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Formel-1-Comebacks : Und ewig lockt das Alte

Das Familienleben auf den Kopf gestellt: Michael Schumacher ist nicht der erste prominente Rückkehrer in die Formel 1 Bild: Reuters

In der Formel 1 gab es vor Michael Schumacher schon viele Rückkehrer. Nicht jeder hatte dabei Glück. Maßstäbe setzte vor allem Niki Lauda; Juan Manuel Fangio wurde gar noch viermal Weltmeister. Bei Nigel Mansell hingegen passte das Cockpit nicht.

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          Sie weiß ganz genau, was die Entscheidung ihres Mannes bedeutet: „Dass Michael nun wieder Rennen fährt, stellt zugegebenermaßen unser Familienleben sehr unerwartet auf den Kopf“, sagt Corinna Schumacher, und doch zeigt sie großes Verständnis. „Er braucht seine Herausforderungen, so ist Michael nun mal.“ Ein Mann der Extreme. Ein Ausnahmetalent, das die Formel 1 geprägt hat wie kaum ein anderer. Sieben WM-Titel, 91 Grand-Prix-Siege, 68 Pole Positions - kaum ein Rekord, den er nicht aufgestellt hat. Am 14. März wird er in Bahrein 1239 Tage nach seinem bislang letzten Rennen wieder an der Startampel stehen. Bernie Ecclestone, der Chefvermarkter der Formel 1, zweifelt nicht am Erfolg dieser Rückkehr, ganz im Gegenteil: „Vergessen Sie Rennsiege - ich habe ihn auf der Rechnung für den Sieg in der Weltmeisterschaft.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Er wäre nicht der erste Rückkehrer, dem das gelingt. Maßstäbe hat in dieser Beziehung vor allem Niki Lauda gesetzt. In die Erinnerung hat sich dessen schwerer Unfall auf der Nordschleife geprägt. Mit rund 220 Kilometern in der Stunde flog Lauda im Ferrari am 1. August 1976 von der Strecke, der Wagen fing Feuer, und der Österreicher wurde von Kollegen aus dem brennenden Wrack gezogen. Fünf Tage hatte Lauda mit dem Tod gerungen, und sechs Wochen später setzte er sich wieder in den Ferrari und wurde Vierter in Monza. Ein Jahr zuvor war er Weltmeister geworden, ein Jahr später wurde er es wieder. Es war der letzte Titelgewinn vor seinem Rücktritt aus dem Motorsport. „Ich habe genug vom Im-Kreis-Fahren“, sagte er im September 1979 und kehrte der Formel 1 den Rücken.

          1984 wird Lauda zum drittenmal Weltmeister

          Noch im selben Jahr gründete er seine eigene Fluglinie Lauda Air. Vier Jahre war Lauda nur noch Zuschauer und hatte keinerlei Interesse mehr an einer Rückkehr. Doch der Aufbau seiner Fluglinie kostete mehr Geld, als er zunächst vermutet hatte. Lauda entschloss sich 1982 im Alter von 33 Jahren zu einem Comeback und fuhr für vier Jahre in einem McLaren. Er war sofort wieder konkurrenzfähig und gewann noch im selben Jahr zwei Rennen. Die Krönung aber folgte 1984: mit dem dritten WM-Titel seiner Laufbahn.

          1957 wurde Juan Manuel Fangio zum fünften Mal Formel-1-Weltmeister - am 4. August siegte er im Maserati 250F auf dem Nürburgring

          Andere verließen ihr Cockpit zunächst nicht freiwillig. Juan Manuel Fangio etwa. 1951 gewann der Argentinier in einem Alfa Romeo zum ersten Mal die Weltmeisterschaft, im folgenden Jahr aber trug er nach einem Unfall in Monza lange ein Gipskorsett, wollte jedoch nicht aufgeben und fuhr 1953 im Alter von 41 Jahren wieder Rennen. Was folgte, war eine beeindruckende Siegesserie mit vier weiteren WM-Titeln (1954 bis 1957).

          Auch Alain Prost wird nach einer Pause wieder Weltmeister

          Ebenfalls ein Jahr Zwangspause musste Alain Prost einlegen, nachdem er 1991 im Unfrieden von Ferrari geschieden war. Doch 1993 kehrte der eigenwillige Franzose im besten Auto des Feldes auf die Strecke zurück und gewann im Alter von 38 Jahren im Williams-Renault sieben Rennen und am Ende den Titel. Seinen vierten insgesamt, womit er seinen langjährigen Rivalen Ayrton Senna übertraf. Doch Williams verpflichtete auch den Brasilianer - und Prost beendete sofort seine Karriere. Warum? „Ich habe keine Lust mehr, mich öffentlich verletzen zu lassen.“

          Nicht immer endete die Rückkehr in die Formel 1 mit einem Triumph. Vor allem der Brite Nigel Mansell musste das erfahren. Als Weltmeister mit Williams hatte er 1992 der Königsklasse seinen Rücken gekehrt und war in die IndyCar World Series gewechselt. Auf Anhieb gewann er dort die Meisterschaft, konnte aber schon in seinem zweiten Jahr in den Vereinigten Staaten nicht mehr an diesen Erfolg anknüpfen.

          Schumachers Pause endet wohl am 10. Februar

          Wie gerufen erschien ein Angebot von McLaren, und Mansell unterschrieb im Alter von 41 Jahren noch einmal einen Vertrag für eine Saison. Ein Erlebnis, das er sich im Nachhinein sicher gern erspart hätte. Deutlich übergewichtig, passte er zunächst überhaupt nicht hinter das Steuer. Und auch als das Cockpit seinen Maßen angepasst war, sah er die Spitze des Feldes nur von hinten. Ein zehnter Platz in San Marino, ein Ausfall in Spanien - dann erklärte Mansell seine Rückkehr für beendet. Überliefert ist folgender Grund: „Was für ein Scheißauto.“

          Im Gegensatz dazu hat Schumacher ziemlich profane Probleme. Er braucht einen neuen Führerschein, die sogenannte Superlizenz. Nach den Regularien des Internationalen Automobil-Verbandes müssen die Piloten dafür in den vergangenen drei Jahren mindestens fünfzehn Rennen absolviert haben. Nun muss der nationale Verband einen neuen Antrag stellen. Schwierigkeiten wird es keine geben - und so kann der Fahrplan bis zum ersten Rennen im neuen Gewand weiterverfolgt werden. Im Januar wird das neue Mercedes-Grand-Prix-Team wohl offiziell präsentiert. Gibt es keine Ausnahmeregelung, wird Schumacher erstmals am 10. Februar in Jerez in das Cockpit seines neues Dienstwagens mit der Startnummer 4 klettern. Dann ist das Testverbot aufgehoben, die Pause beendet - und der Kerpener wird wieder Gas geben.

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