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Formel 1 : Ein pikantes Duell

Was macht die Jagd nach Erfolg aus den beiden Teamkollegen? Lewis Hamilton und Nico Rosberg Bild: AP

Alte Bekannte und neue Rivalen: Die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg kämpfen um den Formel-1-Titel. Demonstrieren sie ihre Kompromisslosigkeit auch bald gegeneinander? Womöglich schon beim Rennen an diesem Sonntag (Start: 17 Uhr MESZ) in Bahrein.

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          Es klingt beinahe so, als wolle Lewis Hamilton etwas richtig stellen: „Ich kann meine Freunde an einer Hand abzählen, und ich bin mir sicher, dass Nico das auch kann. Er gehört nicht zu meinen fünf – und ich nicht zu seinen“, sagt der Brite. „Der Rest ist egal. Wir sind hier, um zu gewinnen, um Rennen zu fahren. Und wir haben großen Respekt voreinander. Das ist alles, was wir brauchen.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Lewis Hamilton gegen Nico Rosberg: Längst ist dies nicht mehr nur das Duell um den Nummer-eins-Status bei Mercedes, es ist derzeit der Hauptkampf um die Weltmeisterschaft in der Formel 1. Dabei geht es nicht nur um den begehrtesten Pokal der Szene, sondern auch darum, was die Jagd nach dem Erfolg aus Menschen macht, die sich seit rund fünfzehn Jahren kennen. Denn jeder der beiden kämpft um die Chance seines Lebens.

          Der Große Preis von Bahrein an diesem Sonntag (Start: 17 Uhr MESZ, Liveticker bei FAZ.NET) ist erst das dritte Rennen der Saison, die Überlegenheit der Silberpfeile aber hatte sich schon bei den Testfahrten abgezeichnet und setzte sich auch in Australien und Malaysia fort. Zum dritten Mal steht in dieser Saison ein Mercedes auf der Pole Position, zum ersten Mal setzte sich Rosberg dabei gegen seinen britischen Rivalen aus dem eigenen Rennstall durch. Rosberg (43 Punkte) führt hingegen in der Gesamtwertung vor Hamilton (25).

          Ferrari, Red Bull und McLaren sind noch lange nicht abgehängt, aber mindestens bis zum Europaauftakt in Barcelona in fünf Wochen dürfte keiner der Gegner an einen Sieg aus eigener Kraft glauben. „Mercedes macht einen verdammt guten Job. Wir müssen schon sehr große Schritte machen, da sie ziemlich weit weg sind“, räumt selbst der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) ein.

          Sieger beim Rennen in Australien: Nico Rosberg Bilderstrecke

          Rückblick, Ende der neunziger Jahre: Zusammen mit ihren Vätern reisen Hamilton und Rosberg quer durch Europa, beide zählen damals zu den größten Talenten im Kartsport. Tagsüber kämpfen sie auf der Strecke gegeneinander, abends schlafen sie oft im selben Hotel: der Bursche aus Stevenage in England, der lange in einer Sozialwohnung lebte und dessen Vater das teure Hobby seines Sohnes nur mit mehreren Jobs gleichzeitig finanzieren kann. Und der Junge aus dem Fürstentum Monaco, dessen Vater Keke 1982 Formel-1-Weltmeister geworden ist und der hineingeboren wurde in ein Leben ohne Nöte. Heute wohnen Hamilton und Rosberg im gleichen Appartementhaus in Monaco, nach einem Grand Prix reisen sie manchmal im selben Privatflugzeug zurück. Und als der Brite einmal nichts mehr in seinem Kühlschrank hatte, machte ihm die Freundin von Rosberg ein paar Bio-Frikadellen.

          All das ist Vergangenheit. „Für uns als Team ist es am coolsten, wenn wir beide zusammen vorne Vollgas attackieren. Das will mein Team sehen“, sagt Rosberg. „Die wollen sehen, dass wir uns duellieren, dass wir Show machen.“ 1955 fuhr ein Silberpfeil zum bis dato letzten Mal zum Titel in der Formel 1, damals saß Juan Manuel Fangio am Steuer. Nun wird nach einem PS-Helden der Neuzeit gesucht, nach einem Mann, der Teil wird der langen Mercedes-Erfolgsgeschichte in der Formel 1. Seit etwas mehr als vier Jahren strebt Rosberg danach. Der Achtundzwanzigjährige ist seit dem Wiedereinstieg der Stern-Marke als Werksteam im Jahre 2010 Teil des Rennstalls – nur seine Rolle war anders, als er sich dies vorgestellt hatte. Rosberg wollte das Gesicht von Mercedes werden, doch erst stahl ihm Rekordweltmeister Michael Schumacher die Show, und seit 2013 muss er sich gegen einen der schnellsten Männer überhaupt beweisen: Hamilton.

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