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Formel 1 : Darum ist Alonso Pilot und Teamchef bei McLaren

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Er sagt an bei McLaren: Fernando Alonso. Bild: AFP

McLaren ist ein stolzes Formel-1-Team. Und ein erfolgloses. Die Suche nach der Ursache für die Krise ist nicht einfach und teils kurios. Und dann ist da noch die besondere Rolle von Fernando Alonso.

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          McLaren, der Dino. Das einzige Team, das es über Jahrzehnte mit Ferrari aufnehmen konnte, einmal nach Siegen gerechnet die Nase sogar kurz vorn hatte. McLaren ist ein stolzes Team. Und ein erfolgloses. Bei den zurückliegenden beiden Grand Prix standen die McLaren in der Startaufstellung auf den vorletzten Plätzen.

          Der frühere Teamchef Ron Dennis verstand sich immer als Vertreter der Premiumklasse. Als sich McLaren 1995 mit Mercedes verbündete, sprach die Szene von einer Elefantenhochzeit. Dennis führte Arbeitsprozesse wie in der Großserienproduktion ein, strukturierte das Technikbüro wie eine Matrix mit vielen Führungsebenen statt einem Guru an der Spitze. Stars am Reißbrett wie John Barnard und Adrian Newey waren ihm mehr und mehr suspekt. Damit hat er zum Teil den Rennsport revolutioniert, seine Firma aber zu einer Behörde ausgebaut, in der alle für den Erfolg standen, aber keiner für den Misserfolg. Als Mercedes ab 2010 selbst als Bewerber auftrat und McLaren zu einem beliebigen Kundenteam mutierte, passte das nicht mehr in das Weltbild eines Teams, das sich zu Höherem berufen fühlte.

          Mit Honda im Boot war McLaren wieder Werksteam. Aber die Wiederbelebung der Erfolgskombination der achtziger und neunziger Jahre misslang. Ron Dennis ist von den Besitzern des Rennstalls längst zum Teufel gejagt worden, doch viel von seinem Selbstverständnis hat sich im hochmodernen McLaren Technology Center eingenistet. Sponsoren wurden verprellt, weil McLaren noch Weltmeister-Preise aufrief, als man längst im Mittelmaß angekommen war. „McLaren weiß alles besser“, hört man von Leuten, die mit dem Team technische Partnerschaften eingegangen sind. Die Chassis-Ingenieure zwangen Honda ein Konzept auf, das zum Bumerang wurde. Der Motor war leicht und kompakt, aber auch zerbrechlich und schwach. Die McLaren-Führung ließ alle glauben, man habe das beste Chassis und den schlechtesten Motor. Nach drei Jahren Blamagen und Pannen meuterten die beiden Großaktionäre, Mansour Ojjeh und ein Staatsfonds aus Bahrein.

          Das Formel 1-Team, früher ein Selbstläufer, kostete sie zu viel Geld. Zak Brown, der neue Direktor der Gruppe, wusste einen Ausweg. Er würde kurzfristig mehr Geld kosten, aber am Ende zurück in die Erfolgsspur führen. Man tauschte Honda gegen Renault, voll finanzierten Werksstatus gegen bezahlten Kundenservice. Da man nach eigenem Bekunden die besten Autos baute, musste es mit einem besseren Motor klappen. Brown ist ein brillanter Verkäufer. Der 46-jährige Amerikaner kennt alle Marketingtricks und Ablenkungsmanöver. Die Abstecher seines Superstars Fernando Alonso nach Indianapolis und Le Mans lenkten so viel Interesse auf diese Heldentaten, dass McLarens Probleme in der Formel 1 kaum auffielen.

          Erst jetzt, als klar wurde, dass der Plan mit Renault nicht so aufgeht, musste gehandelt werden. Dem Motorenlieferanten konnte man schlecht die Schuld geben, der war vor neun Monaten noch der Heilsbringer. Also geriet erst Chassis-Projektleiter Tim Goss in die Schusslinie, dann Teamchef Eric Boullier und Einsatzleiter Matt Morris. Von Goss trennte sich McLaren im April. Gezielte Indiskretionen aus dem Team über Führungsschwäche haben auch Boullier den Job gekostet. Der Franzose hatte noch in Österreich müde erklärt: „Es ist nicht meine Schuld. Ich baue nicht die Autos.“ Nun nahm Boullier kurz vor dem Rennen in Silverstone an diesem Samstag (15.10 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 und bei RTL) seinen Hut, bevor andere ihn zwingen konnten.

          Im Designbüro herrscht Ratlosigkeit. Den Daten nach müsste der MCL33 im vorderen Teil des Mittelfeldes fahren. Inzwischen heißt es, der Windkanal liefere falsche Ergebnisse. Das Problem scheint eingekreist. Das Auto ist nur einigermaßen konkurrenzfähig, wenn der Heckflügel auf Anschlag steht. Jede Strecke, die nicht maximalen Abtrieb verlangt, wird zum Spießrutenlauf. Noch von Boullier wurden die Ingenieure aufgefordert, ihr Konzept zu überdenken. In Österreich spielte Alonso im Freitagstraining den Testpiloten für Aerodynamikteile. Bis zum Rennen in Ungarn sollen die Teile rennbereit sein. Angeblich verlief der Test positiv. Man weiß jedoch nicht, was man bei McLaren noch glauben soll.

          Formel 1

          Brown behauptet, das Problem liege in der Struktur. Deshalb installierte er Sportdirektor Gil de Ferran, Entwicklungschef Simon Robarts und Einsatzleiter Andrea Stella. Ein Trio, das Fragen aufwirft. „Wir haben viele gute Leute, die ihr Talent nicht zeigen können“, sagt Brown. „Die Entscheidungswege sind zu lang. Die Kommunikation intern ist zu schlecht. Wir brauchen Expertise von außen, um neue Denkweisen kennenzulernen.“ Der frühere Renningenieur Stella und der einstige Rennfahrer de Ferran sind enge Vertraute von Fernando Alonso, der immer mehr den Eindruck macht, als führe er das Team ganz alleine. Er bekommt, was er will. McLaren braucht einen Spitzenfahrer, sonst rebellieren die Besitzer. Alonso ist der einzige, der für McLaren verfügbar ist. Man tut alles, ihn zu halten. Der Plan, ihn notfalls eine Saison bei den IndyCars fahren zu lassen, soll schon wieder gestorben sein. Zak Brown bekam von seinen Auftraggebern angeblich den Befehl, er solle sich gefälligst auf die Formel 1 konzentrieren.

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