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Formel 1 : Einzelkämpfer Alonso von seinem Team gebremst?

  • -Aktualisiert am

Fernando Alonsos Stimmung ist nicht die beste Bild: dpa

Im Finale der Formel 1 kämpft Fernando Alonso an vielen Fronten. Der Spanier beklagt sich laut über die seiner Meinung nach schlechte Behandlung durch Renault. Medien in seiner Heimat stützen die provokante These: „Er hat den Feind im eigenen Lager.“

          3 Min.

          Wenn die Formel 1 ein Mannschaftssport ist, dann hat sich Fernando Alonso mit einer Solotour ein schweres Foul gegen sein Team geleistet. Am Sonntag, nach seiner Niederlage gegen Michael Schumacher beim Großen Preis von China in Schanghai, klagte der Mann aus Asturien spanischen Journalisten das harte Los des Einzelkämpfers bei Renault.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Frage: "Glaubst du, daß das Team mehr an den Konstrukteurstitel denkt als an den Fahrertitel?" Antwort: "Da gibt es doch keinen Zweifel, oder? Sie wollten heute den zweiten und dritten (Platz) sichern, sonst nichts." Frage: "Gibt es nicht dicke Luft im Team, wenn der Konstrukteurstitel mehr Gewicht hat als der Fahrertitel?" Antwort: "Bei manchen vielleicht, Aber es sind auch jede Menge Leute glücklich, wenn ich die Nummer eins (des neuen Weltmeisters) nicht zu einem anderen Team mitnehme." Viel mehr brauchte Alonso, der 2007 für Mercedes fährt, nicht zu sagen. Am Montag morgen servierten die Blätter "Marca" und "Sport" fast unisono Renault eine Schlagzeile im doppelten Sinne: "Alonso hat den Feind im eigenen Lager."

          Dicke Luft

          Erst am Donnerstag, vier Tage vor dem Großen Preis von Japan (Siehe auch: Formel 1: Schumacher siegt und liegt nun vor Alonso), wird die Welt wohl erfahren, ob der Weltmeister nach dem Rennen in China nur noch Rot gesehen hat, weil ihm zum falschen Zeitpunkt neue Reifen montiert worden waren. Nicht jeder gedruckte Satz Alonsos, behauptet der Katalane unter Anspielung auf die Phantasie spanischer Medien, entspreche dem gesprochenen Wort.

          Blöde Situation: der Gegner feiert, Alonso selbst steht mit leeren Händen da
          Blöde Situation: der Gegner feiert, Alonso selbst steht mit leeren Händen da : Bild: dpa

          Schon vor seinem Auftritt in Schanghai hatte der 25 Jahre alte Pilot aus Oviedo dementiert, Schumacher als "unfairsten" Piloten der Formel-1-Geschichte bezeichnet zu haben. "Das ist falsch." Allerdings war die Aussage - so wie jetzt die Renault-Schelte - Wort für Wort im Internet publiziert worden; als Abschrift eines Radio-Interviews. Inzwischen verstärkt sich im Fahrerlager der Eindruck, der brillante Pilot sage nicht in jeder Sprache zu einem Thema das gleiche.

          Kein Motivationsschub

          Nicht jeder wird die jüngste Botschaft als Motivationsschub im spannenden WM-Kampf gegen Schumacher verstehen (Siehe auch: Formel 1: „König Schumacher - warum hörst Du auf?“). Denn die Entscheidung am Sonntag, Alonsos Boliden wegen des völlig abgerubbelten linken Vorderreifens in der 22. Runde zwei neue zu montieren, war zwar falsch. Die Taktiker des Teams hätten bei aufmerksamer Beobachtung der Konkurrenten (Honda) die Entwicklung vorhersehen können. Aber was wäre geschehen, wenn sich der abgenutzte Vorderreifen auf dem Weg zum Sieg nach weiteren zwanzig Runden aufgelöst hätte?

          Beim Großen Preis von Ungarn setzte die Fahrgemeinschaft Ferrari/Schumacher auf so ein Risiko - und verlor alles. Nach aussichtslosen Kämpfen gegen die heranfliegenden Hintermänner (de La Rosa im McLaren und Heidfeld im BMW-Sauber) blieb Schumacher wegen der Folgen seiner Vollkontakt-Verteidigung in der letzten Runde liegen. Eine Sicherheitsstrategie hätte ihm wenigstens vier statt einem WM-Punkt und viel Häme eingebracht.

          „Alonso lag daneben“

          Für Schumacher ist öffentliche Kritik an seinem Rennstall sakrosankt. Im Fall von Ungarn aber hätte nicht einmal der Chefpilot das Recht gehabt, mit dem Finger auf die Scuderia zu zeigen. Denn Abweichungen von der vorher abgesprochenen Taktik werden während eines Grand Prix über Funk besprochen. Zwar weiß in der Regel nur das Team, wie gut die Konkurrenz mit anderen Pneus vom gleichen Hersteller auf Wetterumschwünge zurechtkommt. Aber es gibt nur einen, der fühlt, ob die Piste schon reif ist für einen Wechsel der Gummis: der Mann im Cockpit.

          An Renaults Fehler vom Sonntag hat also auch Alonso seinen Anteil, wie Technikdirektor Pat Symonds bestätigte: "Fernando trifft in der Regel gute Entscheidungen. Ich habe vollstes Vertrauen zu ihm, so daß wir meistens seine Forderungen befolgen. Diesmal lag er daneben. Aber wir geben ihm dafür nicht die Schuld."

          Die Liebe zu Renault ist erloschen

          Keine Absprache gab es angeblich mit Alonsos Teamkollegen Giancarlo Fisichella. Der Italiener ließ seinen Chefpiloten als Zweiter hinter Schumacher im Schlußakt (48.) passieren, ohne sich zu wehren. In den folgenden drei Runden unterbot der Römer seine Zeit allerdings um jeweils rund zwei Sekunden. Fisichella hätte also zuvor schneller fahren können. Da eine Teamorder in der Formel 1 verboten ist, verständigt man sich rechtzeitig: "Wir sprechen mit den Fahrern schon vor dem Rennen", sagte Symonds, "was unter gewissen Umständen von ihnen erwartet wird, damit wir uns nicht einmischen müssen." Andernfalls lassen sich Mißverständnisse schnell über die Reduzierung der Motordrehzahlen ausräumen.

          Die Beziehung Alonso-Renault dreht schon länger nicht mehr auf höchsten Touren. Schon im vergangenen Jahr, der WM-Saison, fühlte sich der Jungstar allein gelassen und reif für die "neue Herausforderung" McLaren-Mercedes. Im September bestätigte der Weltmeister dem Fachmagazin "Auto Motor und Sport" die kolportierten Hintergründe: Die Renault-Direktion erweckte demnach den Eindruck, die Formel 1 im Jahr 2007 verlassen zu wollen. "Es schien mir nicht ratsam, für ein Team zu fahren, das nicht alles daransetzt, Weltmeister zu werden."

          Nachdem Alonso vor Jahresfrist von McLaren das erste Angebot erhalten hatte, zog Renault nach: mit der Offerte, den bis Ende 2006 laufenden Vertrag um ein Jährchen zu verlängern. Viel leichter konnte man es McLaren nicht machen, sich die Dienste des besten Fahrers der Zukunft für einige Jahre zu sichern. "Die Liebe zu Renault", sagte Alonso, "war erloschen." Beim neuen Team setzt er auf mehr Ruhe. "Bei Renault gibt es manchmal zuviel Ablenkung." Zum Beispiel durch den Solisten Alonso.

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