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Jenson Button im Gespräch : „Manche Fahrer haben keinen blassen Schimmer“

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Mensch Button: Wenn er eines Tages keine Rennen mehr fährt, will er ganz auf Triathlon setzen Bild: REUTERS

Der Weltmeister von 2009 bedauert die massiven Änderungen in der Formel 1. Im F.A.Z.-Interview spricht Jenson Button über den Verlust der Herausforderung, den Angriff auf Vettel und Kollegen auf Irrwegen.

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          Herr Button, seit dieser Saison reden wir nicht nur über das Reifenschonen, sondern auch über das Benzinsparen – ist das noch die Formel 1, die Königsklasse des Motorsports?

          Ja, das ist die Formel 1. Unser Sport entwickelt sich immer weiter, damit musst du als Fahrer zurecht kommen, ob es dir gefällt oder nicht. Aber hier fahren noch immer einige der schnellsten Männer auf diesem Planeten, es kämpfen die stärksten Teams mit den besten Rennwagen gegeneinander. Wenn du in der Formel 1 ein Rennen gewinnst, vergisst du alles um dich herum. Das ist es, warum wir alle noch immer hier sind.

          Dies ist Ihre fünfzehnte Saison, der Grand Prix in Malaysia an diesem Sonntag (Start: 10.00 Uhr MESZ / Live im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) wird ihr 249. sein. Macht Ihnen der Job wirklich noch so viel Spaß wie am Anfang?

          Das macht er, aber das Rennfahren hat sich verändert. Es fühlt sich nicht mehr an wie im Jahr 2004, das war damals eine ganz besondere Zeit: Zehnzylinder-Motoren, 900 PS, 20 000 Umdrehungen pro Minute, federleichte Autos, unglaublich viel Downforce, dazu der Reifenkrieg mit zwei Herstellern, die Rennen gegen Michael (Schumacher), Fernando (Alonso) und Kimi (Räikkönen) – ich bin froh, dass ich das erleben durfte, die Erinnerungen daran haben sich ganz tief in mein Gehirn eingebrannt. Damals bist du als Fahrer an deine Grenzen gestoßen.

          Sie stoßen also nicht mehr an Ihr persönliches Limit auf der Rennstrecke?

          Nur im Qualifikationstraining. Wenn das Auto leicht ist, merkst du, was alles drinsteckt. Diese neuen Rennwagen haben richtig viel Power, richtig viel Drehmoment, und auf einer Runde musst du nur daran denken, so schnell wie möglich zu sein. Das ist beinahe wie in der guten, alten Zeit. Im Rennen ist das anders, da musst du ganz sensibel sein mit deinem rechten Gasfuß. Es ist ja nicht die Technik, die das Benzin spart, es ist der Mensch. Also nimmst du schon weit vor einer Kurve den Fuß vom Gas, wartest und wartest und wartest, trittst dann auf die Bremse – und danach gibst du wieder Gas. So sind die meisten von uns noch nie Rennen gefahren. Bisher ging es immer Zack-Zack: Gas, Bremse, Gas, Bremse.

          Einige Fans beschweren sich darüber, dass die neue Formel 1 zu leise sei, sie vermissen den Sound der großen Motoren. Können Sie das verstehen?

          Auf der einen Seite ja. Wer einmal gehört hat, wie so ein Zehnzylinder-Motor klingt, wie viel Kraft und Energie in ihm steckt, der will so etwas nicht mehr missen. Aber wir können die Zeit nicht aufhalten, unser Sport muss sich den Herausforderungen der Zukunft stellen, er muss interessant bleiben für Hersteller und Sponsoren. Am Ende steht über allem eine entscheidende Frage: Will man leise Motoren und spannende Rennen oder laute Motoren und langweilige Rennen?

          Langweilig war zuletzt für viele die Dominanz von Sebastian Vettel (Red Bull). Sie sind der Letzte, der ihn 2009 besiegt hat und Weltmeister geworden ist.

          Oh ja, das waren großartige Momente. Auf der einen Seite freut es mich, auf der anderen nicht, denn es liegt fünf Jahre zurück. Aber eines ist sicher: Ich will Sebastian die Nummer 1 wieder abnehmen.

          McLaren führt derzeit die Konstrukteurs-Wertung an. Sind Sie schon so weit, wieder an den WM-Titel zu glauben?

          Den Glauben darfst du nie verlieren. Aber das Leben in der Formel 1 ist unberechenbar, das habe ich gelernt in all den Jahren und deshalb will ich nicht allzu weit voraus schauen.

          Welchen Einfluss hat die Rückkehr von Ron Dennis als starker Mann bei McLaren auf den Erfolg?

          Für uns ist es sicher gut, dass Ron wieder da ist. Er hat dieses Team aufgebaut und so viele Titel gewonnen. An die Spitze wollen wir zurückkehren, und dabei wird uns Ron helfen. Jeden Tag siehst du dieses Lächeln in seinem Gesicht, er liebt diesen Sport, und er liebt das Gewinnen mehr als jeder andere. Aber Ron wirkt nicht mehr so verbissen, im Gegenteil. Ich habe ihn noch nie so relaxt erlebt.

          Und ihre neuer Teamkollege Kevin Magnussen? Für viele war der 21 Jahre alte Däne mit seinem zweiten Platz in Melbourne die Überraschung beim Saisonauftakt.

          Kevin ist verdammt schnell, er lernt schnell, hört aufmerksam zu und gibt den Ingenieuren ein gutes Feedback. In gewisser Weise erinnert er mich an Lewis (Hamilton). Wenn Kevin keine gravierenden Fehler macht, dann wird er sehr lang Teil der Formel 1 sein. Ob er irgendwann den Titel gewinnt? Das kann niemand sagen.

          Magnussen ist bereits Ihre neunter Teamkollege in der Formel 1. Wie viele Psychospielchen werden hinter den Kulissen gespielt?

          Das ist unterschiedlich. Aber ich bin der Meinung, dass du dich immer nur auf dich selbst konzentrieren darfst, ansonsten bist du schon verloren. Aber das haben nicht alle so gemacht. Es gab Teamkollegen, die haben ihre seine Set-up-Daten für sich behalten haben, so wollten sie mich in die Irre führen. Das ist schlecht für das Team. Denn nur wenn du dein Wissen teilst, kannst du richtig vorankommen und das Auto entwickeln. Rubens (Barrichello) hingegen hat alles geteilt, zwischen uns gab es keine Geheimnisse. Aber dann gab es noch die dritte Sorte: Fahrer, die keinen blassen Schimmer von dem haben, was sie hier eigentlich tun, die nicht wissen, wie sie ein Auto abstimmen sollen – und trotzdem manchmal schneller waren als ich. Das ist dann richtig frustrierend.

          Wie lange wollen Sie noch fahren?

          Ehrlich? Ich habe keine Ahnung. Ganz sicher werde ich aufhören, wenn ich dieses Auto da draußen nicht mehr beherrsche oder keinen Spaß mehr habe. Danach werde ich in eine andere Weltmeisterschaft einsteigen: Triathlon – dort geht es dann nur noch um dich und deinen Körper, und all die Technik spielt keine Rolle mehr.

          Alle Termine und Startzeiten der Formel-1-Saison 2014

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