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Formel 1 : Aus Brawn wird Mercedes GP

Der Stern des Werksteams: Die Computergrafik, die Daimler erstellte, verdeutlicht, dass Mercedes GP im kommenden Jahr als „Silberpfeil” wahrgenommen werden will Bild: Daimler AG

Die Daimler AG hat den Formel-1-Rennstall Brawn übernommen - und tritt in der kommenden Saison erstmals seit 1955 als Rennstallbesitzer auf. Im „Mercedes Grand Prix“ dürfte dann auch Nico Rosberg an den Start gehen - die Zukunft von Weltmeister Jenson Button ist dagegen ungewiss.

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          Die Silberpfeile sind zurück. Seit 1998 war wieder von den berühmten Boliden der dreißiger und fünfziger Jahre die Rede in der Formel 1. Aber das Einzige, was die Renner aus Stuttgart, abgesehen von einem Mercedes-Motor, mit den modernen Flitzern aus Woking gemein hatten, war die Lackierung des McLaren. Wer an der Oberfläche kratzte, stieß auf ein bisweilen arrogantes englisches Team, das mit den Geldern aus dem Schwabenland bestens über die Runden kam, die engagierten, stets zu loyalen Deutschen aber schön auf Abstand hielt. Das Thema ist abgehakt, die McLaren-Ära für Mercedes fast passé. Am Montag kündigte Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, in einer Telefonkonferenz den neuen Weg an, die Fahrt mit Vollgas zurück in die Zukunft: „Mercedes geht 2010 mit einem eigenen Team ins Rennen.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          54 Jahre nach dem Rückzug als Werksteam aus der Formel 1 sind die Schwaben wieder voll verantwortlich im Rennen. Dabei hat die Wirtschaftskrise und die Erfolglosigkeit der Konkurrenz eine entscheidende Rolle gespielt. Sonst hätte die Daimler AG kein, wie es am Montag im Hause Mercedes hieß, „Schnäppchen“ gemacht. Ein Jahr nach dem Rückzug von Honda hat der Konzern 75,1 Prozent des Nachfolgers Brawn GP übernommen. Den Aufkauf teilten sich die Stuttgarter (45,1 Prozent) und der größte Einzelaktionär des Unternehmens, der arabische Finanzinvestor Aabar (30 Prozent). Über die Kaufsumme schwiegen sich die Beteiligten aus.

          „Das Team wird von uns kontrolliert“

          In jedem Fall muss Daimler nicht noch einmal in die Tasche greifen. Denn McLaren wird im Zuge der Auflösung einer 14-jährigen Partnerschaft in den nächsten zwei Jahren die Beteiligung von Daimler (40 Prozent) zurückkaufen. „Wenn man den Kaufpreis abzieht, dann bleiben sogar noch zwei Drittel übrig“, sagte ein Insider. Für ihre Investition bekommen die Schwaben nicht nur eine exzellent von Honda eingerichtete Fabrik, sondern auch ein hervorragendes Team. Brawn GP gewann mit Jenson Button den Fahrertitel sowie die Markenwertung in der abgelaufenen Saison.

          Künftig mit Mercedes GP am Start: Daimler-Chef Dieter Zetsche und Konstrukteur Ross Brawn
          Künftig mit Mercedes GP am Start: Daimler-Chef Dieter Zetsche und Konstrukteur Ross Brawn : Bild: AP

          Deshalb werden die neuen Herren nicht viel ändern. Teamchef Ross Brawn und Geschäftsführer Nick Fry bleiben in ihren Positionen. Allerdings wird Mercedes' Sportchef Norbert Haug als Vorstand das Sagen haben. „Das Team“, erklärte Zetsche, „wird von uns kontrolliert.“ Und in Szene gesetzt: „Mercedes Grand Prix“, so der neue Name der Formel 1, knüpft ganz bewusst an die Ära der Silberpfeile an. Schon der erste am Montag vorgestellte Entwurf mit einer silbernen Hülle und dem Stern auf der Nase ließ keinen Zweifel. Wer das nicht so sehen will, wird es im Erfolgsfall hören. Für den Konstrukteur spielt man in Zukunft die deutsche Hymne.

          Buttons Flirt mit McLaren scheint ein Ablenkungsmanäver zu sein

          Vielleicht kommt es 2010 sogar zu einem doppelten Vorspiel aus dem zweiten Satz von Haydns Kaiserquartett. Denn auch der Mensch in der Maschine kriegt bei der Siegerehrung sein nationales Ständchen. Zwar wollten weder Zetsche noch Haug am Montag über die Fahrer ihres Teams sprechen. Der in Wiesbaden geborene Nico Rosberg aber ist gesetzt. Seine Präsentation hob man sich auf. „Reicht denn die eine gute Nachricht vorerst nicht?“, fragte Haug amüsiert. Der frühere Journalist wird zwar bei den Verhandlungen um die Besetzung des zweiten Autos nicht anwesend sein, doch im entscheidenden Moment nicken.

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