Weltmeister von 2009, nach seinen Eindrücken fragte. „Ich bin glücklich und unglücklich zugleich“, sagte Vettel. Was nützt der Sieg gegen Leclerc, wenn der Rückstand auf Mercedes nicht kleiner, sondern größer wird? So viel Vorsprung überrascht sogar das Weltmeister-Team.  „Wir hatten erwartet, dass Ferrari dichter dran ist“, sagte Bottas.

          Angesichts der Dominanz, die zuvor schon in den freien Trainingsläufen deutlich wurde, wäre alles andere als ein weiterer Doppelsieg für Mercedes am Sonntag (15.10 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 und bei RTL sowie Sky) eine Überraschung. Bislang standen Hamilton und Bottas bei jeder Siegerehrung in dieser Saison auf den beiden besten Plätzen. Manchem kommt die Saison 2019 deshalb bislang  ein wenig spannungsarm daher. Aber als Bottas seine Vorfreude auf einen adrenalinschwangeren Sonntag zum Ausdruck brachte („Ich fühle mich im Auto besser und besser. Ich freue mich auf morgen.“), musste das für die Konkurrenz bedrohlich klingen. Sehr bedrohlich. Jedenfalls auf Hamiltons Reaktion darf man da durchaus gespannt sein.

          Weitere Themen

          „Kollektives Versagen“

          Darmstadt unterliegt Osnabrück : „Kollektives Versagen“

          Mit viel Leidenschaft gelingt dem Aufsteiger aus Niedersachsen der Sprung auf Platz drei in der 2. Fußball-Bundesliga. Der VfL begeistert sein Publikum an der Bremer Brücke und die „Lilien“ kassieren eine herbe 0:4-Niederlage.

          Neymar macht Tuchel das Leben schwer

          Rückschlag für Paris : Neymar macht Tuchel das Leben schwer

          Paris ist schon seit einiger Zeit nicht mehr das Fußball-Paradies für den deutschen Trainer. Seine Reputation in der Öffentlichkeit und die Autorität innerhalb des Klubs sind beeinträchtigt. Und dann ist da ja noch Neymar.

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson

          Brief an Tusk : Johnson will Brexit-Deal neu verhandeln

          Bisher wollte der britische Premier sein Land auch ohne Deal aus der EU führen. Nun schreibt er an EU-Ratspräsident Tusk, ein Austrittsabkommen habe „oberste Priorität“. Zugleich fordert er, die Backstop-Regelung zu streichen – und schlägt Alternativen vor.
          „Fridays for Future“-Demonstration vom vergangenen Freitag in Berlin

          „Fridays for Future“ : Glaube an die eigene Macht

          Eine Studie zeigt, wie die Demonstranten der „Fridays for Future“-Proteste ticken. Was ihre Motive sind, welchen sozialen Hintergrund sie haben – und für welche Parteien sie stimmen würden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.