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Formel 1 : Ferrari in Melbourne - fast wie die Bayern in Cottbus

  • -Aktualisiert am

Räikkönen rutschte gleich mehrfach von der Piste Bild: AP

Abgeschlagen hinter McLaren-Mercedes, BMW-Sauber, Williams, Renault - und hinter Toro Rosso, so eine Art Cottbus der Formel 1, landete Ferrari beim Auftakt in Melbourne. „Wir haben auf keiner Ebene gut gearbeitet“, sagte Sportdirektor Baldisserri und sprach von einem „desaströsen Start“.

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          Stunden nach dem Rennen bemühte sich Ferraris Pressechef um eine wohlwollende Beurteilung: "Bayern München", sagte Luca Colajanni, "hat ja auch gegen Cottbus verloren." Als wäre die Scuderia im Albert Park von Melbourne unglücklich ausgerutscht. Der Weltmeister des Weltmeisterteams, Kimi Räikkönen, nur Achter - und Letzter. Weit abgeschlagen hinter McLaren-Mercedes, hinter BMW-Sauber, hinter Williams, Renault - und hinter Toro Rosso, so eine Art Cottbus der Formel 1, was den Kader und die Budget-Differenz betrifft: etwa 180 gegen etwa 900 Leute bei Ferrari, höchstens 130 Millionen Dollar gegen vielleicht 380 Millionen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Immerhin überließ Ferrari die Wertung der Präsentation nicht der Konkurrenz: "Man muss", erklärte Sportdirektor Luca Baldisserri, "nicht viele Worte verlieren über diesen desaströsen Start. Wir haben auf keiner Ebene gut gearbeitet." Im Fußball würde man sagen: Technisch und spielerisch versagt. Der schlechteste Ferrari-Auftritt seit etwa zwei Jahren nahm am Samstag seinen Lauf. Als Räikkönen zum Ende des ersten Durchgangs im Qualifikationstraining wegen einer defekten Benzinpumpe liegenblieb. Die erste oder wenigstens die zweite Startreihe hätte er erreichen können. Schließlich wurde Teamkollege Felipe Massa Vierter im Startplatzrennen.

          Massas Vollkontakt-Manöver

          Doch wer wie Räikkönen als 15. im Feld der Formel 1 losbraust, den Tank bis zum Rand gefüllt, hat kaum eine Chance. Räikkönen hing im Verkehr lange hinter dem früheren Ferrari-Fahrer Rubens Barrichello (Honda) fest. Trotzdem ging es für die Scuderia voran - mit unfreiwilliger Hilfe von Massa. Der hatte zunächst in der ersten Kurve bei einer Kollision mit anschließendem Ausflug in die Streckenbegrenzung seinen Frontflügel verloren.

          Trost für den frustierten Räikkönen

          Beim zweiten Vollkontakt-Manöver wurde dann David Coulthard (Red Bull) so aus der Bahn geworfen, dass die Streckenkommissare das Sicherheitsfahrzeug auf die Piste schickten, um Zeit für eine Beseitigung der Red-Bull-Trümmer zu gewinnen. Einer der Profiteure: Räikkönen. Plötzlich tauchte er als Dritter hinter dem McLaren-Duo Lewis Hamilton/Heikki Kovalainen auf, wenn auch mit einem Boxenstopp weniger.

          „Rechne damit, dass Ferrari wieder vorne mitfährt“

          In diesem Augenblick glaubten als Römer verkleidete Ferrari-Fans an einen Neustart des Rennens im doppelten Sinne. So wirkte es, als Räikkönen attackierte. Dann kam der Moment, in dem ein Mann wie der Ferrari-Präsident und Fiat-Boss Luca di Montezemolo wohl mehrfach Rot gesehen hat: erst ein edles Ferrari-Rot, das sich mit dem Melbourner Kiesbett-Rot vermischte und dann in ein sattes Wut-Rot verwandelte. "Ich war zu optimistisch", erklärte Räikkönen hinterher lakonisch seinen erheblichen Geschwindigkeitsüberschuss auf dem Weg vorbei am Landsmann Kovalainen ins Abseits. Dass er später hinter Timo Glock (Toyota) "nicht richtig aufpasste" und ein zweites Mal von der Piste rutschte, störte den "Iceman" nicht sonderlich: "Das Problem hat doch schon am Samstag angefangen. Wichtiger ist, dass wir ein gutes Auto haben." Den Beweis blieb Ferrari am Sonntag schuldig.

          Die Gegner aber sind vorsichtig: "Ich rechne damit, dass Ferrari in Sepang (am Sonntag) wieder vorne mitfährt", sagte BMW-Sportchef Mario Theissen. Sicher ist nur eines: Ferrari kann auf weichen Reifen trotz eines hohen Benzingewichts und großer Hitze leicht 30 Runden und mehr fahren. Das traute sich die Konkurrenz - abgesehen von Glock - nicht zu. Musste sie auch nicht. Denn während die härteren Gummimischungen Bestzeiten gut verkrafteten, lösten sich die Ferrari-Motoren in Schall und Rauch auf. Erst der von Massa, dann Räikkönens. Zu Fuß kam der Champion ins Ziel. Als Neunter. Dann strichen die Streckenkommissare Barrichello aus der Wertung. Der Brasilianer hatte das Rotlicht am Ende der Boxengasse überfahren. Und so rückte Ferrari mit Räikkönen trotz standhafter Gegenwehr auf Rang acht vor, gewann, was den Bayern versagt blieb: "Ein Punkt", sagte Mercedes-Mann Norbert Haug nachdenklich, "hat im vergangenen Jahr die WM entschieden."

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