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Formel 1 : Egozentriker, Intriganten und Heuchler

Der Angeklagte: Michael Schumacher Bild: dpa

Im Kreuzzug für und wider Michael Schumacher gelang den Hauptdarstellern der Formel 1 eine perfekte Selbstenthüllung. Dabei gab es Betrugsversuche, Manipulationen und Unterstellungen schon immer. Die Ereignisse von Monaco werfen viele Fragen auf.

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          Aufruhr in der Formel 1? Vom "Schwein" schreibt die "Bild"-Zeitung, vom "Lügner". Der Manager Willi Weber ereifert sich über das "Skandalurteil". Der französische Filmregisseur Luc Besson fordert in einem offenen Leserbrief die Verbeugung vor der Lebensleistung: "Danke Michael, für alles, was du für uns getan hast! Und bitte, ändere dich nicht."

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Alle sind empört. Viele, weil der erfolgreichste Rennfahrer der Formel-1-Geschichte beim Zeittraining von Monaco vor gut einer Woche seinen Ferrari nach einem Fahrfehler blockierend in der engen Rascasse-Kurve parkte, so daß die Hintermänner keine Chance mehr hatte, ihre Rundenzeiten zu verbessern. Wenige, weil der siebenmalige Weltmeister zur Strafe von der Pole-position ans Ende der Startaufstellung versetzt wurde. Gemein ist allen verbissenen Frontkämpfern eines: Jeder glaubt im Kreuzzug für und wider Schumacher die Wahrheit zu vertreten. Dabei ist nur eines sicher: Am Samstag von Monaco ist der Formel 1 eine perfekte Selbstenthüllung gelungen. Die Branche stellte am Beispiel der Affäre Schumacher ihr Sittengemälde vor, ein Gruppenbild mit Egozentrikern, Intriganten und Heuchlern.

          Großer Sport - heute lacht man

          Einen "Drecksack" hat der Altmeister Keke Rosberg den Weltstar aus Kerpen genannt und mit Blick auf das Allerheiligste des Sports Schumacher den Rückzug nahegelegt (Siehe auch: Rosberg: „Er ist ein Drecksack“): Wenn doch der Champion den Sport "mit Füßen tritt". Sieh an. Rosberg hat mit der Reife die Moral gepackt; jenen cleveren Formel-1-Weltmeister, der bei einem Tourenwagenrennen den Sieg einer Frau vor seiner Nase, Ellen Lohr (24. Mai 1992), kaum verkraftete. Beim unmittelbar anschließenden zweiten Lauf nahm Rosberg die Lohr mit ins Kiesbett und grinste. Sicher war das keine Absicht. Sowenig wie die treue Teamorder-Pflichterfüllung als Mercedes-Pilot. Rosberg ließ 1993 Klaus Ludwig für einen Sieg demonstrativ passieren. Großer Sport. Heute lacht man.

          Der Chefankläger: Flavio Briatore
          Der Chefankläger: Flavio Briatore : Bild: picture-alliance/ dpa

          Auch Flavio Briatore kann inzwischen wieder schmunzeln. Die "Märchenstunde" von Monaco ist vorbei, "abgehakt", sagt der Teamchef von Renault. Der Betrugsversuch ist vergessen. Welcher eigentlich? Gute Frage. Im Formel-1-Leben des Moralisten F. B. gibt es jedenfalls mehrere ungeklärte Vorfälle. 1994 entdeckte der Internationale Automobil-Verband ein Computerprogramm beim damaligen Schumacher-Rennstall Benetton, mit dem die verbotene aktive Radaufhängung hätte gesteuert werden können. Das ist etwa so, als ob man in der Sporttasche eines Sprinters eine Spritze mit Wachstumshormon finden würde. Irgendwie verdächtig. Aber Teamchef Briatore widersprach damals: Niemals sei die Software angewendet worden. Es sei zu teuer gewesen, das 1993 noch erlaubte Programm zu löschen. Nein, das ist kein Märchen.

          Ohne Rücksicht - dafür mit Absicht

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