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Formel 1 : Der ideale Red-Bull-Pilot Ricciardo

Der Mann mit dem breiten Grinsen: Daniel Ricciardo Bild: dpa

Mundwinkel nach oben: Der Australier Daniel Ricciardo hat gute Chancen, Vettels Teamkollege zu werden - trotz Kimi Räikkönen und Fernando Alonso.

          3 Min.

          Daniel Ricciardo war 18, als die E-Mail kam. Als er Red Bull das erste Mal zeigen sollte, was er kann. 2007 war der junge Australier sein erstes ganzes Jahr in Europa unterwegs, wie Hunderte junger Rennfahrer: von Circuit zu Circuit, auf der Jagd nach dem Durchbruch, der Chance zum Aufstieg. Wie die aussehen könnte? Ricciardo hatte davon damals die gleiche Vorstellung wie die meisten Konkurrenten: Er würde sie erkennen, wenn sie sich bietet. Hoffentlich. Dann war die Mail im Postfach. Das war die Chance: Red Bull.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          „Sie schrieben: ,Uns ist aufgefallen, dass Du gut warst dieses Jahr. Wir wollen Dich testen. Komm nach Estoril.’“ Bis 1996 fand auf dem Circuito do Estoril der Große Preis von Portugal statt. Heute ist Estoril eine jener Rennstrecken, die vom Radar der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden sind, auf der sich aber Rennfahrerschicksale entscheiden können, lange bevor Nachwuchspiloten überhaupt in die Nähe der Formel 1 kommen.

          Demnächst in einem Team? Ricciardo würde der Platz neben Vettel gefallen
          Demnächst in einem Team? Ricciardo würde der Platz neben Vettel gefallen : Bild: dpa

          Ende 2007 soll Ricciardo hier dem Red Bull Junior Team zeigen, was er kann. Er war nicht der Einzige, den Red Bull eingeladen hatte. „Uns war klar, dass sie nur den Schnellsten von uns in ihr Programm aufnehmen würden. Wir hatten jeder fünf Runden. Rein ins Auto, fünf Runden, das war’s. Ich bin mir sicher: Mehr Druck werde ich in meiner Karriere nie wieder haben. Make or break.“

          Es packen oder daran zerbrechen, darum sei es damals gegangen, sagt Ricciardo fünfeinhalb Jahre später, als er im Sommer 2013 im Motorhome des Toro-Rosso-Rennstalls sitzt, am Hungaroring beim Großen Preis von Ungarn. „Hätte mich der Druck geknackt, hätte ich im folgenden Jahr vielleicht keine Rennen mehr fahren können.“ Ricciardo war der Schnellste, er packt es. Seit jenem Tag in Estoril, seit der Aufnahme ins Red-Bull-Nachwuchsprogramm, geht es aufwärts für ihn.

          Schon 2010 ist er Testfahrer bei Toro Rosso, 2011 Stammpilot bei HRT, 2012 zurück bei Toro Rosso, nun als Stammpilot. Und deshalb soll er, nunmehr 24, Red Bull im Sommer 2013 wieder zeigen, was er kann. Es gilt, das begehrteste Cockpit im Fahrerlager neu zu besetzen: Sebastian Vettels Teamkollege Mark Webber wird 2014 nicht mehr in der Formel 1 starten.

          Als Webbers Abschied Ende Juni bekannt wird, gelten schnell drei Piloten als Favoriten auf den Platz neben dem Weltmeister aus Deutschland: Der Lotus-Pilot Kimi Räikkönen, Weltmeister von 2007, und die beiden Fahrer des Red-Bull-Schwesterteams Toro Rosso, der Franzose Jean-Eric Vergne und Ricciardo. Für die beiden Nachwuchspiloten werden die Rennen in Silverstone, auf dem Nürburgring und in Ungarn zu Bewerbungsfahrten. Ricciardo macht den besseren, reiferen, schnelleren Eindruck als Vergne. Der Franzose sagt bald: „Ich wünsche mir, dass Daniel das Cockpit bekommt.“

          Schlechtes Wetter, gute Laune: Ricciardo im Juni in Kanada
          Schlechtes Wetter, gute Laune: Ricciardo im Juni in Kanada : Bild: dpa

          Als der Internationale Automobil-Verband Fia zwischen den Rennen in Deutschland und Ungarn dreitägige Reifen-Testfahrten in Silverstone ansetzt, bekommt Ricciardo die Chance, das Auto des Weltmeisters Probe zu fahren. Auf einer der ersten Runden fliegt er ab in den Kies. Der Test verläuft trotzdem überzeugend: Seine beste Runde ist drei Zehntel langsamer als die Bestzeit Vettels, der am nächsten Tag fährt. Da unterschiedliche Reifenmischungen getestet werden, lassen sich die Zeiten nur begrenzt vergleichen, aber drei Zehntel - damit kann Ricciardo gut leben.

          Gleichzeitig stärkt Red Bull den Anschein eines öffentlichen Bewerbungsverfahrens. Auf der Facebook-Seite des Teams können User abstimmen, welchen Fahrer sie 2014 neben Vettel sehen wollen. Räikkönen, der das Image des finnischen Enigmas inzwischen kultiviert und zum beliebtesten Formel-1-Piloten vieler Fans geworden ist, bekommt mehr Stimmen als Ricciardo und Vergne zusammen.

          Und doch ist Ricciardo in vielerlei Hinsicht der ideale Red-Bull-Pilot: Selten läuft er ohne breites Grinsen durchs Fahrerlager. „Wir Australier sind meistens freundliche Menschen, damit wachsen wir auf. Außerdem ist Formel-1-Pilot ein Traumjob. Wenn mich der nicht glücklich macht, dann gibt’s im Leben wahrscheinlich nicht viel, was mich glücklich machen würde.“ Er passt perfekt in die PR-Welt, mit der Dietrich Mateschitz seine Getränkedosen vermarkten lässt: junge Menschen, gut drauf, bei wilden Stunts an exotischen Orten. Erst die Marke, dann der Name.

          Auch Ferrari soll sich wieder für Räikkönen interessieren

          Ricciardo, geboren in Perth an der australischen Westküste, mag vielen kein Begriff sein, aber einstweilen wäre das nicht so wichtig - er ist schnell, und unter der Mütze mit dem Werbeschriftzug zeigen die Mundwinkel nach oben.

          Bis zum Rennen in Spa will Red Bull entscheiden, wer den Platz neben Vettel bekommen soll. Teamchef Christian Horner soll für Räikkönen sein, für den sich wohl auch Ferrari interessiert. Motorsportdirektor Helmut Marko soll Ricciardo bevorzugen. Der Österreicher führt Red Bulls Juniorteam. Die Entscheidung, die Mateschitz trifft, wird zum Signal an Horner und Marko - egal, wie sie ausfällt. „Wenn sie Daniel nehmen, freut mich das. Es wäre eine Auszeichnung für unser Team und unsere Arbeit“, sagt Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost in Ungarn. Er klingt, als habe sich Mateschitz bereits entschieden.

          „Ich will so schnell wie möglich Erfolge“, sagt Ricciardo, „damit ich nicht mehr Formel 1 fahren muss, wenn ich graue Haare bekomme. Wenn mich Red Bull nicht nimmt, gibt es vielleicht ein anderes Team, das sich für mich interessiert. Ich bin mir sicher, dass ich noch mehr Angebote bekomme.“ Das ist der entscheidende Unterschied zu jenem Tag in Estoril im Winter vor fünfeinhalb Jahren.

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