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Formel 1 : Blinde Raserei

  • -Aktualisiert am

Wer darf sich hier sicher fühlen? In Bahreins Hauptstadt am Donnerstag Bild: dapd

Die Formel 1 dürfe sich in Bahrein sicher fühlen, ließ Jean Todt erklären. Für die Menschen, die ihre Rechte auf der Straße einfordern, gilt das nicht. Und so gilt: Weil der Preis stimmt, werden die Bedingungen ignoriert.

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          Die Formel 1 hat entschieden: Sie wird am übernächsten Sonntag in Bahrein starten. Das ist ein großer Fehler, ganz egal, ob die Motorsportleute die politische Lage im kleinen Königreich zu spüren bekommen werden oder nicht. Es ist sogar wahrscheinlich, dass ihnen nichts passiert, denn die Formel-1-Fahrer werden nur umringt von Bodyguards ihre abgeriegelten Hotels verlassen und in gepanzerten Limousinen über die zweifellos streng bewachte Autobahn von der Stadt Manama hinaus zur Wüstenpiste fahren.

          Nicht den kleinsten Zwischenfall darf sich Bahrein leisten. Und deshalb wird dem Formel-1-Tross das überschaubare Land auf dem Weg von der Unterkunft zur Arbeitsstätte vorkommen wie ein Hochsicherheitstrakt. Aber gerade so eine „Friedhofsruhe“ dürfte die Zustände bestätigen: Hier wird auch ein Grand Prix durchgepeitscht.

          Das ist nur möglich, weil sich die Verantwortlichen der Formel 1 gegenseitig ihre Verantwortung versichert haben; nämlich die geltenden Verträge einhalten zu müssen. Jeder Rennstall verweist auf seine Vereinbarungen mit dem Chefmanager Ecclestone, der wiederum auf seine Abmachungen mit dem Veranstalter, und alle zusammen haben sie auf das Machtwort des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia) gewartet. Weil nur der Regelhüter, die höchste Instanz, wissen könne, was richtig ist.

          All die brillanten Steuerleute und Lenkspezialisten haben also das Denken Fia-Präsident Jean Todt überlassen. Der wischte am Freitag alle Mahnungen vom Tisch und bezeichnete die Startbestätigung als „rationale“ Entscheidung. Was nicht heißen soll, dass Emotionen keine Rolle spielten: Die Formel 1 dürfe sich sicher fühlen, ließ Todt erklären.

          Nur für die Menschen, die in Bahrein ihre Rechte auf der Straße einfordern, gilt das nicht. Unabhängige politische Korrespondenten haben keine wesentlichen Veränderungen seit den tödlichen Schüssen auf unbewaffnete Demonstranten und der Absage des Rennens 2011 festgestellt und beschrieben. Die Leiden der Bevölkerung aber ignoriert die Formel 1.

          Ecclestone begründet diese Kälte mit seinem Neutralitätsgebot: Der Sport dürfe sich nie von Politik einspannen lassen. Im Fall von Bahrein aber ist das schon beim ersten Auftritt 2004 Teil des Deals gewesen. Der Ministaat, dessen Ölquellen versiegen, nutzt den PR-Faktor des Weltsports für die Selbstdarstellung. Dafür zahlt man die vermutlich höchste aller Antrittsgagen (39 Millionen Dollar).

          Im günstigsten Fall wird die Welt vom Rennen 2012 also die reibungslose Zusammenarbeit der Formel 1 mit einem Regime in Erinnerung behalten: Wenn der Preis stimmt, spielen die Bedingungen keine Rolle.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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