https://www.faz.net/-gtl-abhdu

Formel 1 in Spanien : Der Trend des Jahres kommt aus Barcelona

  • -Aktualisiert am

Verstappen kommt nicht gut über die Runden: Im Training nur Neunter. Bild: AFP

Große Prüfung für die Formel-1-Rennställe vor dem Rennen in Barcelona: Wer auf diesem Kurs gut über die Runden kommt, wird auf allen Strecken schnell sein. Red Bull war es im Training überraschend nicht.

          3 Min.

          Max Verstappen nur Neunter? Wenn auf der Rennstrecke von Barcelona der Trend des Jahres in der Formel 1 erkannt werden soll, dann hätte Red Bull auf den ersten Blick ein Problem. Auf dem „Circuit de Catalunya“ galt der Rennstall bis zum ersten Training für den Großen Preis von Spanien am Sonntag (15.00 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 und bei Sky) als Favorit. Alle Daten sprachen dafür: Weil dem Dienstwagen des Niederländers der schwungvolle Wechsel von Tal- und Bergfahrt, von „langsamen“ und „schnellen“ Kurven liegt.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Traktion erlaubt es dem Chefpiloten, auf Speed zu bleiben in den winkeligen Ecken. Auf dass der Rausch im Rhythmus bleibt. Weil ihn der erstarkte Honda-Antrieb über die gut 1000 Meter lange Zielgerade mit  rund 320 Kilometer pro Stunde treibt, zieht selbst die schärfste Konkurrenz die Augenbraue hoch: „Sie haben ein Auto“, sagt Lewis Hamilton, „mit dem man die WM gewinnen kann.“ Aber nicht zwingend wird.

          In der Fahrerwertung führt der siebenmalige Weltmeister mit acht Punkten vor Verstappen. Am Freitag ließ er dem Rivalen um 0,6 Sekunden über eine Sprintrunde hinter sich bei der Simulation des Qualifyings. Auch Ferrari mit Leclerc (3.), die beiden Alpine (Esteban Ocon und Fernando Alonso), selbst die jungen Fahrer von Alpha Tauri und der zweite Ferrari mit Carlos Sainz am Steuer kamen besser über die Runde. Was ist da los beim Herausforderer?

          Formel 1

          Weder Verstappen noch die Konkurrenz wollten diesen augenscheinlichen Rückfall der Stunde überbewerten. Dem Niederländer war es nicht gelungen, eine Runde in die Reihe zu bekommen, seine persönlichen Sektor-Bestzeiten in einem Rutsch aneinander zu reihen. Den letzten Versuch brach Verstappen nach einem Fehler ab. „Ich war ein bisschen weit draußen. Es gibt nichts, was mir Sorgen macht.“

          Für eine über Nacht vorübergehende Schwäche spricht die Nähe zum Teamkollegen Sergio Perez, der als Zehnter nur 0,133 Sekunden mehr brauchte als der Chefpilot von Red Bull. In der Regel ist Verstappen deutlich schneller als der Nebenmann. Gegen eine herausragende Straßenlage des Rennwagens in Barcelona spricht die Distanz des Mexikaners zur Spitze. Und die Analyse des Dauerlaufs am Freitagnachmittag. Auch bei der Probe des Grand Prix mit gefüllten Tanks drehte Hamilton die schnellsten Runden.

          Barcelona ist eine Art Trendsetter

          Red Bull war als Favorit gelandet, auf „eigenem“ Terrain, wie Freund und Feind vorhersagten. Denn beflügelt von den Ideen des Chefdesigners Arian Newey hält die Aerodynamik den Rennwagen auch in den kurvigen Vollgas-Passagen in der Spur. Das ist die Spezialität des Engländers. Newey steht vor einem interessanten Jahr. Erstmals seit 2013 soll ihm ein großer Wurf gelungen sein mit kleinen Veränderungen.

          Der Strecke vor den Toren von Barcelona dient dabei als letzte, große Prüfung: Wer auf diesem abwechslungsreichen Kurs, der einen Formel-1-Boliden in allen Kategorien prüft, vorne liegt, wird auf jeder anderen Piste gewinnen können. Was diese Auszeichnung so wertvoll macht, wird mit einem Blick auf den Kalender deutlich: Nach dem Großen Preis von Spanien stehen noch 19 Grand Prix im Programm. Barcelona ist eine Art Trendsetter.

