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Formel 1 : Ein Zirkus ohne Führung

Aber wer versteht die Akronyme, mit denen Ingenieure um sich werfen? MGU-K und MGU-H sind zwei kleine Elektromotoren, ERS speichert die Energie, FRIC ist eine Hydraulik, die Vorder- und Hinterradaufhängung verbindet. Und die Piloten? Müssen Sprit sparen und die Reifen schonen. Der frühere Formel-1-Pilot Alessandro Zanardi sagt: „Grüner Motorsport funktioniert, wenn er rein elektrisch ist. Aber die Formel 1 hat ein Problem. Die Leute wollen in der Formel 1 die schnellsten Fahrer in den schnellsten Autos sehen, mit den breitesten Reifen. Sie wollen nicht zusätzliche Elektromotoren.“

Hektische Reaktionen

Bleiben die Zuschauer weg, dann schnellt die Drehzahl der Formel 1 in die Höhe. Was tun gegen den Dollar-Verlust? Ferrari-Chef Luca di Montezemolo hat dieser Tage eine Krisensitzung angekündigt. Dabei suchen die Kommissionen doch längst. Nämlich fieberhaft an einem neuen Sound, nachdem die Megafon-Versuche von Mercedes zur Wiederentdeckung des seit Jahresanfang verstummten Urgebrülls keinen überzeugenden Krach produzierten.

Der Schrei nach kleinen Turbomotörchen hat der Formel 1 die mächtige Stimme verschlagen. Ob die Fans deshalb mehr und mehr weghören und -sehen? Man glaubt das Gekreische bei RTL zu hören: Haltet den gemeinen Zuschauer bei Laune! Vor dem Rennen in Silverstone rollte ein promovierter Reporter im Dixiklo über eine Wiese vor der Rennstrecke - und durchs Programm.

PR-Desaster

„Ich habe gleich gesagt, dass es so kommen würde - die neue Formel 1 ist eine absolute Farce.“ Das sagte wer? Ja, der Chefvermarkter, Ecclestone. Der viermalige Champion Sebastian Vettel urteilte: „Es wäre schön, wenn man wieder mehr den Motor hört und nicht das Reifenquietschen. Wir sind doch hier nicht auf einem ADAC-Übungsplatz.“ Und Ferraris Präsident Montezemolo höhnte: „Die Formel 1 hat keinen Charme mehr, wir müssen dringend etwas tun. Rennfahrer sind doch keine Taxifahrer.“

Glaubt, jedes Problem mit Geld regeln zu können: Bernie Ecclestone

Sind sie nicht, wie man in Silverstone vor zwei Wochen sehen konnte, als Vettel und Ferrari-Star Fernando Alonso Rad an Rad durch die Kurven schossen: Jubel auf den Tribünen, Applaus von den Experten. Die Rennfahrer der heutigen Generation sind Computer-Kids, die nicht nur ihre Boliden beherrschen, sondern nebenbei auch noch mit dem Kommandostand diskutieren und alle relevanten Parameter im Auto unter Kontrolle haben. „Wir müssen aufhören, unseren Sport schlechtzureden“, sagt Mercedes-Mann Wolff: „Wir haben bisher eine spannende Saison mit spektakulären Rennen.“

„Wat wollen Se?“

Auf die Kernfrage von Weltmeister Mertesacker würden die meisten Teamchefs so antworten: Erfolg auf der Strecke. Allerdings reicht der Blick nicht über die eigene Box hinaus. Sonst würde das Duell Hamilton und Rosberg als glückliche Fügung verstanden und als Werbung für einen Sport in der Krise genutzt werden. Der eine impulsiv, der andere kühl kalkulierend im identischen Auto auf Augenhöhe: Lange nicht mehr war die Dramaturgie eines Duells so unabhängig von der Maschine, stand der Mensch im Cockpit so im Vordergrund. Vier Punkte trennen die beiden zur Halbzeit der Saison. Spannender kann es kaum sein. Aber die Formel 1 bringt ihre Kraft nicht auf die Straße.

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