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Formel 1 : Bernies Game

  • -Aktualisiert am

Ein Mann mit zwei Gesichtern? Chefvermarkter Bernie Ecclestone lenkt die Geschicke der Formel 1 – nun rätseln einige, wie er das wohl anstellt Bild: dpa

Formel-1-Chefmanager Ecclestone gerät wegen des Verdachts der Bestechung immer mehr unter Druck. Der Imageschaden ist sichtbar, aber niemand wagt es, öffentlich kritische Fragen zu stellen.

          4 Min.

          Bernie Ecclestone drückt ein Auge zu. Das grelle Sonnenlicht über dem Fahrerlager der Formel 1 am Hafenbecken von Valencia stört den Briten, ansonsten angeblich nichts. „Was soll schon passieren?“, fragt er rhetorisch am Freitag. Dann verschwindet der Milliardär, wie immer in weißem Hemd, grauer Hose und Schnallenschuhen, in seinem bescheidenen Motorhome. Wie immer steht ihm niemand im Weg. Wer den kleinen Chefmanager auf sich zukommen sieht, springt auf die Seite, höflich lächelnd. Denn niemand wagt ihn offen zu fragen, was einige denken in diesen Tagen: Hat Ecclestone bestochen?

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Das behauptet Gerhard Gribkowsky. Am Mittwoch präsentierte der frühere Risikochef der Bayerischen Landesbank dem Landgericht München ein Geständnis, das Ecclestone in Bedrängnis bringt. Demnach hat Gribkowsky 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld vom Engländer für den Verkauf der Formel-1-Vermarktungsrechte an das Unternehmen CVC erhalten, das den Briten als Statthalter in der Formel 1 regieren lässt.

          Den Fluss des Geldes hat Ecclestone eingeräumt. Eine Bestechung aber weist er empört zurück. Ecclestone sieht sich stattdessen als Opfer einer Erpressung. Gribkowsky habe ihn seinerzeit bei britischen Steuerbehörden anschwärzen wollen, hatte er vor Gericht als Zeuge zu Protokoll gegeben. Zwar soll dieser Versuch keine Substanz gehabt haben, aber Prüfungen, erklärte Ecclestone, hätten sein Geschäft gelähmt. Und so zahlte der Superreiche, der gerne auf den Cent achtet, lieber 44 Millionen Dollar. Wenn auch nicht aus eigener Tasche. Das Geld stammt aus der Provisionssumme. 66 Millionen gewährte die Landesbank. Die ahnungslosen Bayern schmierten sich selbst.

          Gribkowsky wird ins Gefängnis wandern

          Wessen Version stimmt? Wir wissen es nicht. Diese Frage könnte vor Gericht geklärt werden, sollte sich die Münchener Staatsanwaltschaft dazu entschließen, dem seit 2011 eröffneten Ermittlungsverfahren gegen den Autokraten wegen des Verdachtes der Bestechung des Amtsträgers Gribkowsky eine Anklage folgen zu lassen. „Wir warten das Urteil des Gerichtes und die Begründung ab, bevor wir zu einer Entscheidung kommen“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch auf Anfrage.

          Gerhard Gribkowsky: Ecclestone hat bestochen
          Gerhard Gribkowsky: Ecclestone hat bestochen : Bild: dpa

          Gribkowsky, daran besteht kein Zweifel mehr, wird auch wegen Bestechlichkeit ins Gefängnis wandern, sein Fall auf ewig mit dem Namen Ecclestone verbunden bleiben. Deshalb rotiert die Formel 1 vor dem Rennen in Valencia an diesem Sonntag. Sie lebt zwar seit Jahrzehnten mit Skandalgeschichten um ihren Zampano. Es gibt ganze Bücher, die „Bernies Game“, sein Spiel mit der Geldgier der Menschen, ausführlich beschreiben. Aber in all den Jahren hatte ihm niemand öffentlich eine Straftat unterstellt. „Das ist jetzt eine ganz andere Situation“, sagt das Führungsmitglied eines Rennstalls. „Für uns alle ist dieser Fall, die Außenwirkung eine Katastrophe.“

          Zum Sparen gezwungen

          Die Rennställe sind zum Sparen gezwungen. Nur vier müssen sich vorerst keine größeren Gedanken machen um ihre Einkünfte. Der Rest kämpft um neue Geldgeber. Aber wer steigt in einen Zirkus ein, dessen greiser Direktor mit zunehmendem Alter immer öfter im Zwielicht auftaucht? Am Sonntag, wenn Ecclestone mit Potentaten zur Startaufstellung auf die Piste marschiert, werden wohl führende Köpfe großer Sponsoren mal wieder in Deckung gehen. Aber bislang sind sie alle wieder zurückgekommen.

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