https://www.faz.net/-gtl-9fvuj

WM-Kampf der Formel 1 : „Vielleicht war Vettel verzweifelt“

  • Aktualisiert am

„Das Wichtigste ist aber, dass ich grundsätzlich nichts Dummes probiert und etwas versucht habe, das nicht klappen könnte“: Sebastian Vettel. Bild: EPA

Im Kampf um den WM-Titel in der Formel 1 baute Sebastian Vettel einige Unfälle. Nun verteidigt der Ferrari-Pilot seine missglückten Manöver. Auch Lewis Hamilton hat etwas zu sagen.

          Sebastian Vettel findet Kritik an seinen missglückten Überholmanövern der vergangenen Wochen „fair“, der 31 Jahre alte Hesse verteidigte seine Aktionen aber auch. Es sei ja offensichtlich, dass etwas nicht richtig gelaufen sei, räumte der Ferrari-Pilot am Donnerstag im Fahrerlager des Großen Preises von Mexiko (Start am Sonntag um 20.10 Uhr MEZ im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 und bei RTL) ein. „Das Wichtigste ist aber, dass ich grundsätzlich nichts Dummes probiert und etwas versucht habe, das nicht klappen könnte“, betonte Vettel.

          In Monza war der gebürtige Heppenheimer mit seinem WM-Widersacher Lewis Hamilton im Formel-1-Mercedes kollidiert, in Suzuka war es Max Verstappen von Red Bull und in Austin am vergangenen Sonntag dessen Teamkollege Daniel Ricciardo. Immer drehte sich Vettel anschließend und fiel im Feld weit zurück. Mit Sicherheit habe es die ein oder andere Situation gegeben, in der es angesichts des großen Rückstands auf Hamilton im WM-Klassement an der Zeit gewesen sei, etwas zu riskieren, erklärte Vettel in Mexiko-Stadt. Dort kann das WM-Duell gegen Hamilton am Sonntag wie schon vor einem Jahr entschieden werden.

          „Er ist ein großer Gegner gewesen in diesem Jahr. Ich habe es sehr genossen, gegen ihn zu fahren“, sagte ein äußerst ausgeglichen und entspannt wirkender Hamilton am Donnerstag in der Mercedes-Teamunterkunft. „Ich hoffe, dass wir noch viele Jahre auf dem Toplevel gegeneinander fahren.“ Vettel muss auf dem Autódromo Hermanos Rodríguez gewinnen, was ihm bisher noch nicht gelang. Hamilton darf dann nicht besser als Achter werden, dann ist die vorzeitige Krönung erstmal verschoben. Der Brite hat vor dem drittletzten Saisonrennen einen Vorsprung von 70 Punkten.

          Formel 1

          Hamilton nutzte auch die Gelegenheit, seine Aussage nach dem amerikanischen Rennen in den richtigen Zusammenhang zu rücken. Er hatte dort mit Blick auf das eigene Rennen und ein Duell mit Verstappen kurz vor Schluss gesagt, dass man mit dummen Fehlern keine Meisterschaften gewinne. „Das hatte null mit Seb zu tun“, betonte Hamilton.

          Auch andere Kollegen reagierten eher zurückhaltend auf Vettels Fehler. „Manchmal passiert es. Das ist Teil des Geschäfts“, kommentierte Vettels Ferrari-Teamkollege Kimi Räikkönen die Misere seines deutschen Mitstreiters. Schwer zu beurteilen sei es von außen, meinte Sergio Perez vom Team Racing Point Force India. Darauf angesprochen bei der offiziellen Pressekonferenz, meinte der Mexikaner allerdings auch: „Vielleicht war er verzweifelt und wollte mehr, als er erreichen konnte. Er hat aber ein großes Team, er wird zurückkommen.“ Eine Abwärtsspirale fürchtet Vettel nicht. „Die Unsicherheit war nicht und ist nicht da“, sagte er. „Ich habe nun auch keine Angst vor dem nächsten Überholmanöver. Dass es in die Hose ging, lag ja nicht daran, dass ich etwas probiert habe, was nicht von dieser Welt war.“

          Der ehemalige Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg nahm den kriselnden Vettel unterdessen mit deutlichen Worten in die Pflicht. „Seit der Sommerpause ist es so einseitig geworden, das ist unglaublich. Es sah so aus, als würde Vettel den Titel holen, und nun ist es genau andersrum“, sagte Rosberg im Formel-1-Podcast „Beyond The Grid“ über Vettels Duell mit Hamilton: „Das ist das Ergebnis von Fehlern. So schlägst du Lewis nie, weil Lewis keine Fehler macht.“ Vettel liegt bei noch drei zu fahrenden Rennen 70 Punkte hinter dem britischen Mercedes-Piloten Hamilton – und er wartet seit seinem Sieg in Spa Ende August auch aufgrund vieler eigener Fehler auf einen weiteren Erfolg. Ganz anders Hamilton, der vier der darauffolgenden fünf Rennen gewonnen hat und am Wochenende in Mexiko seinen fünften WM-Titel holen kann.

          „Mir fällt es ein wenig schwer, das alles zu verstehen, denn wir sprechen hier von einem viermaligen Weltmeister. Manchmal will er in einem Moment zu viel und denkt nicht langfristig genug“, sagte Rosberg. Der Schlüssel zum Erfolg sei „Konstanz“ – und Vettel und sein Team hätten „exakt das Gegenteil abgeliefert. In den vergangenen Wochen ging es für Ferrari und ihn wild auf und ab.“ Rosberg, der 2016 Weltmeister wurde und sich dabei im teaminternen Duell gegen Hamilton durchsetzte, mangelt es Vettel auch an Einsicht. „Er ist manchmal ein bisschen zu selbstbewusst und akzeptiert nicht, wenn jemand anders einen besseren Job  gemacht hat", meinte er: „Aber in solch einem Moment musst du zurückstecken und dir eingestehen, dass die Kurve dem Anderen gehört, du musst dir sagen – dann packe ich ihn halt ein wenig später.“

          Weitere Themen

          Kubica verlässt Williams am Saisonende

          Formel 1 : Kubica verlässt Williams am Saisonende

          Robert Kubica galt einst als kommender Formel-1-Weltmeister. Dann verletzte er sich bei einem Rallye-Unfall schwer. Trotzdem schaffte er das Comeback. Nun kündigt er seinen Abschied an.

          Topmeldungen

          Das war nichts: Gegen Arsenal ist die Eintracht um Filip Kostic unterlegen.

          Heimdebakel in Europa League : Am Ende fällt die Eintracht auseinander

          Achtbarer Auftritt, bitteres Resultat: Frankfurt erspielt sich beim Start in die Europa League Torchancen in Hülle und Fülle, muss sich aber dem FC Arsenal geschlagen geben. In der nächsten Partie wird ein wichtiger Spieler fehlen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.