https://www.faz.net/-gtl-oivn

Formel 1 : Der Gockel und der Playboy sind die besten Freunde

  • -Aktualisiert am

Zeit für einen Wechsel? Ralf Schumacher mit Willi Weber Bild: dpa

Hinter den Kulissen der Formel 1 befeuern die schillerndsten Figuren der Agenten-Gilde die Wechselgerüchte um Ralf Schumacher: sein Manager Willi Weber und Flavio Briatore, Teamchef bei Renault.

          3 Min.

          Ralf Schumacher zu Renault! "Wir sind uns mit Flavio Briatore weitgehend einig." Das hat Willi Weber nie gesagt. Sagt er. In Wirklichkeit hat es der Manager der Formel-1-Gebrüder doch gesagt, nur nicht so gemeint. Bei dem unverblümten Hinweis hat er an die Wirkung eines gestreuten Gerüchtes ohne Quellenangabe gedacht, das ihm im Pokerspiel um die Zukunft des Formel-1-Piloten vielleicht hätte helfen können. So aber verpuffte die Meldung der "Bildzeitung" am nächsten Tag mit dem eilig von Weber formulierten Dementi. Der Adressat dieser mißlungenen Taktik kann ruhig bleiben. Ralf Schumachers Teamchef Frank Williams muß vorerst nicht den Abschied des Rheinländers befürchten.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          In der Falschmeldung steckt trotzdem eine Geschichte: Willi Weber und Renault-Teamchef Flavio Briatore sind Freunde! "Seit vielen Jahren." Das hat Willi Weber am Donnerstag in Malaysia nicht dementiert, sondern beteuert. "Wir haben viele Gemeinsamkeiten." Und wirklich: Beide sind braungebrannt. Doch der 62jährige Stuttgarter wirkt neben dem Plyboy Briatore geradezu straff: Er sieht bedeutend jünger aus als er ist, ist geschniegelt wie eh und je, aber auffallend gestärkt vom täglichen Fitneßtraining, das er sich seit Weihnachten auferlegt. Weber denkt seit einem Warnsignal aus seinem Innersten nicht mehr nur ans Geld. Das kann man von Flavio Briatore nicht unbedingt behaupten. Seine Stimme klingt nach Lungenzügen und einem anstrengenden Nachtleben.

          Die schillerndsten Figuren der Agenten-Gilde

          Nun wollen sie also Freunde sein. Das ist deshalb eine wunderbare Nachricht, weil es in der Formel 1 ja angeblich keine Freunde geben soll. Schließlich will einer dem anderen ständig etwas wegnehmen. Fahrer luchsen sich gegenseitig Siege und Punkte, Manager die besten Piloten ab. Daß nun die beiden schillerndsten Figuren der Agenten-Gilde die Köpfe zusammenstecken wie dicke Kumpels - selbstredend will auch Briatore die Nähe zu seinem deutschen Kollegen nicht missen - zeugt von Größe. Oder aber einer gehörigen Portion Vergeßlichkeit. Hatten sich die beiden einst nicht die fürchterlichsten Niederlagen zugefügt? "Man ist schon mal anderer Meinung", sagte Weber drei Tage vor dem Großen Preis von Malaysia am Sonntag, "aber das gehört dazu in diesem Spiel."

          Was geschah, als Schumacher für Benetton (1991 bis 1995) unter Briatores Leitung fuhr, scheint Weber verdrängt zu haben. Etwa das fast formatfüllende Bild von einem kunterbunten, aufgeblasenen Gockel, dem die Benetton-Presseabteilung in ihrer Renn-Vorschau den Kopf des Managers aufsetzte. Oder Briatorens Versuch, Weber abzusetzen: Als der "Spiegel" damals auf den Spuren des jungen W. den ehemaligen Gastronomen in eine Milieustory verpackte, sah Briatore als Teamchef von Michael Schumachers Rennstall Benetton nur noch Rotlicht. Auf einer Pressekonferenz in Frankfurt erklärte er, fortan selbst Sprecher des kommenden Formel-1-Stars aus dem Rheinland zu sein. Weber saß derweil draußen in der Lobby - wie ausgesperrt.

