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Formel 1 : Ferrari auf Crashkurs

  • -Aktualisiert am

Wohin führt der Weg des Ferrari? Der Rennstall droht mit Ausstieg aus der Formel 1 Bild: AFP

An diesem Wochenende steht das Rennen in Monte Carlo an. Doch der Sport rückt in den Hintergrund. Denn Ferrari droht im Streit mit dem Weltverband, die Formel 1 zu verlassen - ein Szenario, in dem beide Seiten verlieren würden.

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          Rot bestimmt das Bild. Rote Kappen, rote Fahnen, rote T-Shirts. Mitten drauf prangt ein schwarzes Pferdchen, seit einem Menschenleben das Sinnbild für besonderes Tempo, besondere Leistungen, besondere Geschichten im Motorsport. Die Händler in den Gassen von Monte Carlo haben ihre Stände unübersehbar auf den Kassenschlager getrimmt. Sie setzten in den Tagen vor dem Großen Preis der Formel 1 am Sonntag (14.00 Uhr / FAZ.NET-Formel-1-Liveticker) auf Ferrari. „Die Fan-Ausrüstung geht am besten. Sie wird von allen gekauft. Natürlich von Italienern, aber auch von Deutschen, Franzosen, Engländern. Selbst Japaner wollten Ferrari-Kappen“, sagt die junge Französin in der Rue Princess Caroline. „Wenn Ferrari verschwindet, wer soll sie dann ersetzen?“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Draußen, vor dem Gitterzaun rund um das Fahrerlager im Hafen des Fürstentums, hat der Streit zwischen dem erfolgreichsten Rennstall und dem Regelmacher Max Mosley schon konkrete Befürchtungen ausgelöst. Man nimmt die wiederholte Erklärung des Ferrari-Vorstandes, nach 59 Jahren aus dem Zirkus auszusteigen, falls es keine Einigung über die Regeln ab 2010 gibt, viel ernster als der Formel-1-Tross.

          Glaubt man Mosley, dem Präsidenten des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA), dann braucht sich die Verkäuferin aus der realen Welt keine Sorgen zu machen: „Ferrari ist wichtig, aber die Formel 1 wird auch ohne Ferrari überleben.“ Wird sie nicht, behauptet Fernando Alonso. Der zweimalige Weltmeister skizzierte am Donnerstag den Untergang der Formel 1, sollten die roten Renner ein für allemal die nächste Ausfahrt nehmen. Dass Mosley die Zukunft rosig beschreibt, während Alonso rot sieht, hängt mit den persönlichen Interessen zusammen. Der Brite will die Italiener in die Knie zwingen. Der Spanier möchte demnächst für sie fahren. Was aber ist Ferrari wirklich wert?

          Wie im Casino - niemand weiß, wie der Streit zwischen Ferrari und Fia ausgeht

          „Ich mache mir Sorgen, ich möchte nicht, dass sie uns verlassen“

          Wenn das Training im Fürstentum vorbei ist, stauen sich Ferraris brüllend im Stadtverkehr. Abends werden die Luxus-Boliden mit Straßenzulassung von ihren Besitzern im Schritttempo dem Publikum vor den Bars vorgeführt. Man schaut und staunt, man streichelt über das Chassis und dokumentiert die Nähe zum Außergewöhnlichen. Klick: Ich und Enzo (das Sondermodell, nicht der Mensch) am Casino. Wo Ferrari Krach macht, laufen Menschen zusammen.

          Von Monaco bis nach China. Manche kratzen, wie einst auf dem Nürburgring, sogar das Ferrari-Reifengummi vom Asphalt ab oder sammeln Splitter von geborstenen Frontflügeln, um im Reliquienschrank daheim neue Kostbarkeiten unterbringen zu können. Andere protestieren wie im Albert Park von Melbourne gegen ein Verschwendungssymbol. Es gibt wohl keine andere Maschine, die so viele Gefühle auslöst.

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