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Formel 1 : Der "Vulkan" trifft auf den "Eisberg"

Umsteiger: Juan Pablo Montoya im neuen Fahrzeug Bild: AP

Montoya bei McLaren-Mercedes. Eine Neuigkeit mitten im rennfreien Herbst ist das nicht, nur die Bestätigung, was viele schon im Sommer wußten: Der südamerikanische Formel-1-Rennfahrer wird BMW-Williams verlassen und 2005 bei der Konkurrenz ins Cockpit steigen.

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          Montoya bei McLaren-Mercedes. Eine Neuigkeit mitten im rennfreien Herbst ist das nicht, nur die Bestätigung, was viele schon im Sommer wußten: Der südamerikanische Formel-1-Rennfahrer wird BMW-Williams verlassen und 2005 bei der Konkurrenz ins Cockpit steigen. Damit hat McLaren-Mercedes auf lange Sicht wenigstens teilweise eine vielversprechende Personalpolitik durchgesetzt. Kimi Räikkönen und Montoya zählen zu den besten Piloten der Branche. Deshalb hätte die Teamleitung die Verpflichtung Montoyas am liebsten vordatiert auf 2004. Aber BMW-Williams entließ den Teamkollegen von Ralf Schumacher nicht vorzeitig aus dem Vertrag.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Interessant sind die möglichen Konsequenzen dieses so ungewöhnlich früh veröffentlichten Wechsels. Es ist schließlich kein Zufall, daß Rennfahrer und ihre Manager in der Regel im Frühjahr vor einem Stallwechsel in Verhandlungen treten und meistens erst im Spätsommer, wenn die Saison fast gelaufen ist, den Vollzug für das nächste Jahr veröffentlichen. Montoyas Planung führt nun zu einer spannenden Konstellation: Er will unbedingt mit einem Team Weltmeister 2004 werden, dessen Mechaniker und Ingenieure nun schwarz auf weiß haben, daß sich ihr schneller, aber keineswegs über alle Zweifel erhabener Pilot schon was Besseres ausgesucht hat. Aus seiner Sicht.

          Zweifellos wird sich BMW-Williams aus eigenem Interesse am Gewinn der Konstrukteursmeisterschaft hüten, den Mann absichtlich zu bremsen. Aber kann Teamchef Frank Williams verhindern, daß sich in den Hinterköpfen seiner Mitarbeiter der Gedanke einnistet, lieber den verweilenden Ralf Schumacher als den scheidenden Montoya siegen zu sehen? Das Klima hatte sich schon vor den ersten Spekulationen verändert. Montoya, wegen seiner spektakulären Überholmanöver, seines kompromiß- bis respektlosen Fahrstils und der betont lässigen Art zunächst der Darling im Stall, verlor im Verlauf der vergangenen Saison ein paar Bewunderer in seinem Arbeitsumfeld.

          Vor allem, als er während der erfolgreichen Phase von Ralf Schumacher im Sommer alles andere als cool reagierte. Weil er sich schließlich beim Grand Prix in Frankreich wegen eines Strategiewechsels zugunsten seines Kollegen um den Sieg betrogen fühlte, warf er seinen Vorgesetzten via Boxenfunk unflätige Ausdrücke an den Kopf. Montoya, der bei Williams deutlich weniger verdient als Ralf Schumacher, fühlte sich nicht genügend gewürdigt und zog daraus die Konsequenzen. Anders ist der Wechsel kaum zu erklären. Warum sollte jemand einen Rennstall verlassen wollen, dessen Leistungprognose mindestens genauso gut ist wie die der Konkurrenz?

          Vermutlich lockte McLaren auch mit einem größeren Gehalt. Man könnte es auch als Risikozulage bezeichnen. Denn Montoya muß sich eingewöhnen sowie einem Gegner vom ersten Moment an Paroli bieten, der 2005 schon drei Jahre McLaren-Mercedes hinter sich und die Karriere dennoch vor sich hat. Der dann gerade 25 Jahre alte Kimi Räikkönen schert sich nicht um große Namen. Wenn der kühle Finne auf den impulsiven Kolumbianer trifft, der "Eisberg" an den "Vulkan" gerät, wird sich niemand auch nur den kleinsten Schaltfehler leisten können. Ein Mißgeschick, das Montoya beim Schlüsselrennen um den WM-Titel in Monza entscheidend bremste. Kurz nach dem Start, beim Herausbeschleunigen aus der Schikane, scheiterte der BMW-Pilot bei dem Versuch, im zweiten Gang an Michael Schumacher vorbeizuziehen. Mit dem ersten hätte es funktioniert.

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