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Formel 1 : Button macht McLaren Dampf

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Jenson Button: „Wir können mehr” Bild: AP

Die Mechaniker von BAR-Honda, die den schönsten Augenblick nicht verpassen wollten, sprinteten jubelnd zur Siegerehrung: Jenson Button auf dem Podium, sein erster dritter Rang, erstmals Platz drei für den Rennstall.

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          Wie gewonnen, so gefeiert. Bei Ferrari umarmten sich die Mechaniker - freundschaftlich, aber nicht überschwenglich. Man ist das Siegen ja gewohnt. Bei BWM-Williams gaben sich die Ingenieure anerkennend die Hand: immerhin Rang zwei.

          Die augenscheinlich Glücklichsten des Tages aber kamen von weit hinten, aus der Tiefe der Boxengasse. Mechaniker von BAR-Honda, die den schönsten Augenblick nicht verpassen wollten, sprinteten jubelnd und jauchzend zur Siegerehrung: Jenson Button auf dem Podium, sein erster dritter Rang im 68. Grand Prix, erstmals Platz drei für den Rennstall. "Das ist ein unglaubliches Gefühl, wir haben so lange und so hart dafür gearbeitet", erzählte der erschöpfte Brite, bevor er Luft holte und eine Kampfansage formulierte: "Das war ein Schritt in die richtige Richtung, aber lange nicht der Höhepunkt. Wir können mehr."

          Rückkehr zu Williams?

          Gesagt, geschrieben. Gut gelaunt formulierten britische Beobachter nach Buttons Coup ihre Geschichten. Es könnte die landesweite Auftaktstory über die neue Hoffnung des heimischen Motorsports werden. Button kämpfte sich vom sechsten Startplatz nach vorne, ließ sich von einem heiklen Tete a Tete mit Jarno Trulli auf den ersten Metern - "unsere Räder berührten sich" - nicht aus der Fasson bringen und setzte anschließend das nominelle Kraftpaket Kimi Räikkönen/McLaren-Mercedes bis zu dessen Panne zeitweise unter Druck.

          "Er ist ein sehr guter Fahrer", sagt Frank Williams. Der Teamchef von Williams hatte den damals zwanzigjährigen Rennfahrer im Jahr 2000 überraschend als Piloten an der Seite von Ralf Schumacher präsentiert, wie aus dem Hut gezaubert. Die vermeintliche Notlösung für BMW-Williams entpuppte sich als glücklicher Griff. Zum Ende der Saison machte der Brite dem erfahrenen Ralf Schumacher Dampf. Trotzdem mußte Button weichen. Williams hatte für das nächste Jahr bereits Juan Pablo Montoya verpflichtet.

          Beschleunigung nach Reifenwechsel

          Nun könnte sich das Rad zurückdrehen. Denn Williams ist bei der Suche nach Ersatz für den zu McLaren wechselnden Montoya wieder auf den alten Bekannten gestoßen. Weil Button nach zwei keineswegs berauschenden Jahren in Diensten von Renault mit dem Wechsel zu BAR 2003 aufblühte und einen Großen der Branche düpierte: den ehemaligen Weltmeister Jacques Villeneuve. Nur könnte die gewinnbringende Leistung des Piloten seinen Wechsel erschweren. Die Teamführung soll ein Veto einlegen dürfen, falls BAR Ende Juli zu den besten Fünf in der Konstrukteurswertung zählt. Nach zwei Rennen liegt die Renngemeinschaft mit neun Punkten auf Platz vier vor McLaren-Mercedes (4).

          Als bedeutender Schritt für die Beschleunigung bei BAR galt bislang der von Nebengeräuschen begleitete Wechsel des Reifenausrüsters. Vor dem letzten Rennen der vergangenen Saison hatte Teamchef David Richards bekanntgegeben, fortan mit Michelin besser über die Runden kommen zu wollen. Prompt steigerte sich das Team laut eigener Mitteilung beim ersten Test um 0,8 Sekunden pro Runde. In der Formel 1, wo zweistellige Millionenbeträge investiert werden, um Fortschritte im Zehntelsekundentakt zu erreichen, sind das Welten.

          Aufsteiger der Saison?

          Ob BAR auch so stark von der Entwicklung bei Bridgestone profitiert hätte, ist fraglich. Die Japaner scheinen bei der Konstruktion ihrer Pneus weitgehend den Wünschen von Ferrari zu entsprechen. Da der Honda-Motor zu den stärksten Modellen zählt, er leistet nach offiziellen Angaben 910 PS, und das Chassis keine großen Schwächen erkennen läßt, halten Experten BAR schon für den Aufsteiger der Saison. Vorausgesetzt, das Team kann bei der Entwicklungsgeschwindigkeit mithalten und die Früchte des Erfolges ernten.

          Takuma Sato, auf Drängen Hondas für den virtuosen Villeneuve ins Cockpit gesetzt, verdarb sich die Aussicht auf ein besonderes Erfolgserlebnis mit einem Ritt ins Kiesbett beim Qualifying. Der Japaner begann das Rennen mit einem neuen Motor vom letzten Startplatz, rutschte bei der Aufholjagd abermals von der Piste und mußte schließlich wegen eines Motorschadens aufgeben, als er endlich einen Punktgewinn vor Augen hatte: Insofern war BAR am Sonntag in doppelter Hinsicht ein Knaller.

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