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Formel 1 : Eine Hoffnung bleibt: Ferrari verschwitzt das Rennen

  • -Aktualisiert am

Die Formel 1 in Malaysia Bild: dpa/dpaweb

Die zuletzt hoffnungslos unterlegene Konkurrenz von Ferrari wünscht sich ein buchstäblich heißes Duell beim Großen Preis von Malaysia. Nur dann, so die Hoffnung, sei Michael Schumacher näherzukommen.

          3 Min.

          Schweißperlen laufen den Mechanikern über die Stirn. Die frische Teamkleidung klebt schon morgens am Körper. Jeder tropft, selbst im Schatten. Und das an einem ruhigen Tag im Fahrerlager der Formel 1.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Am Mittwoch vor dem Großen Preis von Malaysia ist schon alles aufgebaut für die prominente Fahrgemeinschaft aus Übersee. Im Zeitlupentempo bewegt sich die Vorhut der sausenden Gesellschaft durch das Fahrerlager. Die Sonne brennt. Michelin-Wetter, könnte man meinen. Genauso, wie es sich die Kunden des französischen Reifenherstellers gewünscht haben: Eine schwüle Hitze, daß der Asphalt schmilzt und der Vorsprung von Ferrari am liebsten gleich mit.

          "Die Hitze wird uns entgegenkommen"

          So naturverbunden wie in den vergangenen Tagen hat man die Protagonisten des High-Tech-Sports lange nicht mehr erlebt. Zumindest erweckten alte Fahrensmänner wie der Teamchef von McLaren, Ron Dennis, nach den düpierenden Demonstrationstouren von Ferrari auf kühlem Terrain zum Saisonauftakt in Melbourne den Eindruck, bei der Jagd kurzfristig auf das Wetter angewiesen zu sein. 53 Grad Celsius zeigte das Streckenthermometer 2003 auf der malaysischen Rennstrecke von Sepang an, als Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes gewann. Seine Reifen mochten es die ganze Saison über heiß, während Ferrari auf den Pneus von Bridgestone in der Sommerhitze nur schleppend über die Runden kam. "Die Hitze in Malaysia", behauptete nun Dennis - kaum hatte ein Kühlerschaden Räikkönens Mercedesmotor in Melbourne weichgekocht - "wird uns entgegenkommen."

          Schwitzende Bridgestone-Mitarbeiter lehnen an einem Reifenstapel. Fragt man sie nach der Bedeutung der Pneus in der Formel 1, rattert die PR-Maschine: Grip, Traktion, Beschleunigung, Verzögerung, Kurvengeschwindigkeit, die Rennstrategie, selbst die Wahl der Kurvenlinie steht und fällt mit der Qualität der geheimen Konstruktionen aus Gummi, Stahl und Nylon. "Etwa 50 Prozent unserer Leistungsfähigkeit im vergangenen Jahr", sagt der Renaultpilot Fernando Alonso, "kam von den Reifen." Ein Sprung bei der Entwicklung bewirkt soviel wie alle anderen Fortschritte rund um einen Boliden zusammen: 2003 senkte Michelin die Rundenzeiten im Schnitt um etwa 0,75 Sekunden pro Runde. Weil es oft so heiß war. Deshalb setzen Ferraris Gegner für Sonntag auf die Laune der Natur. Die Sonne möge lachen.

          Maßgeschneiderte Reifen für jeden Kurs

          Nur hat Bridgestone zusammen mit der Scuderia über den Winter alles daran gesetzt, diesmal für jedes Wetter gerüstet zu sein. Noch in der vergangenen Woche schickte Ferrari eigens den Stammpiloten Rubens Barrichello von Australien zurück nach Valencia, um ihn dort acht verschiedene Reifentypen für Malaysia prüfen zu lassen. Mehr als 60 bieten die Hersteller ihren Rennställen im Verlauf einer Saison an. Für jeden einzelnen Streckentyp werden die Pneus maßgeschneidert. Damit sie bei hohen Temperaturen (Malaysia) wie niedrigen (etwa in Imola) genug Haftung bieten, hart genug sind für die brutalen Bremsmanöver oder die hohen Kurventempi auf Hochgeschwindigkeitskursen (Spa-Francorchamps) und weich genug in den "langsamen" Ecken von Monaco.

          Ohne Abstimmung aber nutzt auch der beste Reifen nichts. Ferrari hat bei der Konstruktion des neuen Rennwagens F2004 Schwächen beseitigt, die in der vergangenen Saison die Probleme mit den Reifen verstärkten. So verlagerte Chefkonstrukteur Rory Byrne unter anderem den Schwerpunkt in Richtung Vorderachse. Während sich die Scuderia aber nur ein vorsichtiges Lifting erlaubte, griff Bridgestone radikal ein. Die Vorderreifen sind nun - nach dem Vorbild von Michelin - breiter als zuletzt. Das ist, sagt Bridgestones Technischer Direktor Hisa Saganuma, eine tragfähige Basis für die nächste Überraschung: "Ich weiß genau, daß einige hoffen, wir würden in Malaysia nicht so gut sein wie in Australien", erklärte Rubens Barrichello nach seinem jüngsten Reifentest, "aber ich fürchte, ich werde sie enttäuschen müssen."

          „Ferrari wird drei, vier Rennen vorne sein“

          Im Rückblick auf Melbourne haben die Michelin-Ingenieure rein rechnerisch einen schweren Rückschlag hinnehmen müssen. Lag man zum Saisonstart 2003 noch 0,1 Sekunden pro Runde unter der Ferrari-Zeit, so brauchte Alonso als bester Michelin-Pilot vor zwei Wochen jeweils eine halbe Sekunde länger als Sieger Schumacher. "Von einer Krise" bei den Franzosen spricht deshalb ein Formel-1-Konstrukteur aus der Michelin-Fraktion: "Wegen des Überseeprogramms kann vorerst kaum reagiert werden. Ferrari wird drei, vier Rennen vorne sein." Es sei denn, die klugen Köpfe haben sich verrechnet. "Die Leistungsfähigkeit der Reifen für Malaysia ist schwer vorherzusagen", erklärt Michelins Formel-1-Programmchef Pascal Vasselon: "Wir testen ja nie in Malaysia, sondern nur in Europa, wo die Streckentemperaturen im Winter zehn bis maximal 20 Grad betragen." Ein kleiner Fehler bei der Kalkulation, und die gesamte Hochrechnung ist Makulatur. So wie der Generalverdacht, Bridgestone-Piloten führen bei Regen weiterhin Kreise um ihre Gegner. "Wir haben uns um zwei Sekunden verbessert", behauptet Michelins Sportdirektor Pierre Dupasquier. Nun schwitzen die verantwortlichen Ingenieure bis zur Stunde der Wahrheit. Nicht nur wegen der Hitze. Alles fließt.

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