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Formel 1 : Eine Freundschaft soll bleiben, was sie längst nicht mehr ist

Teure Trennung: Manager Weber und Ralf Schumacher Bild: dpa/dpaweb

Ralf Schumachers Abnabelung von Willi Weber hat eine lange Geschichte. Ihm paßte nie, daß Bruder Michael bei dem Manager die Nummer eins war. Auch Schumachers Frau Cora spielte wohl bei der Trennung eine Rolle.

          3 Min.

          Kann ohne Bruchstelle getrennt werden, was wie verschweißt schien? Ralf Schumacher und Willi Weber gehen in der Formel 1 künftig getrennte Wege. Das klingt so, als würde man einem Auto das Lenkrad abmontieren.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Weber ist schließlich die schillerndste deutsche Managerfigur der Branche. Jener Mann, der in Michael Schumacher investierte, damit das größte Los der Formel-1-Geschichte zog und deshalb selbst in der Szene zu einer gewissen Größe aufstieg. Jener Regensburger, der auch Ralf Schumacher auf dem Weg in die Eliteklasse des Motorsports und zu den großen Geldtöpfen beschleunigte. Jener mitunter halbseiden wirkende Geschäftsmann, der allen juristischen Anklagen und Prozessen bislang trotzte und - grob geschätzt - alle Jahre wieder seine Einnahmen über die Vermarktung der Gebrüder Schumacher steigerte. Und von so einem Glücksritter trennt man sich, noch dazu per Abfindung ein Jahr im voraus?

          „Wir bleiben Freunde

          Wie üblich sprechen die Parteien von einem Abnabelungsprozeß. Schließlich dürfte Ralf Schumacher mit nun 30 Jahren längst reif genug sein, seine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Zudem läuft der Vertrag mit Toyota, wohl weit höher dotiert als die kolportierten 14 Millionen Dollar pro Jahr, noch weitere zwei Jahre bis Ende 2007. So bleibt Zeit, das Geschäft zu lernen und im Fall der Fälle den Rat des ehemaligen Managers zu suchen. Denn auf eines haben sich Schumacher und Weber bei aller Verschwiegenheit in der Trennungsaffäre offiziell geeinigt: „Wir bleiben Freunde.“

          Der Ferrari-Schumacher scheint das Lieblingskind des Managers zu sein
          Der Ferrari-Schumacher scheint das Lieblingskind des Managers zu sein : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Die Frage ist nur, ob bleiben kann, was gar nicht mehr existierte. Von einer dicken Freundschaft kann wohl nicht die Rede sein, zumindest in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr. Hätte Ralf Schumacher dann schon vor zwei Jahren darüber nachgedacht, Weber loszuwerden?

          Damals schon spürte der Rennfahrer das nachlassende Interesse seines Managers, während die Beziehung Webers mit dem großen Bruder reibungslos funktionierte. Der Ferrari-Schumacher scheint das Lieblingskind des Managers zu sein. Ein Superprofi, stets ausgeglichen, absolut berechenbar und schon vor dem Frühstück auf die Formel 1 konzentriert. Manager lieben solch unkomplizierte Klientel. Besonders, wenn sie erfolgreich ist. Da klingelt die Kasse. Das tat sie auch bei Ralf Schumacher.

          Steckt hinter der Trennung eine Frau?

          Am Geld lag es also nicht, daß sich Webers Beziehung zu seinem Zögling Ralf Schumacher zuletzt auf eine rein geschäftliche heruntergekühlt hatte. Beim heiklen Balanceakt Webers zwischen den Schumachers sah Ralf zuletzt angeblich nur noch rot, Ferrari-Rot. Dieses Bild spiegelt einen Teil der Wahrheit. Weber scheint dem siebenmaligen Weltmeister tatsächlich näherzustehen. Das ist erstaunlich, weil er in den jüngeren Schumacher vor allem zu Beginn von dessen Karriere wohl wesentlich mehr Energie steckte als in den Champion. „Manchmal mußte ich ihm eine Ohrfeige geben“, schilderte Weber vor gut zehn Jahren seine Ohnmacht, wenn der freche Bursche aus Kerpen sich eine Respektlosigkeit erlaubt hatte.

