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Alonso-Comeback in Formel 1 : Jetzt werden Vettels Probleme noch größer

Die Perspektiven werden deutlich kleiner: Sebastian Vettel Bild: EPA

Fernando Alonso fährt künftig wieder in der Motorsport-Königsklasse. Für ein Team, mit dem er seine größten Erfolge feierte. Die Formel-1-Rückkehr ist ein Wagnis – und betrifft auch die Zukunft von Sebastian Vettel.

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          Am Mittwochmorgen ist er Rennrad gefahren, so hat es Fernando Alonso jedenfalls auf seinem Instagram-Kanal dokumentiert. Den kurzen Videoausschnitt unterlegte er musikalisch mit dem Titel „Back to the Future“ von The Timeout Orchestra. Zurück in die Zukunft – wer wollte, konnte diese Songauswahl als Zeichen sehen für das, was wenige Stunden später offiziell wurde: Alonso, Weltmeister in der Jahren 2005 und 2006, kehrt zur neuen Saison in die Formel 1 zurück, der Spanier unterschreibt bei Renault einen Vertrag über zunächst zwei Jahre. Es ist die sensationellste Rückkehr in die Rennserie seit dem Comeback Michael Schumachers 2010 bei Mercedes. Der Deutsche war bei seiner Rückkehr in die Formel 1 41 Jahre alt, Alonso wird 39 sein.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Aufgabe der beiden ist durchaus vergleichbar. Renault will dorthin, wo Mercedes schon ist: an die Spitze. „Renault ist meine Familie, meine schönste Erinnerung in der Formel 1“, wurde Alonso in einer Pressemitteilung der Franzosen zitiert. 105 Mal trat Alonso bisher in einem Grand Prix für Renault an, neben den beiden Titeln gewann er 18 Rennen. Auch andere Teams setzten stets große Hoffnungen in ihn, letztlich aber endeten die Verbindungen stets in Enttäuschungen. 2007 etwa, als Alonso angetreten war, um bei McLaren den nächsten Titel zu holen, sich jedoch aufrieb in Auseinandersetzungen mit seinem Teamkollegen Lewis Hamilton und nach nur einer Saison zu Renault zurückkehrte. Oder bei Ferrari, das er von 2010 an in eine neue Ära führen sollte, dann aber zur Saison 2015 – nach allerlei Querelen und Streitereien bei der Scuderia – enttäuscht zu McLaren weiterzog.

          „Ich will auf das Podium zurück“

          Dort wurde es nicht besser, im Gegenteil, es wurde noch schlimmer: 2018 entschied sich Alonso sogar für eine Auszeit von der Formel 1, weil er keine Lust mehr hatte auf das Hinterherfahren in einem unterlegenen Rennwagen. „Jetzt schaue ich nach vorne“, sagte Alonso am Mittwoch: „Meine Ambitionen decken sich mit denen des Teams (Renault, Anm. d. Red.), ich werde meine Erfahrung mit allen teilen, mit den Ingenieuren, den Mechanikern und meinen Teamkollegen. Der Rennstall kann und will zurück aufs Podium, das Gleiche will ich.“

          Künftig wieder in der Motorsport-Königsklasse: Fernando Alonso, hier 2018 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans

          Alonso wird nach wie vor von Flavio Briatore beraten, der als Teamchef bei Renault mit Alonso die ersten Erfolge feierte. „Fernando ist motiviert. Ein Jahr ohne Formel 1 hat ihm gutgetan. Er hat entgiftet und wirkt auf mich gelassener und bereit für eine Rückkehr“, sagte Briatore schon im Mai der „Gazzetta dello Sport“. Alonso ist ein Speed-Junkie. Einer, der über ganz viel Gefühl im Cockpit verfügt, der vor nichts und niemandem Angst hat. Der aber auch als Einzelgänger gilt, als einer, dem es schwerfällt, sich dem Großen und Ganzen unterzuordnen, sich in ein Team einzufügen. Das soll der entscheidende Grund dafür gewesen sein, warum etwa Red Bull und Mercedes in den vergangenen Jahren auf eine Verpflichtung des stolzen Spaniers verzichteten.

          Dabei hätten auch die Verantwortlichen der Formel 1 Alonso gern weiter im Feld gesehen, erhöht seine bloße Anwesenheit doch das Interesse an der Serie. Dieses Fan-Phänomen hat sogar eine eigene Bezeichnung erhalten: Alonsomanía. Den Alonso-Effekt spürten sie zuletzt auch in anderen Rennserien: in Indianapolis, wo er 2017 antrat, sogar einige Runden in Führung lag, ehe er aufgrund eines Motorschadens aufgeben musste; in Le Mans, wo er in den vergangenen beiden Jahren in einem Toyota das 24-Stunden-Rennen gewann; oder bei der Rallye Dakar, bei der er am Ende immerhin Platz dreizehn belegt hat.

          Nun wird Alonso neuer Teamkollege von Esteban Ocon und damit Nachfolger von Daniel Ricciardo, den es zu McLaren zieht, wo wiederum der Platz von Carlos Sainz jr. frei wird, der zu Ferrari wechselt, wo er Sebastian Vettel ersetzen soll. Der Deutsche könnte bei dieser Riesenrochade der große Verlierer sein. Erst am Dienstagabend hatte der viermalige Weltmeister bei „Servus TV“ erklärt, noch keine Entscheidung über seine Rennsport-Zukunft getroffen zu haben.

          Aber wo soll der 33 Jahre alte Deutsche hin? Mercedes? Unwahrscheinlich – Ola Källenius, der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, hatte am vergangenen Wochenende gesagt, das Team vertraue weiter auf Hamilton und Valtteri Bottas. Ein Karriereende? Möglich – aber für eine derart weitreichende Entscheidung lodert das Rennfeuer noch zu sehr in Vettel. Eine Auszeit nach dem Alonso-Modell? Denkbar – „wenn man die Entscheidung trifft, die Tür zuzumachen, dann sollte man sie nicht so treffen, dass man die Hoffnung hat, sie wieder aufzumachen. Es sei denn, es ist von vornherein klar“, sagte Vettel.

          Renault und Alonso setzen künftig auf den Faktor Erfahrung. Die Verantwortlichen des französischen Rennstalls um Teamchef Cyril Abiteboul sehen im Spanier die ideale Lösung für die Herausforderungen der Zukunft. Das entscheidende Jahr soll 2022 werden, wenn die Karten in der Formel 1 aufgrund des neuen Budgetcaps und veränderten Regeln neu gemischt werden. „Er wird in unser Team, das sehr schnell gewachsen ist, eine Kultur des Siegens einbringen“, sagt Abiteboul. Daran werden sie einander messen. Denn eines kann Alonso nur sehr schlecht: verlieren.

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