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Formel 1 : Der richtige und der falsche Kimi

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Der richtige und der falsche Kimi: Räikkönen bleibt unberechenbar Bild: REUTERS

Als kleiner Junge hat Kimi Räikkönen eine Zeitlang überhaupt nicht gesprochen. Damals hat sich seine Familie Räikkönen große Sorgen um ihn gemacht. Nun macht sich Ferrari Sorgen um den finnischen Weltmeister - weil er mittendrin ist im kollektiven Versagen des Rennstalls.

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          Er redet nicht viel, und als kleiner Junge hat er eine Zeitlang sogar überhaupt nicht gesprochen. Damals hat sich die Familie Räikkönen aus Espoo in Finnland große Sorgen um ihren kleinen Kimi gemacht, der die Dinge um ihn herum manchmal einfach nur geschehen ließ und sie beinahe schon mit einer beängstigenden Apathie zur Kenntnis nahm. Es schien, als sei ihm die Welt ganz und gar gleichgültig. Vielleicht, weil er glaubte, manches einfach nicht beeinflussen zu können.

          Es hat sich nicht viel verändert seitdem, nur die Rolle von Kimi Räikkönen ist eine andere geworden. Aus dem kleinen Jungen aus der skandinavischen Provinz wurde einer der Hauptdarsteller in der Glamourwelt Formel 1. Einst beeindruckender Aufsteiger, dann wundersamer Weltmeister und nun mittendrin im kollektiven Versagen von Ferrari - Räikkönen hätte einiges zu erzählen. Wenn er denn wollte.

          38 Punkte Rückstand auf Jenson Button

          Nach fünf Rennen und lediglich drei Punkten beträgt der Rückstand des Neunundzwanzigjährigen auf Jenson Button, den Führenden im WM-Klassement, schon 38 Zähler. Dass der sportliche Alltag bei seinem Teamkameraden Felipe Massa derzeit genauso trist erscheint, wird für Räikkönen nur ein schwacher Trost sein. Er will gewinnen, trägt diesen unbedingten Willen in sich, den sie in Finnland mit dem wunderschönen Begriff „Sisu“ bezeichnen: die mentale Fähigkeit, sich aus scheinbar aussichtslosen Situationen zu befreien. Der Glaube ist da, Räikkönen behauptet noch immer: „Ich bin stark genug, um noch einmal Weltmeister zu werden.“

          „Ich bin stark genug, um noch einmal Weltmeister zu werden”: 2007 feierte Räikkönen den Titelgewinn mit dem damaligen Ferrari-Teamchef Jean Todt (l.)

          Das ist sein Anspruch. Der Maßstab, der für ihn vor allem seit 2007 gilt, als der Finne, für viele überraschend, Weltmeister wurde. Es war seine erste Saison beim italienischen Rennstall, es war das Jahr eins nach der Ära Schumacher und zugleich der Beginn einer verheißungsvollen Zukunft, die für beide Seiten letztlich mehr versprach, als wirklich passiert ist.

          Spekulationen über Lustlosigkeit

          Denn auf den Rausch des Titels folgten schon im vergangenen Jahr technische Probleme bei Ferrari und ungewohnte Schwächen vor allem im Qualifying bei Räikkönen. Massa löste ihn als Nummer eins im Team ab und kämpfte bis zur letzten Runde des letzten Rennens gegen Lewis Hamilton um den Titel - und verlor. Räikkönen aber hatte schon vor der finalen Entscheidung einiges eingebüßt von seinem Status.

          Öffentlich wurden Spekulationen um die wachsende Lustlosigkeit des stoischen Schweigers laut, es gab Gerüchte, dass der ehemalige Weltmeister zurücktreten könnte. Vor allem, weil er selbst einräumte, dass seine Motivation offenbar mehr und mehr nachließ: „Wenn es keinen Spaß mehr macht, dann höre ich auf. Das kann Ende nächsten Jahres sein.“

          Kommt Alonso von Renault?

          Erst die vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2010 sorgte wieder für Ruhe, und im Dezember des vergangenen Jahres versuchte Luca di Montezemolo schließlich die Entwicklung ins Negative zu erklären: „Der richtige Kimi ist für uns nur einen Teil dieser Saison gefahren“, sagte der Präsident von Ferrari. „Danach hat er einen Freund geschickt, weil er selbst zu beschäftigt war. Das war auch ein guter Fahrer, aber nicht derjenige, der bei uns Weltmeister wurde.“ Aber dieser Kimi Räikkönen ist bis heute noch nicht zur Scuderia zurückgekehrt.

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