          Trotzdem ist aus dem Rheinländer ein respektierter Formel-1-Pilot geworden, mit dessen Vermarktung sich weiter gut verdienen ließe. Und so ist es verwunderlich, warum sich Weber trotz seines Instinktes für die wunderbare Geldvermehrung mehr und mehr ins Lager des großen Schumacher treiben ließ. Insider behaupten, Ralf Schumacher habe ihn letztlich dort hingetrieben.

          Steckt hinter der Trennung eine Frau? Es ist kein Geheimnis, daß Ralf Schumacher seine Gattin Cora bei deren Selbstverwirklichung im Umfeld der Formel 1 in keiner Weise bremst. Die öffentlichen Auftritte der Hobby-Rennfahrerin in Print- und Funkmedien überstrahlten in ihrer Wirkung zuletzt die Medienpräsenz ihres Mannes, immerhin einer der besten zehn Piloten der Formel 1. Diese bisweilen freizügige Inszenierung auf dem Boulevard gefiel Weber nicht. Wegen der Konzentration auf ablenkende Ausschnitte fürchtete er um die Reputation bei den Sponsoren in der konservativen Branche. Seine Versuche, die Ehefrau vom Laufsteg der Formel 1 fernzuhalten, waren anfangs noch halbwegs erfolgreich.

          Mit den Jahren aber verlor Weber, der kein Interesse an einer Vermarktung von Cora Schumacher zeigte, offenbar immer mehr Einfluß. Zuletzt belegten eine zwanzigminütige Homestory bei Sat.1 (und nicht beim Schumacher-Sender RTL!) sowie ein Interview, daß die Schumachers aus Salzburg längst eigene Wege gehen und sich distanzieren. In dem Gespräch mit der „Welt am Sonntag“ griff Cora Schumacher ihre Schwägerin Corinna Schumacher an und stellte darüber hinaus die heile Familienwelt des Ferrari-Stars in Frage. Ein Sakrileg.

          Der letzte Deal der Interessengemeinschaft

          Grobe Fehler hat sich auch Weber geleistet. Als Schumachers Vertrag mit Toyota längst unterzeichnet, aber noch nicht veröffentlicht war, ließ er via „Bild“ im Frühjahr 2004 einen Wechsel zu Renault verkünden. Diese Finte machte auf den ersten Blick keinen Sinn. Es sei denn, der Manager wollte einem Urteil der Öffentlichkeit vorbeugen: Was, wenn der Wechsel Ralf Schumachers vom damaligen Topteam Williams zu einem Rennstall zweiter Wahl allein mit einer Raffzahn-Theorie erklärt werde? Dann wäre auch Weber als Manager in Erklärungsnot geraten, frei nach dem Motto: Vor lauter Dollarzeichen ist er wohl nun doch mit Blindheit geschlagen. So konterkarierte Weber mit anfangs abschätzigen Bemerkungen über das japanische Team die Strategie von Ralf, Toyota als Rennstall mit großer Perspektive zu verkaufen. Sollte da der Eindruck erweckt werden, der Manager sei das Opfer seines geldgierigen Piloten geworden?

          Justitiabel war diese Taktik nicht. Sonst hätte Ralf Schumacher wohl versucht, den Vertrag mit Weber ohne Zahlung einer Abfindung aufzulösen. Davon abgesehen, hat sich der Wechsel zu Toyota gelohnt. Erstens gab's und gibt's viel Geld, und zweitens ist Toyota auch sportlich auf dem Sprung. Der Deal war ein Volltreffer, der letzte der ehemaligen Interessengemeinschaft Schumacher/Weber. Sie ist zerbrochen.

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