          Was das für Sebastian Vettel bedeutet? Im Aston Martin war er als Elfter schneller als sein Teamkollege und zeigte sich zuversichtlich mit Blick auf das Startplatzrennen: „Ein bisschen wird noch was gehen.“ Aber selbst mit dem neuen Unterboden gelang dem Hessen kein Sprung unter die ersten Zehn: „Es muss alles zusammenpassen, um in den dritten Durchgang zu kommen“, sagte Vettel. Da die ersten 15 von 20 Fahrern innerhalb einer Sekunde lagen, werden Kleinigkeiten über Wohl und Wehe entscheiden. Mick Schumacher bleibt im Haas das Los des Fahrers erhalten, der in einem hoffnungslos langsamen Auto nur an Konkurrenten anderer Rennställe vorbei findet, wenn die sich Fehler erlauben.

          Von Missgeschicken Verstappens im ersten und dritten Rennen hatte Hamilton mehr oder weniger profitiert. „Auf die Fehler anderer werden wir uns nicht verlassen“, sagte er in Barcelona. Tags drauf präsentierte sich das Weltmeisterteam wieder in starker Form. Die Kraft im Heck, der Mercedesantrieb ist nach wie vor der stärkste Antrieb, trotzt dem unsichtbaren Widerstands, dem teils gewaltigen Gegenwind. Aber der griffige Asphalt, das schnelle Aufheizen auf 40 Grad Celsius, falls die Sonne länger durch die Wolkenlücke schaut, macht das Weltmeisterteam angreifbar. Weil die Hinterreifen des Silberpfeils die Hitze schneller auf nehmen. Das ist hilfreich auf kalten und glatten Pisten. Aber in Barcelona droht eine Überhitzung.

          Formel 1

          Deshalb machten sich die Streckenforscher auf ihrem Weg besondere Gedanken, studierten in der leicht veränderten Kurve zehn den neuen, dunklen Asphalt und rapportierten. Damit die Abstimmung (Setup) des Autos passt. „Wir hatten Bedenken, dass es an der Hinterachse zu Überhitzungsproblemen kommen könnte. Aber das scheint unter Kontrolle zu sein, selbst unter den wärmeren Temperaturen“, sagte Chefingenieur Andrew Shovlin und relativierte den Rückstand von Verstappen: „Es war schwer heute mit dem Verkehr, die Runde ist kurz und es sieht so aus, als ob Red Bull davon mehr betroffen war als wir. Deshalb nehmen wir an, dass ihr Tempo sehr nah dran sein wird und wir noch mehr nachlegen müssen.“

          Bis zum Samstagmittag. Denn „wer im Qualifying keine gute Balance hat im Auto“, sagt Vettel, „der hat ein Problem. Die Startposition ist hier sehr wichtig.“ Die  Rennen auf dem Kurs von Katalonien haben,  geschieht nichts unvorhergesehenes, Prozessions-Charakter. 22 der 30 Rennen gewannen die Sieger des Startplatzrennens. Überholmanöver sind eher selten. Gab  es viele, dann meistens in den ersten Runden, wenn sich Fahrer in der Hektik des Starts Fehler leisten. Oder wenn die Laune der Natur der Formel 1 auf die Sprünge hilft: Regen ist in solchen Fällen ein Segen. Am Sonntag soll er kommen.

          Formel 1
          Liveticker

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          
              Will eine Impfpflicht einführen: Olaf Scholz kommt zum Bund-Länder-Treffen im Bundeskanzleramt an

          Corona-Politik : SPD und Union gehen getrennte Wege

          Noch regiert die große Koalition. Bei den Verhandlungen über neue Corona-Maßnahmen zeigen beide Partner den Willen zu einer allgemeinen Impfpflicht. Doch es wird auch klar, dass sie sich in Kürze trennen.
          Besonders schwere Fälle können nicht mehr verlegt werden, weil der Transport aufwändig ist.

          Patienten-Transporte : „Die Leute können nicht mehr“

          Erst half Deutschland seinen Nachbarländern – nun ist das Gegenteil der Fall: Corona-Patienten müssen ins Ausland verlegt werden. Nicht nur Bayern will auf internationale Hilfe setzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.