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Formel 1 : Einsame Spitze

Der Sonnengott auf Rädern: Sebastian Vettel Bild: AFP

Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel gewinnt weiter. In Abu Dhabi gelingt ihm sein elfter Grand-Prix-Sieg in dieser Saison, sein siebter in Serie. Teamkollege Webber wird mit respektvollem Abstand Zweiter.

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          Dieses Mal reichte ihm ein Wort: „Wahoooooo!“, schrie Sebastian über Funk in die Welt hinaus, als er am Sonntag beim Großen Preis von Abu Dhabi als Erster über die Ziellinie fuhr. Längst war die Nacht über der Rennstrecke hereingebrochen, Böller knallten, bunte Raketen stiegen in den Himmel – und Vettel bewies wieder, dass er noch lange nicht genug hat. Vor einer Woche wurde der Deutsche zum vierten Mal in seiner Karriere Weltmeister in der Formel 1, an diesem Wochenende hat er sich die nächste Bestmarke gesichert. Zum siebten Mal in Serie stand er nach einem Grand Prix ganz oben auf dem Siegerpodest, so eine Dominanz ohne Fehl und Tadel war in der Geschichte dieser Rennserie zuvor nur Michael Schumacher (2004) gelungen. „Ich habe es richtig fliegen lassen“, sagte Vettel nach dem Rennen. Im Ziel trennten ihn rund dreißig Sekunden von seinem Teamkollegen Mark Webber und Mercedes-Pilot Nico Rosberg.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dabei hatte der Champion den Grand Prix mit einer ungewohnten Perspektive begonnen. Als er in der Startaufstellung nach rechts schaute, sah er seinen Teamkollegen Webber schräg vor sich. Der Australier war im Kampf um die Pole Position zum zweiten Mal in dieser Saison schneller gewesen. Doch die Freude des Australiers hielt nicht einmal bis zur ersten Kurve. Als das Rotlicht der Startampeln erlosch, schoss Vettel links und Rosberg rechts an ihm vorbei. Und damit nicht genug: In der dritten Runde klagte Webber auch noch über Probleme mit dem Energie-Rückgewinnungssystem Kers. Vettel hingegen ließ sich durch nichts und niemanden beeindrucken.

          Mit einer für seine Gegner erschreckenden Leichtigkeit zog er an der Spitze auf und davon. Der Hesse bestimmte das Tempo. Erst als ihn der Red-Bull-Kommandostand via Funk aufforderte, es ein wenig langsamer anzugehen, nahm er den Fuß vom Gas. Nach einem Drittel des Rennens trennten Vettel und seine Verfolger rund zwanzig Sekunden. „Seb ist phantastisch“, sagte Webber, nicht gerade ein Busenfreund des Heppenheimers: „Es ist nicht leicht, mit ihm in einem Team zu fahren.“

          Vettel: „Es ist eine Schande, dass Hülkenberg noch kein Cockpit hat“

          Zwei Rennen bleiben ihm noch, dann steigt der Siebenunddreißigjährige aus und wird durch den jungen Toro-Rosso-Fahrer Daniel Ricciardo ersetzt. Ein Fahrerwechsel, aus dem die Rivalen von Red Bull auch mit Blick auf das neue Reglement ihre Hoffnungen für eine Ablösung des Branchenprimus ableiten. Bis zur Ziellinie im letzten Rennen aber kämpfen sie erbittert um den ersten Platz hinter Red Bull. Mercedes (334 Punkte), Ferrari (323) und Lotus (297) liefern sich einen Dreikampf um die zweithöchste WM-Prämie – mit den besten Aussichten für die Silberpfeile. Dieses Mal aber konnte nur Rosberg überzeugen. „Unser Plan war es, die besten vom Rest zu werden“, sagte der Deutsche: „Das ist uns gelungen.“

          Sein Muster: keiner sieht die schwarz-weiß-karierte Flagge so oft als Erster, wie Vettel

          Der Achtundzwanzigjährige behauptete sich zunächst gegen Webber, wurde erst in der 20. Runde vom Australier überholt und hielt danach Romain Grosjean (4./Lotus) auf Abstand. Rosbergs Teamkollege Lewis Hamilton (7.) erlebte hingegen einen Nachmittag voller Probleme. Erst wurde er beim Start von Vettel ausgebremst, dann verschliss er seine Reifen und musste sie so früh wechseln wie kein anderer.