          Warum gegeneinander kämpfen, wenn man zusammen weiterkommt?

          Doch Mister Zwanzigprozent hat dank Schumachers Loyalität weiter etwas zu sagen. Weil Weber Briatore einen Vertragsverstoß bewies, konnte Schumacher zur Saison 1996 bei Ferrari einsteigen. Entgegen der Absprache hatte ein Teamkollege des Weltmeisters, der Italiener Riccardo Patrese, bei Benetton ein höheres Gehalt erhalten als der um Längen überlegene Deutsche. Mit dem Abschied Schumachers begann der Abstieg des Rennstalls. Briatore mußte den Dienst in der Formel 1 für die Familie Benetton quittieren. Mit der Übernahme des Rennstalls durch Renault kehrte er allerdings zurück und scheint wieder auf dem Sprung: mit einem guten Auto und einem potentiellen Schumacher-Nachfolger unter seinen Fittichen, dem Spanier Fernando Alonso. Warum also jetzt noch gegeneinander kämpfen, wenn man zusammen noch ein Stückchen weiterkommt?

          So ein Schumacher-Renault-Gerücht - unter Freunden gesponnen - hätte beider Interessen dienen können. Briatore ist bekannt dafür, daß er dem jeweils langsameren Piloten in seinem Team (zur Zeit Jarno Trulli) gerne mit ein bißchen Druck auf die Sprünge hilft. Weber möchte dem Wunsch seines Klienten dienen: "Ralf will bald wissen, wohin es geht." Nicht zu Renault, nicht zu Ferrari, nicht zu McLaren, sagt Weber nun: "Die sind alle zu. Wir wollen am liebsten bleiben." Und dafür, beteuert der Manager, habe Ralf alles getan. Nämlich auf fast die Hälfte seines Gehaltes verzichtet, was nach allgemeiner Schätzung 2004 rund zwölf Millionen Dollar betragen soll.

          „So was habe ich noch nicht erlebt“

          Die sechs von Williams gekürzten Millionen wollte Ralf Schumacher über Erfolgsprämien wieder einfahren: "Der Vertrag war unterschriftsreif. Aber dann hat Williams nach Weihnachten zurückgezogen." Und Manager wie Fahrer düpiert. Ralf sprach von einer "menschlichen Enttäuschung", Weber von einem unüblichen Verhalten "eines ehrenwerten Geschäftspartners". "So was habe ich noch nicht erlebt. Er hat den Poker wohl von neuem begonnen." Mit einem besseren Blatt in der Hand als beim letzten Mal.

          Damals kokettierte Schumacher mit einem Wechsel zu McLaren-Mercedes. Williams ließ sich beeindrucken und griff tief in die Tasche. Hohe Fahrergehälter aber schmerzen Sir Frank. Nun läßt er sich die Ausgaben indirekt zurückzahlen. Dem ersten Gehaltskürzungsvorschlag um 50 Prozent folgte nun - wie es heißt - eine weitere um abermals die Hälfte. Angeblich will Williams mit dem Viertellohn plus höherer Erfolgsprämien die "schwankenden Leistungen" (Williams-Anteilseigner Patrick Head) des Deutschen stabilisieren und teilweise die Mittelkürzung von BMW (von 2005 an) abfangen. Weber reizt die Verlängerung des "Spiels, das ich beherrsche". Nur hat ihm sein Freund Briatore den ersten Trumpf aus der Hand geschlagen. Kaum kursierte die Renault-Variante in den Medien, hatte Weber den alarmierten Italiener am Hörer. Prompt gab Weber zu, was er sich ausgedacht hatte: "Alles frei erfunden."

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel im Anschluss an einen EU-Gipfel im Juli dieses Jahres.

          EU-Aufbaufonds : Ungarn und Polen drohen leer auszugehen

          Die EU-Kommission bereitet nach F.A.Z.-Informationen in Absprache mit den anderen Ländern vor, den Aufbaufonds ohne Polen und Ungarn in Kraft zu setzen. Sie hat mehrere Möglichkeiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.