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Formel 1 : Endlich macht der Pilot den Unterschied

  • -Aktualisiert am

Alonso: „Konkurrenten schlagen, siegen, Spaß haben” Bild: REUTERS

Ob Ferrari oder Renault, ob rot oder blau, ob Bridgestone-Reifen oder Michelin-Pneus, das technische Niveau ist ausgeglichen. „Nuancen werden den Unterschied ausmachen“, sagt Michael Schumacher vor dem Großen Preis von China. Oder eben die Piloten.

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          Jagdszenen im Fahrerlager. Wo ist Schumacher, wie geht es Alonso? Drei Wochen vor dem Ende der Formel-1-Saison hat das Rennen von neuem begonnen. Zwei Pünktchen noch trennen den spanischen Weltmeister von seinem deutschen Verfolger. Also fast gar nichts. Nach zwei Jahren bietet der Zirkus den Fans, was sich 88 Prozent von 93.000 unlängst via Internetumfrage des Internationalen Automobil-Verbandes wünschten: eine Personalisierung der großen Sause, weg von der Maschine, hin zum Menschen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Ob Ferrari oder Renault, ob rot oder blau, ob Bridgestone-Reifen oder Michelin-Pneus, das technische Niveau ist ausgeglichen. "Nuancen", sagte Michael Schumacher vor dem Start des dreiteiligen Finales mit dem Großen Preis von China am Sonntag in Schanghai, "werden den Unterschied ausmachen." Oder eben die Piloten.

          „Diesmal gibt es keine zweite Chance

          Prompt ist die Kampfzone der unermüdlichen technischen Aufrüstung um die psychologische Attacke erweitert worden. Pat Symonds, einst bei Benetton Wegbegleiter Schumachers zu zwei WM-Titeln, legte sich als Chefingenieur von Renault und Alonso-Kenner schon mal fest: Im Drucktopf Formel 1 hält er seinen 25 Jahre alten Piloten für widerstandsfähiger: "Michael hat im Verlauf seiner Karriere mehrmals sein Potential unter Druck nicht zeigen können. Und ich glaube, der Druck ist jetzt, da er nur noch drei Rennen fährt, noch höher für ihn. Bisher hatte er immer die Chance, es im nächsten Jahr noch einmal zu versuchen. Diesmal gibt es keine zweite Chance."

          „Ich freue mich total auf die letzten drei Rennen”
          „Ich freue mich total auf die letzten drei Rennen” : Bild: dpa

          Erster Auftritt im Fahrerlager: Fernando Alonso schlendert dem Journalisten-Pulk entgegen. "Gibt's Fragen?" fragt der fast eingeholte Weltmeister freundlich vor dem vielleicht entscheidenden Grand Prix der Saison. Spitzbart und Schnauzerchen hüpfen unter der dunklen Sonnenbrille rauf und runter, als er munter über den Frust von Monza spricht. Die schwer zu verstehende Rückversetzung in der Startaufstellung wegen angeblichen Blockierens "werde ich nicht vergessen, aber das hat keinen Einfluß auf das Rennen. Ich nehme nichts davon ins Auto mit."

          „Konkurrenten schlagen, siegen, Spaß haben

          Helm auf, Visier runter, Vollgas. Alonso stimmt sich auf die China-Tour mit einem harmonischen Dreiklang ein: "Konkurrenten schlagen, siegen, Spaß haben." Nur auf Nachfrage gerät er leicht ins Schleudern. Wie war das mit dem Angriff auf Schumacher in einem spanischen Radiosender ("unsportlichster Pilot der Formel-1-Geschichte")? "Falsch", sagt Alonso und schimpft über die Medien. Er habe nur gesagt, daß er Zinedine Zidane für den größeren Sportsmann halte. Trat der französische Fußballstar nicht mit einem Kopfstoß während des WM-Finales gegen den Italiener Materazzi von der Bühne ab?

          Zweiter Auftritt im Fahrerlager: Michael Schumacher lehnt sich locker zurück: "Ich glaube nicht, daß ich dazu etwas sagen sollte. Es hat auch keinen Einfluß auf mich." Der Senior unter den Piloten denkt sich seinen Teil und genießt. Nicht unbedingt die Urteile mancher Zeitgenossen, aber die Vollgastour auf der Zielgeraden seines fünfzehn Jahre langen Weges durch die Knochenmühle in einem durch und durch "wettbewerbsfähigen" Boliden: "Ich freue mich total auf die letzten drei Rennen." Schumacher, in bislang fünf WM-Kämpfen auf des Messers Schneide dreimal erfolgreich, lächelt und spricht wie Alonso - druckreif.

          „Wir haben uns herangerobbt“

          Als Renault-Mann Symonds über die Last der Erwartung referierte, orientierte er sich auch am Pulsschlag seines Teams: "Der Druck ist da, man kann ihn nicht verneinen. Wir können uns ab jetzt nicht mehr mit einem zweiten Platz begnügen." In diesem Punkt stimmt Ross Brawn, der Technische Direktor der Scuderia, dem Kollegen zu: "Wenn einer von uns in dieser Phase einen Fehler macht, wird es kritisch." Das ließ sich schon beim Training am Freitag ablesen. Eine Zehntelsekunde lagen Schumacher (5.) und Alonso (6.) beim Reifentest für das Rennen auseinander. Die Formel 1 steht also, falls Ferrari nach dem Motorschaden bei Felipe Massa nicht auch noch Schumachers Antrieb wechseln muß, vor einem Kopf-an-Kopf-Rennen.

          "Fernando hat hier letztes Jahr gewonnen. (...) Schumacher hat in den ersten beiden Grand Prix zwei schlechte Rennen erlebt", stichelte Symonds. Auf keinem anderen Kurs ist die Bilanz des Deutschen schlechter. "Im ersten Jahr hatte ich Pech wegen eines Reifenplatzers, im vergangenen Jahr hatten wir keine Chance", antwortete Ferraris Chefpilot. Zwei Dreher und einen kuriosen Unfall auf dem Weg in die Startaufstellung (2004) erwähnte er zwar nicht. Dafür aber den beflügelnden Schwung der Aufholjagd 2006: "Nach Kanada (25 Punkte Rückstand) waren wir am Tiefpunkt. Aber dann haben wir uns herangerobbt." So nah, daß Symonds Hinweis auf die angeblichen Schwächen des Gegners in der Hausmitteilung wie der Strategiewechsel eines Taktikers wirkt, der seinen Vorsprung durch Technik verloren hat: "Daß wir keine Fehler mehr machen dürfen, vereinfacht die Lage. Unsere einzige Option ist es jetzt, einen aggressiven Kurs zu fahren." Inklusive rhetorischer Störmanöver.

          Schumacher aber hat bislang nicht reagiert. Nur Jie Zhou, Journalistin der Sporttageszeitung "Orientel Sports Daily", gelang es, den Rheinländer aus der Reserve zu locken, mit zwei Sätzen in ein einziges Fragezeichen zu verwandeln: "Michael, uns ist aufgefallen, daß Sie erst gegen elf, zwölf Uhr abends in Ihr Hotel zurückkehren. Gehen Sie immer so spät ins Bett?" Elf, zwölf sei nicht so spät, antwortete Schumacher höflich. Was er dachte, kann nur vermutet werden: Es wird Zeit zu gehen.

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