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Kommentar : Warum die Formel 1 abgehängt wird

Ein Selfie fürs Internet? Das dürfte Bernie Ecclestone nicht unbedingt gefallen. Bild: AP

Bernie Ecclestone versteht das Internet nicht – und will deshalb davon nichts wissen. Damit aber schadet der 85 Jahre alte Zampano der Formel 1.

          Romain Grosjean ist 29 Jahre alt, und er hat zuletzt das gemacht, was so viele in seinem Alter machen: Videos drehen, bei Facebook einloggen, das Material hochladen – und schauen, wie viele Likes es dafür gibt. Aber Grosjean hat einen Fehler gemacht. Der Franzose drehte seinen Film während eines offiziellen Termins bei der Vorbereitung auf die neue Formel-1-Saion. Er wollte seinen Fans und den Anhängern dieses Sports das näherbringen, was ihn so sehr fasziniert.

          Nach Aussage des Rennfahrers hatten schon mehr als eine Million Menschen dieses Video angeklickt, als er die Anordnung bekam, es wieder zu entfernen. Absender: die FOM, die Formula One Management, eine Tochtergesellschaft der Formel 1, die darüber entscheidet, was weltweit gesendet wird - oder auch nicht. Grosjeans Kommentar: „Die Formel 1 ist in dieser Hinsicht zu kleinkariert.“

          Facebook, Twitter, Instagram - all diese Sozialen Netzwerke sind kostenlose Marketing-Kanäle, wenn sie richtig genutzt werden. Junge Leute bewegen sich in diesen Sphären. Manche saugen schon all ihre Informationen daraus ab. Zeitungen? Radio? Fernsehen? Von gestern! Jedenfalls in den Köpfen vieler.

          Romain Grosjean würde seine Fans gerne im Internet an der Formel 1 teilhaben lassen.

          Aber diese Entwicklung ist beim großen Zampano der Formel 1, bei Bernie Ecclestone, immer noch nicht angekommen. Dabei würde er mit inzwischen 85 Jahren längst als Silver Surfer durchgehen, als Mitglied jener Generation, die im Alter das Internet für sich entdeckt. Ecclestone aber versteht dieses Internet nicht - und deshalb will er davon auch nichts wissen. Für ihn gilt das alte Credo: Die Formel 1 muss vor allem im TV empfangbar sein.

          Dabei stammt diese Herangehensweise aus den Anfängen der Medienkultur. Das Seh- und Werbeverhalten aber hat sich verändert. Doch in der Formel 1 ist es selbst den teilnehmenden Rennställen nicht erlaubt, Bewegtbilder von einem Grand-Prix-Wochenende im Internet zu verbreiten. Eine Restriktion, die auch Sponsoren immer wieder abschreckt.

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          Dabei ist es durchaus verständlich, wenn ein Rechteinhaber auf seinen Rechten besteht und die Verbreitung der Bilder, für die Fernsehanstalten zweistellige Millionensummen zahlen, kontrolliert – allerdings nur, wenn daraus ein Mehrwert entsteht. Das ist nicht der Fall: Das Zuschauerinteresse schwindet, und selbst die Fußball-Bundesliga (rund 730 Millionen Euro) nimmt mit dem Verkauf ihrer Fernsehrechte derzeit mehr ein als die Formel 1 (etwa 500 Millionen). Die Footballer aus der NFL bekommen sogar fast drei Milliarden Euro.

          Allerdings ist Geld nicht alles. Für einen weltweiten Sport wie die Formel 1 ist das Interesse der jungen Generation eine mindestens ebenso harte Währung. Und Interesse entsteht über Nähe. Über Nähe zu den Stars, Nähe zum Spektakel. Sich rar zu machen, um dadurch Interesse zu wecken - diese Rechnung geht nicht mehr auf. Nicht in der Liebe. Und auch nicht im Sport. Die Alternativen sind zu vielfältig.

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