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Formel-1 : Ferrari ist jetzt schon begeistert von Vettel

  • -Aktualisiert am

Sebastian Vettel sieht die Formel-1-Welt in Zukunft durch die Ferrari-Brille Bild: Picture-Alliance

Bei Ferrari blieb kein Stein auf dem anderen. Sebastian Vettel soll die Geschichte von Michael Schumacher wiederholen und die Integrationsfigur des Neubeginns sein. In Maranello macht sich Vettel schnell beliebt.

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          Ferrari nimmt den Neustart wörtlich. Beim berühmtesten Rennstall der Formel 1 blieb kein Stein auf dem anderen. Ein neuer Präsident, ein neuer Rennleiter, ein neuer Fahrer, neue Ingenieure und eine neue Struktur. Sebastian Vettels Kindertraum könnte eine lange Reise werden. Mercedes hat gezeigt, dass Erfolg in der Formel 1 ein Geduldsspiel ist. Vom Kauf des BrawnGP-Teams bis zum WM-Titel vergingen fünf Jahre.

          Darauf nimmt Fiat-Chef Sergio Marchionne in seiner Pressekonferenz auf dem Ferrari-Testgelände in Fiorano auch Bezug: „Mercedes hat den Erfolg dieses Jahres nicht in einem Jahr geschafft. Wir werden uns zwei Jahre Zeit nehmen müssen, aber ich will Ende 2015 erkennen, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.“ Im vorweihnachtlichen Maranello war ein Hauch des neuen Winds zu spüren, der durch die heiligen Fabrikhallen weht. Denn selbst die haben ein Verfallsdatum.

          Spätestens bis Mai zieht die Rennabteilung in einen Neubau um, der gerade 100 Meter gegenüber dem Hauptquartier der Sportwagenschmiede hochgezogen wird. Geblieben ist nur der Mythos. Weihnachtsansprachen bei Ferrari waren immer eine Solo-Show des Präsidenten. Keiner konnte sich und seine Firma so gut inszenieren wie Luca di Montezemolo. In einem halbstündigen Monolog beklagte er gestenreich und mit viel Pathos die Niederlagen des abgelaufenen Jahres, nahm die Regeln der Königsklasse unter Beschuss und forderte seine Gefolgschaft auf, im nächsten Jahr endlich den WM-Titel abzuliefern, dem Ferrari seit 2007 hinterherfährt.

          Montezemolos Nachfolger Sergio Marchionne ist der komplette Gegenentwurf. Ein Mann klarer Ansagen und weniger Worte. Ein Pragmatiker und Jongleur von Zahlen. Seine Ansprache dauert genau zwei Minuten. Und da gab der Mann, der dem ganzen Konzern und damit auch Ferrari vorsteht, der Fragestunde gleich eine klare Richtung vor: „Ich will nicht über 2014 sprechen. Das war für Ferrari ein Jahr zum Vergessen. Das einzige, was mich interessiert ist die Zukunft.“

          „Er kannte das Formel-1-Geschäft nicht“

          Es ist die größte Personalreform in der Geschichte der Formel 1. Innerhalb eines halben Jahres hat Ferrari reinen Tisch gemacht. Präsident Luca di Montezemolo, Rennleiter Marco Mattiacci, Fernando Alonso, Chefdesigner Nikolas Tombazis, Technikkoordinator Pat Fry, Motorenchef Luca Marmorini, Reifenchef Hirohide Hamashima, Testfahrer Pedro de la Rosa: Keiner der Herren ist mehr an Bord.

          Überlebt haben nur Technikdirektor James Allison und sein Aerodynamikchef Dirk de Beer. Marco Mattiacci räumte seinen Chefsessel nach nur 220 Tagen Amtszeit. Er kam im April und ging im November. Schon seine Ernennung sorgte für Kopfschütteln. Sein Abgang nicht. „Mattiacci hat große Arbeit auf dem kommerziellen Sektor für Ferrari geleistet“, blickt Marchionne mitleidlos zurück. „Aber er kannte das Formel-1-Geschäft nicht. Er musste es erst lernen. Das geht nicht, wenn sich der Rennstall in einer schwierigen Phase befindet. Arrivabene kennt Ferrari, er kennt die Formel 1 und die wichtigsten Leute in dem Geschäft. Deshalb kann er sich auf die Restrukturierung des Teams konzentrieren.“

          Alles in Rot: Der vierfache Weltmeister fühlt sich schon wohl in seinem neuen Team Bilderstrecke

          Abwarten. Der frühere Tabak-Manager (Philip Morris) kennt das Geschäft zwar besser als sein Vorgänger, doch auch er war vorher noch nie in einer vergleichbaren Position. Ferrari-Teamchef wird man nicht in einem Crash-Kurs. Das Amt ist in Italien so wichtig wie das des Fußball-Nationaltrainers. Der logische Mann für den Posten des Teamchefs wäre eigentlich der frühere Technikdirektor Ross Brawn gewesen. Doch der wollte uneingeschränkt herrschen. Ohne dass sich die Konzernleitung ins Tagesgeschäft einmischt. Das konnte und wollte Marchionne dem Engländer nicht garantieren.

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