https://www.faz.net/-gtl-7rqbh

Formel 1 : Ein Zirkus ohne Führung

Wohin steuert die Formel 1? Bild: dpa

Die Formel 1 verliert Zuschauer, ihr Chef steht vor Gericht, die Teams sind zerstritten, die Regeln kaum zu verstehen. Vor dem Großen Preis in Hockenheim am Sonntag (14 Uhr) wirkt der Zirkus führungslos. Eine Zustandsbeschreibung.

          4 Min.

          Millionenverlust

          Der Fernsehsender RTL hat in diesen Tagen eine Pressemitteilung verschickt. Der Titel: „400 Grand Prix in Folge“. Seit dem Sommer 1991 überträgt der Privatsender die Formel 1, derzeit zahlt er dafür rund 70 Millionen Euro pro Jahr. Doch durchschnittlich schalten in diesem Jahr nur noch rund 4,5 Millionen Zuschauer bei den Rennen ein - im Vorjahr waren es noch rund sechs Millionen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Christoph Becker
          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Wir haben einen großen Abfall im europäischen Kernmarkt, das sieht man über einen langen Zeitraum und nicht nur über einige Monate hinweg“, sagt Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery. Sonntagnachmittag, 14 Uhr (Live bei RTL bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker auf FAZ.NET) - doch viele Fans wollen ihr Leben nicht mehr nach diesem Termin ausrichten. Auch die Hockenheim-Ring GmbH hat darunter zu leiden. Etwa 45 000 Karten wurden für den Großen Preis von Deutschland bisher verkauft, erst bei 50 000 Fans gibt es keinen Verlust.

          Kopflos

          Kann man so ein Unternehmen führen? Bernie Ecclestone, der Chefmanager der Formel 1, erscheint pro Woche zweimal vor Gericht in München, um sich gegen den Vorwurf der Bestechung zu wehren. Ob er verurteilt wird, ist nicht sicher. Aber eine Wahrheit gibt es doch: Bernie, inzwischen 83, erzählt, jedes Problem sei mit Geld zu regeln. Extrazahlungen an Teams wie Ferrari haben die Einheit der Rennställe immer wieder gesprengt und jede Opposition ausgebremst.

          Kein ADAC-Übungsplatz: Nico Rosberg nach seinem Sieg in Monte Carlo

          Ecclestones Beweglichkeit aber führte zum Stillstand bei der Vermarktung der Formel 1. Er hat in Übersee gute Preise erzielt bei der Vermietung seines Fahrerfeldes an Potentaten und Diktatoren. In Werbung aber, etwa in den Vereinigten Staaten, investiert der Brite nie angemessen, ganz zu schweigen von einer Strategie für die Nutzung neuer Medien. Die Formel 1 fährt an den jungen Menschen vorbei. Sie braucht einen neuen Kopf.

          Selbstverstümmelung

          „Es geht ein paar Teams nicht so gut, den Caterhams und Marussias. Natürlich können wir uns nicht sicher sein, dass sie immer da sein werden“, sagt Toto Wolff, der Motorsportchef von Mercedes. Wolff meint: Teams, die hinterherfahren, denen das Geld ausgeht. Ganz ohne finanzielle Sorgen sind nur noch Mercedes, Red Bull und Ferrari. Doch das ist nur ein Teil des Problems: Längst fühlen sich jene Teams ausgegrenzt, die nicht Teil der Strategiegruppe sind.

          In dieser entscheiden Red Bull, Ferrari, Mercedes, McLaren, Williams und Lotus alle maßgeblichen Veränderungen - etwa, ob es künftig Kundenteams geben soll, denen das Vorjahres-chassis zur Verfügung gestellt wird, oder ob ein drittes Auto eingesetzt werden soll. Dann würden die großen Teams, die unverhältnismäßig mehr Geld von Ecclestone bekommen, Marussia und Caterham, aber auch Sauber und Force India nicht mehr brauchen. Wolff sagt: „Wir sind mitverantwortlich dafür, dass diese kleineren Teams am Leben gehalten werden.“ Noch.

          Regelwust

          Die Idee klang so gut: Eine elektrischere Formel 1. Eine grünere Formel 1. Eine modernere Formel 1. Seit dieser Saison soll das neue Reglement diesen Eindruck erwecken. Denn der Formel 1 haftete der Ruf des Rummelplatzes für Ewiggestrige an, sie war stets nur dann gut für das Image, wenn Siege gefeiert werden konnten. Jetzt, so hofften die Marketingstrategen, könnte der ökologische Wert der Formel 1 für den Massenmarkt mitverkauft werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Keine Länderspiele, kein DFB-Pokal – keine Einnahmen: Auch der reichste Verband muss da neu rechnen.

          Geldnot beim DFB? : Das Füllhorn versiegt

          Der Deutsche Fußball-Bund durfte stets aus dem Vollen schöpfen, aber die Corona-Krise könnte den Verband schwer treffen. Eine Baustelle belastet den Haushalt besonders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.