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Formel 1: Das Rennen : Vettel sauer, Schumacher lustig

  • -Aktualisiert am

Schattenmann: Mark Webber hat Grund zu feiern Bild: dpa

Der Red Bull bleibt das schnellste Formel-1-Auto - und ein sehr anfälliges: Mark Webber gewinnt in Barcelona, Teamkollege Sebastian Vettel wird von Bremsproblemen geplagt Dritter. Michael Schumacher gelingt im Mercedes mit Platz vier das beste Rennen seit seiner Rückkehr.

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          Lächelt da der Falsche? Nicht doch. Sebastian Vettel gönnte seinem Teamkollegen Mark Webber den Sieg beim Großen Preis von Spanien. „Er ist in seiner eigenen Liga gefahren.“ Und Dritter zu werden hinter Fernando Alonso im Ferrari ist auch nicht schlecht. Zumal Vettel einen Sprung machte. Als Fünfter der Fahrerwertung war er zum Europaauftakt der Formel 1 gekommen. Als Dritter (60 Punkte) hinter Jenson Button (70/McLaren) und Alonso (67) fährt er nun schnurstracks weiter zur nächsten Runde am kommenden Sonntag nach Monaco. Und trotzdem hingen die Mundwinkel nach unten.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Düster blickte der Heppenheimer unter dem Schirm seiner Mütze in die Runde. „Das war ein schreckliches Rennen für mich. Ich habe mich nicht wohl gefühlt im Auto, der Boxenstopp hat zu lange gedauert und in den letzten zehn Runden ging mir die Bremse flöten. Ich hatte Glück, das Auto noch ins Ziel zu bringen.“ Nur Alonso konnte nach einem Ausritt Vettels noch vorbei ziehen.

          Der Vorsprung vor dem prominenten Vierten war so groß, dass Michael Schumacher den jungen Landsmann nicht mehr angreifen konnte. Ein symbolischer Moment für den Stand der Dinge: Selbst ein Red Bull mit beschädigten Bremsen war für Mercedes unerreichbar. „Das Team hat mir (über Funk) gesagt, ich sollte aufhören“, erzählte Vettel, „aber ich wollte nicht.“

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          Formel 1: Das Rennen : Vettel sauer, Schumacher lustig

          Alles schon nach dem Start gelaufen? Die Kenner der Formel 1 lehnten sich zurück, nachdem Webber und Vettel von den besten Startpositionen aus auch die Führung im Rennen übernommen hatten. Barcelona ist berüchtigt für seine einschläfernde Monotonie, wenn alles rund läuft. Und so wirkte der fünfte Grand Prix anfangs wie ein leichte Betäubungspille. Bis die ersten Boxenstopps die Prozession aus der Lethargie rissen. Webber blieb zwar vorne. Aber Vettel bremste ein um zwei Sekunden verzögerter Reifenwechsel (6,1 Sekunden) entscheidend.

          Nach vier Angriffen auf Schumacher gibt Button auf

          Als er auf die Piste zurückkehrte, kam Lewis Hamilton im McLaren die lange Gerade herunter geflogen. Um eine Kollision zu vermeiden, entschied sich der Deutsche, die Piste kurz zu verlassen. Freie Bahn für den Angreifer: Zweiter. Eigentlich hätte dieser Zwischenfall die Jagd eröffnen sollen. Vettel saß im grundsätzlich schnelleren Auto. Die Frage, warum sich Menschen ein Formel-1-Rennen anschauen, obwohl nicht überholt wird, beantworteten aber Schumacher und Button.

          Ähnlich wie Hamilton schob sich der siebenmalige Champion nach seinem ersten Boxenstopp am Weltmeister vorbei auf Rang fünf. Und sah den Briten fortan formatfüllend, drängelnd, mal rechts mal links ausscherend im Rückspiegel. Zwei, drei Runden gaben die Experten Schumacher Vorfahrt. Weil doch der McLaren mit dem ausgetüftelten Windkanal-System im Auto auf der langen Zielgeraden so viel schneller ist als der in dieser Disziplin stumpfe Silberpfeil. Schon saugte sich Button im Windschatten an, zog heraus - und kam doch nicht vorbei. Viermal wagte der Engländer zur Freude der Zuschauer den Angriff. Dann gab er auf.

          Rosberg: „Ein Katastrophen-Wochenende“

          Schumacher hatte seinen Spaß bei diesem Duell. Er fühlt sich nun „viel wohler“ im weiterentwickelten Mercedes. Die Verlängerung des Radstandes eröffnete ihm mehr Spielraum bei der Abstimmung. Das änderte aber nichts am Grundproblem: „Der Rückstand ist erschreckend“, hatte er nach dem Qualifikationstraining mit Blick auf Red Bull gesagt. 1,2 Sekunden Rückstand beim Sprint über eine Runde, im Schnitt 0,9 beim Dauerlauf am Sonntag führen zu einer ernüchternden Fazit nach dem aufwendigen Umbau des Boliden: Mercedes ist trotz der Beschleunigung stehen geblieben.

          „Wir mussten heute auf Ausfälle und Probleme der anderen hoffen, so war es dann auch“, sagte Schumacher. Der enttäuschte Teamkollege Nico Rosberg, - erst wurde er beim Start abgedrängt, dann warf ihn eine Panne beim Boxenstopp auf Rang 13 zurück - macht sich sogar Sorgen: „Das war ein Katastrophen-Wochenende. Irgendwas ist nicht ganz in Ordnung.“

          Die Chance auf schnelle Revanche

          Mercedes, Ferrari, McLaren hatten Red Bull angreifen wollen. Frisch beflügelt flogen sie nach Spanien, schwer gestutzt reiste die gesamte Konkurrenz mit Ausnahme von Alonso wieder ab. Denn Hamilton, der einzige, der Red Bull halbwegs folgen konnte, musste seine aggressive wie imponierende Tour teuer bezahlen. In der vorletzten Runde platzte sein linker Vorderreifen.

          Ob die Luft raus ist? Eine Stunde nach dem Rennen sprachen die Verlierer von der Chance auf eine schnelle Revanche; am Sonntag in Monaco, auf einem ganz anderen Kurs, eckig, langsam, einer Fahrerpiste, wo der brillante Pilot die Schwächen des Materials ausgleicht, wo der Mensch die Maschine schlägt. Doch natürlich sind Webber und Vettel nicht nur glückliche Profiteure ihrer Raketen.

          Noch setzt Red Bull den Windkanal nicht ein

          Die Konkurrenz klammert sich trotzdem an dem radikalen Wechsel der Ansprüche. Denn die Konfiguration des Circuit di Catalunya verstärkt die Klasse des Red Bull. Andernorts soll der Vorsprung wieder schrumpfen. Eine Hoffnung. Tatsächlich aber hat Chefdesigner Adrian Newey dem neuen RB6 die Schwäche des vergangenen Jahres (in „langsamen“ Kurven) ausgetrieben. Am Wochenende ließ sich nur eine (technische) Schwäche erkennen. Red Bull ist auf der Geraden um bis zu zehn Kilometer pro Stunde langsamer als die Schnellsten (Ferrari). Weil das Team die Windkanal-Idee von McLaren bislang noch nicht einsetzt.

          Was aber, wenn Webber und Vettel in drei Wochen beim Großen Preis der Türkei mit einem ähnlichen Modell vorfahren? Button schwieg beredt. Dann steuerte er auf Monaco zu: „Da ist sicher was drin. Allerdings hat Red Bull eine sehr gute Traktion.“ Damit kommt man gut aus den langsamen Ecken eines Stadtkurses heraus. In Monaco ist das Gold wert.

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