          Räikkönen kam nur bis zur ersten Kurve

          Kimi Räikkönen (Lotus) hatte die Rennstrecke zu diesem Zeitpunkt längst verlassen. Der Finne war nach dem Qualifikationstraining ans Ende des Feldes strafversetzt worden, weil der Unterboden seines Lotus einem Belastungstest nicht standgehalten hatte. Kurz nach dem Start geriet Räikkönen dann mit einem Caterham aneinander. Er musste seinen Rennwagen mit gebrochener Vorderradaufhängung abstellen.

          Trotzdem war er einer der Hauptdarsteller dieses Wochenendes, weil er noch einmal allen in Erinnerung gerufen hatte, wie groß die finanziellen Probleme mancher Teams inzwischen geworden sind. 17 Millionen Euro Gehalt soll Lotus seinem Spitzenfahrer schuldig sein: Deshalb drohte der, bei den letzten beiden Rennen dieses Jahres in den Vereinigten Staaten und Brasilien nicht mehr ins Cockpit zu steigen. Am Sonntag aber hieß es, dass sein Manager eine Lösung für das Problem gefunden habe und Lotus das Geld bald überweisen wolle.

          Heppenheimer Hände: Verewigt im Gips von Abu Dhabi

          Auch Sauber-Fahrer Nico Hülkenberg hat erst einen Teil seines Jahressalärs bekommen. Seit Wochen beeindruckt der Deutsche mit seinen Leistungen, einen Vertrag für die kommenden Saison aber hat er noch nicht unterschrieben, weil die klammen wie verschuldeten Rennställe lieber auf Männer setzen, die einen Sponsor und damit Millionen mitbringen. Geld statt Qualität? „Es ist eine Schande, dass er noch kein Cockpit hat, weil er einer der schnellsten Fahrer im Feld ist“, sagte Vettel über den Fall Hülkenberg: „Ich wünsche ihm alles Gute und dass er auch mal was aufs Konto bekommt.“ In Abu Dhabi richteten die Wünsche des Weltmeisters nichts aus: Weil Hülkenberg nach einem Reifenwechseln in der Boxengassen beinahe mit Sergio Perez (McLaren) kollidiert wäre, wurde er mit einer Durchfahrtstrafe belegt. Die Folge: Platz vierzehn.

          Vettel bekam seinen Landsmann nur ein Mal kurz vor dem Ende des Rennens zu sehen, als er ihn überrundete. Seine Show aber war damit nicht beendet. Auf seiner Auslaufrunde ließ der Sieger seinen Red Bull kreiseln, dass die Gummis qualmten und schwarze Striche auf dem Asphalt zurückblieben. Vor einer Woche war Vettel wegen dieser Kunststückchen in Indien von den Sportkommissaren zu einer Strafe von 25.000 Euro verurteilt worden. Weil Vettel gegen die Sicherheitsregeln verstoßen hatte. Das Urteil nahm ihm aber nicht den Spaß an der Kreiselei: „Die Strafe zahlst du“, sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. „Ja, ja, ja“, antwortete Vettel und zitierte danach seinen Freund Räikkönen mit den Worten: „Ich weiß, was ich tue.“ Ganz sicher. Vettel hat weitere Rekorde im Visier. Gewinnt er auch noch in Austin und Sao Paolo, käme er in diesem Jahr auf dreizehn Siege – auch das ist zuvor nur Schumacher gelungen.

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