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Formel 1 : Die Sehnsucht nach dem Teutonen

  • -Aktualisiert am

Schnell, jung, eloquent und vorzeigbar: Nico Rosberg ist erster Kandidat für McLaren Bild: dpa

McLaren-Mercedes sucht nach einem deutschen Fahrer. Aussichtsreichster Kandidat für das Cockpit ist Nico Rosberg. Trotzdem scheint die Anziehungskraft nachgelassen zu haben. Das halbe Fahrerlager spricht vom Risiko, im Reich des Weltmeisters Lewis Hamilton auf passiven Widerstand zu treffen.

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          Sie haben alles erlebt: Siege am laufenden Band, WM-Titel, absurde Verurteilungen, technische Desaster und glänzende Comebacks. Nur eines fehlt McLaren-Mercedes: ein Deutscher im Cockpit. Seit 1995 kreisen die Stuttgarter mit dem britischen Team in der Formel 1, gewannen fast alles, was es zu gewinnen gibt. Aber nie einen Piloten aus der Heimat. Entweder traute das Team nicht dem Tempo des deutschen Kandidaten oder der Vertragsabschluss scheiterte an Eitelkeiten der Manager Ron Dennis (McLaren) und Willi Weber. Sonst hätte sich Michael Schumachers kometenhafter Aufstieg Ende 1999 wohl in eine Sternfahrt verwandelt.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Gut zehn Jahre nach dieser deutsch-deutschen Annäherung, fast zwei nach dem Versuch, Sebastian Vettel oder Nico Rosberg zur Nachfolge von Fernando Alonso zu bewegen, bietet sich die nächste Chance: „Ein Deutscher ist nicht zwingend notwendig“, sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug, „aber das würde uns sicher noch einen weiteren Schub geben.“

          Die Gelegenheit ist günstig. Mit dem Rückzug von BMW-Sauber als deutschem Team mit einem deutschen Fahrer (Nick Heidfeld) rückt die Konkurrenz aus dem Ländle noch mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Zudem ist der Einfluss von Mercedes im Rennstall spürbar gestiegen. McLaren wird es angesichts der schweren Zeiten kaum wagen, erfüllbare Wünsche des Anteileigners (40 Prozent) und Sponsors zu ignorieren. Der erstbeste Kandidat mit deutschem Pass ist schnell, jung, in vier Sprachen eloquent und vorzeigbar. Haug macht keinen Hehl aus seinem anhaltenden Interesse an Nico Rosberg: „Was Nico im Williams in letzter Zeit geleistet hat, war erstklassig.“

          In Valencia bei der Arbeit, von Williams bearbeitet: Das englische Team will Nico Rosberg halten
          In Valencia bei der Arbeit, von Williams bearbeitet: Das englische Team will Nico Rosberg halten : Bild: AFP

          Heikki Kovalainen hat die Hoffnungen seiner Vorgesetzten nicht erfüllt. McLaren ließ die Optionsfrist auf den Stammpiloten Ende Juli ungerührt verstreichen. Nun fährt der Teamkollege von Lewis Hamilton unter Bewährung, wie Geschäftsführer Martin Whitmarsh andeutete. Frei übersetzt heißt das: Der Finne darf bleiben – falls sich nichts Besseres findet. Diese Methode ist zwar durchaus üblich, aber für so ein etabliertes, weitsichtiges Team wie McLaren-Mercedes ungewöhnlich.

          Rosberg nutzte jede gute Aussicht auf Punkte

          Rosberg scheint zu grübeln. Im Fahrerlager von Valencia weicht er konkreten Fragen aus: „Ich habe verschiedene Möglichkeiten, ich bin ganz glücklich damit.“ Mit der Qual der Wahl? Seit dem Grand Prix in Spanien landete der 24 Jahre alte Sohn des früheren Weltmeisters Keke Rosberg stets unter den ersten sechs, fuhr zuletzt auch von schlechteren Startplätzen regelmäßig nach vorn und nutzte – im Gegensatz zu 2008 – jede gute Aussicht auf Punkte. Als Fünfter der Fahrerwertung (22,5) scheint er zwar außer Reichweite von Sebastian Vettel (47), aber der ist auch für McLaren-Mercedes vorerst nicht mehr zu greifen. Am Freitag gab Red Bull die Vertragsverlängerung mit dem 22 Jahre alten Hessen bis 2011 bekannt.

          Der Spielraum für eine deutsche Lösung bei McLaren-Mercedes ist geschrumpft. Denn Nick Heidfeld und Adrian Sutil stehen – bei allem Respekt – nicht auf der Wunschliste, während Timo Glock zwar als Alternative betrachtet wird, aber Toyota bis Ende 2010 vertraglich verpflichtet ist. Rosberg hält die besten Karten im deutschen Quartett in Händen. Williams bearbeitet ihn zu bleiben – McLaren-Mercedes lockt. Trotzdem scheint die Anziehungskraft nachgelassen zu haben. Das halbe Fahrerlager spricht von der gewaltigen Hausmacht Hamiltons bei McLaren, vom Risiko, im Reich des Weltmeisters auf passiven Widerstand zu treffen. Ein Fahrermanager winkt ab: „Jeder Pilot hält sich doch für den besten. Also muss man hingehen und das ändern, wenn es denn so ist.“ Die Tür steht offen: „Es muss von den Deutschen“, sagt Haug, „nur mal einer ja sagen.“

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