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Formel 1 : Die Stunde des Timo Glock

  • -Aktualisiert am

Endlich angekommen: Timo Glock Bild: ddp

Bei seinem Formel-1-Debüt 2004 fuhr Timo Glock gleich in die Punkteränge. Doch so gut ging es nicht weiter. Erst nach einem Umweg über die Vereinigten Staaten ist der Pilot aus dem Odenwald am vorläufigen Ziel: Er startet als Stammfahrer für Toyota.

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          Es war ein langer Weg, und er hatte viele Umleitungen. Timo Glock ist in der Formel 1 angekommen. Am Donnerstag stellte sein Arbeitgeber Toyota das neue Dienstauto in der Fabrik am Südrand von Köln vor. Für Timo Glock war es ein ganz neues Gefühl, obwohl er schon seit 2000 Autorennen fährt und von seiner Zeit als BMW-Testfahrer auch große Formel- 1-Premieren kennt. „Es ist schon etwas anderes, wenn du weißt, dass du Stammfahrer bist und nicht mehr nur Testpilot.“

          Glock zählt zu den Rennfahrern, denen das Schicksal viele Hürden aufgebaut hat, bevor sie das ganz große Ziel erreichen. Und es gab Momente, da war es unendlich weit weg. „2006 in Monte Carlo war so ein Augenblick. Da dachte ich, das war’s. Ich hatte in der GP2-Serie beim falschen Team unterschrieben. Wenn mich mein Manager da nicht rausgeholt und zum iSport-Team transferiert hätte, würde ich heute vielleicht nicht im Toyota sitzen.“

          Zwei WM-Punkte gleich zum Debüt

          Zu Beginn verlief die Karriere des 25-jährigen Hessen noch nach Plan: Formel BMW, Formel 3, Formel 1. Beim Grand-Prix-Debüt in Montreal 2004 wurde Glock mit seinem Jordan gleich mit zwei WM-Punkten belohnt, dank der Disqualifikation beider Williams und beider Toyota zwar, aber wer fragt da heute noch danach? Nach vier Einsätzen holte ihn die raue Formel-Realität ein. Jordan brauchte Geld. Der englische Rennstall heuerte zwei zahlende Fahrer mit dicker Brieftasche an. Glock konnte nicht mitbieten. Er versuchte sein Glück bei den ChampCars, dem amerikanischen Pendant der Formel 1. Dort landen normalerweise die Fahrer, die in Europa nichts mehr finden. Für die meisten wird der Weg in die Vereinigten Staaten zur Sackgasse.

          Die große Enthüllungsshow bei Toyota

          Glock blickt ohne Bedauern zurück. Der Abstecher habe ihn härter gemacht, er habe dort gelernt, sich durchzusetzen. Als ChampCar-Starpilot Paul Tracy dem Neuling aus Deutschland zeigen wollte, wem in seinem Revier die Vorfahrt gehört, rempelte Glock zurück. Danach war er akzeptiert. Von seinen Erfahrungen in Amerika könne er heute noch profitieren, sagt Glock. „Die Rennen sind sehr lang dort, es gibt viele Safety-Car-Phasen. Du bist gezwungen, taktisch zu fahren.“

          Der Umstieg ins iSport-Team rettete ihn

          Weil trotz eines Beinahe-Sieges in Montreal in Europa keiner Notiz von Glocks gutem Einstand bei den ChampCars nahm, zog der gelernte Gerüstbauer seine letzte Trumpfkarte. Im Rahmenprogramm der Formel 1 hatte sich inzwischen die GP2-Serie als ultimative Talentshow etabliert. Wer in der Königsklasse landen will, muss dort fahren. Obwohl mit Einheitsautos gefahren wird, gibt es Unterschiede. Das Team bestimmt den Erfolg. Glock griff mit dem spanischen BCN-Rennstall daneben.

          Der Umstieg ins iSport-Team rettete ihn. Danach sammelte nur Meister Lewis Hamilton mehr Punkte. Im zweiten Anlauf wurde Glock 2007 Meister der wichtigsten Nachwuchsserie im Motorsport. Toyota hatte schon vorher Interesse gezeigt und ihm im Sommer einen Vertrag in Aussicht gestellt. Wie hoch Glock geschätzt wird, zeigt der Streit, der dann zwischen seinem Noch-Arbeitgeber BMW und Toyota entbrannte. BMW wollte eine Option ziehen und Glock als Testfahrer einsetzen, Toyota pochte auf seinem bereits abgeschlossenen Dreijahresvertrag. Man traf sich in Genf vor dem Schiedsgericht für Vertragsfragen. Für Glock gab es keine Frage, wie er sich entscheiden sollte: „Zwei Tage nach dem Saisonauftakt in Melbourne werde ich 26. Ich kann nicht länger warten, sonst bin ich als Einsteiger für den Job zu alt.“

          „Timo gehört zu den sehr guten“

          Mit Glock weht bei Toyota ein frischer Wind. Der zweitgrößte Automobilhersteller der Welt fuhr in den vergangenen drei Jahren mit dem Veteranenduo Ralf Schumacher und Jarno Trulli. „Da spielt sich alles ein, und irgendwann kommen keine neuen Ideen mehr“, sagt ein Ingenieur. Glock, so die Beobachter beim ersten Test in Jerez, habe ganz andere Denkansätze, von denen wiederum auch die Ingenieure profitieren. Toyota-Berater Frank Dernie, ein alter Hase im Geschäft, urteilte: „Man kann gute von sehr guten Rennfahrern an den Fragen unterscheiden, die sie den Ingenieuren stellen. Timo gehört zu den sehr guten.“

          Der drahtige Odenwälder, der in den letzten zwei Wochen einen Intensiv-Fitnesskurs in der Sportklinik Bad Nauheim absolviert hat, will in seinem ersten Jahr regelmäßig in die Punkteränge fahren, vorausgesetzt, der neue Toyota TF108 lässt es zu.

          Toyota steht in der Formel 1 noch nicht für Erfolg

          Toyota präsentierte in Köln ein völlig neues Konzept, das sich vom Vorgängermodell mehr unterscheidet, als das bei den Branchenführern Ferrari und McLaren Anfang der Woche zu sehen war. „Wir waren 2007 mit unserem Konzept zu konservativ“, gibt Chefingenieur Dieter Gass zu. Die Quittung: 13 Punkte, nur Platz sechs in der Konstrukteurs-WM, und der war wegen des Ausschlusses von McLaren-Mercedes noch geschönt.

          Toyota erwartet von Glock, dass er mindestens auf dem Niveau von Jarno Trulli fährt. Das wird zumindest im Training nicht einfach. „Jarno ist ein verdammt guter Qualifizierer.“ Den Italiener treibt der Ehrgeiz. Er will zeigen, dass er mehr ist als nur eine Notlösung. Toyota verhandelte lange mit Fernando Alonso und Heikki Kovalainen. Beide sagten ab. Der Name Toyota steht in der Formel 1 noch nicht für Erfolg. „Das zu ändern“, sagt Glock ganz unbescheiden, „ist meine Aufgabe.“

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