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Schummeln in der Formel 1? : Ferraris Gegner schießen mit Schrot

  • -Aktualisiert am

Ein Rennwagen in Austin: Hat Ferrari etwas zu verbergen? Bild: dpa

„Das passiert, wenn man aufhören muss zu schummeln“, behauptete Verstappen nach Ferraris schwacher Vorstellung in Austin. In Brasilien soll die Scuderia die Vorwürfe ihrer Gegner entkräften. Ob das gelingt?

          4 Min.

          Ist das Herbstmärchen von Ferrari in der Formel 1 schon wieder vorbei? Der große Herausforderer von Mercedes hat erst nach der Sommerpause die Leistungen gezeigt, die er von sich erwartet hatte. Sechs Mal stand ein rotes Auto auf dem besten Startplatz, drei Mal konnte ein Ferrari-Fahrer gewinnen.

          Nach einem Aerodynamik-Paket zum Grand Prix in Singapur war Ferrari auf jeder Rennstrecke zu einem wehrhaften Gegner für Mercedes geworden, nicht mehr nur dort, wo man mit überlegener Motorleistung die höheren Kurvengeschwindigkeiten der Silberpfeile kompensieren konnte. Ferraris Plan, die Gegner am Samstag an die Wand zu fahren, um am Sonntag dann die Führung von der Spitze weg zu verteidigen, schien endlich aufzugehen.

          Obwohl Mercedes am Renntag das schnellere Auto besaß: „Sie haben mehr Abtrieb als wir, und ihre Autos gehen mit den Reifen schonender um“, sagte Sebastian Vettel. Deshalb durfte sich Ferrari sonntags nicht den kleinsten Fehler erlauben. In Russland brachte ein Defekt am Auto von Vettel Mercedes auf die Siegerstraße. In Japan verdarben sich die Piloten mit schlechten Starts ihre guten Aussichten aus der ersten Startreihe. In Mexiko trafen die Strategen am Kommandostand falsche Entscheidungen. „Wir hätten mehr Mut gebraucht“, sagte Teamchef Mattia Binotto. Das langsamere Auto am Renntag machte Vettel und den Teamkollegen Charles Leclerc verwundbar. „Weil es ihre taktischen Optionen einschränkt“, erklärte Mercedes-Technikchef James Allison.

          Wer im Rennen Rundenzeit in der Hinterhand hat, kann seine Boxenstopps so legen, wie er will. Der Gegner muss an die Box, wann es ihm der Reifenverschleiß vorschreibt. „Um Mercedes zu schlagen“, sagte Binotto, „muss alles passen. Zuverlässigkeit, Speed, Strategie, Boxenstopps, die Fahrzeugabstimmung. Zuletzt hat uns immer irgendein Baustein aus dem Puzzle gefehlt.“

          Formel 1

          Nach sechs Rennen der zweiten Saisonhälfte stand es 3:3. In Austin vor knapp zwei Wochen stoppte Vettel ein Bruch der Hinterradaufhängung, Leclerc kam erst spät im Rennen in Schwung und 52 Sekunden hinter Mercedes-Pilot Valtteri Bottas ins Ziel. Die Konkurrenz stufte Ferraris dezente Vorstellung nicht als einmaligen Ausrutscher ein. „Das passiert, wenn man aufhören muss zu schummeln“, behauptet Max Verstappen (Red Bull).

          Ferraris Motorvorteil war den Gegner seit Beginn dieser Saison ein Dorn im Auge. Mercedes und Red Bull rechneten einen Unterschied von bis zu 50 PS aus, wenn die roten Raketen das volle Leistungspotential ausspielten. Ferrari spricht von 20 PS und einem geringeren Luftwiderstand des Autos. „Das kommt einem Entwicklungsvorsprung von zwei Jahren gleich“, sagte Red Bulls Teamchef Christian Horner. Der Kollege von Mercedes, Toto Wolff, sprach von Merkwürdigkeiten, für die es keine Erklärungen gebe.

          Es kursierten viele Gerüchte, aber Beweise boten die Kläger bislang nicht. Deshalb ließen sie die Finger von einem Protest. Red Bull spielte eine der Theorien mit einem Honda-Motor auf einem Prüfstand durch. Dabei wurde auch in den Intervallen Benzin eingespritzt, in denen der Durchflussmengensensor nicht misst. Erlaubt sind maximal 100 Kilogramm pro Stunde. Die Messung per Ultraschall verläuft in kurz getakteten Pulsen. Der Vorteil eines solchen Tricks wäre, dass in Summe mehr Sprit eingespritzt werden kann als erlaubt. Das führte zu einem signifikanten Leistungsgewinn.

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